5. Juni 2024 • Von Pawsome Breeds Team

Der Impfplan für Hunde: Welche Impfungen Ihr Hund wirklich braucht (und wie oft)

Der Impfplan für Hunde: Welche Impfungen Ihr Hund wirklich braucht (und wie oft)

Der jährliche Impftermin für alle Komponenten gilt in der modernen Tiermedizin als überholt. Aktuelle Forschung und die Richtlinien der StIKo Vet (Ständige Impfkommission Veterinärmedizin) sowie der WSAVA empfehlen einen differenzierten Impfplan nach dem Grundsatz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Dieser Leitfaden erklärt den Unterschied zwischen Core- und Non-Core-Impfungen und beschreibt das empfohlene Impfschema für Welpen und erwachsene Hunde.

1. Die Core-Impfungen (Pflichtimpfungen): Der absolute Basisschutz

Core-Impfungen (Kernimpfungen) sind diejenigen, die jeder Hund, unabhängig von Alter, Rasse oder Lebensumständen, zu jeder Zeit in seinem Leben zwingend aufweisen muss. Diese Krankheiten sind weltweit verbreitet, hochgradig ansteckend und enden für ungeimpfte Hunde oft tödlich.

In Deutschland (und international) gehören zu den Core-Komponenten:

Staupe (S)

  • Was es ist: Eine hochansteckende, extrem gefährliche Virusinfektion (verwandt mit dem menschlichen Masernvirus). Sie greift die Atemwege, den Magen-Darm-Trakt und in der gefürchteten Spätphase das zentrale Nervensystem an (Krämpfe, Lähmungen).
  • Der Schutz: Der Lebendimpfstoff bietet einen exzellenten, extrem lang anhaltenden Schutz. Nach einer vollständigen Grundimmunisierung muss (laut aktuellen Zulassungen) nur noch alle 3 Jahre (oft sogar noch seltener) aufgefrischt werden.

Hepatitis contagiosa canis (H / HCC)

  • Was es ist: Eine durch das Canine Adenovirus (CAV-1) ausgelöste, akute und oft tödliche Entzündung der Leber.
  • Der Schutz: Wie bei der Staupe. Nach erfolgreicher Grundimmunisierung reicht eine Auffrischung alle 3 Jahre völlig aus.

Parvovirose (P)

  • Was es ist: Das gefürchtete “Katzenseuche”-Virus beim Hund. Es ist extrem widerstandsfähig in der Umwelt (überlebt monatelang im Boden) und hochgradig ansteckend (Schmierinfektion über Kot). Es zerstört die Darmschleimhaut, was zu massiven, blutigen Durchfällen, Erbrechen und rasantem, tödlichem Flüssigkeitsverlust führt. Vor allem Welpen sterben daran qualvoll.
  • Der Schutz: Auch hier gilt: Nach der Grundimmunisierung reicht eine Auffrischung des Lebendimpfstoffes alle 3 Jahre.

Tollwut (T)

  • Was es ist: Eine stets tödlich verlaufende, auf den Menschen übertragbare (Zoonose) Virusinfektion des Nervensystems. Deutschland gilt zwar (dank der Fuchsköder-Impfungen) offiziell als tollwutfrei (terrestrische Tollwut), aber illegale Welpenimporte aus dem Ausland stellen ein ständiges Restrisiko dar.
  • Der Schutz: Die Tollwutimpfung (ein Totimpfstoff) ist gesetzlich oft die wichtigste Impfung. Ohne eine gültige Tollwutimpfung dürfen Sie mit Ihrem Hund keine Grenzen (EU-Heimtierausweis) überqueren. Die meisten modernen Tollwutimpfstoffe sind für eine Auffrischung alle 3 Jahre zugelassen (und sollten auch nur so oft geimpft werden).

Leptospirose (L) – Ein Sonderfall der Core-Impfungen

Leptospirose wird von Bakterien (Leptospiren) verursacht, die von Mäusen und Ratten über den Urin in Pfützen, stehende Gewässer oder feuchte Böden ausgeschieden werden. Infiziert sich ein Hund (z. B. beim Trinken aus einer Pfütze), führt dies oft zu akutem Nieren- und Leberversagen. Auch für Menschen ist die Krankheit hochgefährlich.

  • Der Schutz (und das Problem): Im Gegensatz zu Viren (SHP) ist der Impfstoff gegen Bakterien (Totimpfstoff) deutlich schwächer und kürzer wirksam. Die Immunität hält nachweislich nur etwa 12 Monate an (oft sogar etwas kürzer).
  • Die Konsequenz: Die Leptospirose-Impfung (idealerweise ein moderner “L4”-Impfstoff, der gegen vier Stämme schützt) ist die einzige Core-Impfung, die tatsächlich jedes Jahr (jährlich) zwingend aufgefrischt werden muss.

2. Die Non-Core-Impfungen (Wahlimpfungen): Individuell entscheiden

Diese Impfungen sind nicht für jeden Hund notwendig. Die StIKo Vet empfiehlt, ihren Einsatz individuell nach den Lebensumständen, dem Infektionsdruck in der Region und dem Reiserisiko des Hundes zu entscheiden.

Zwingerhusten (Parainfluenza-Virus (Pi) und Bordetella bronchiseptica)

  • Was es ist: Eine extrem ansteckende, aber für gesunde erwachsene Hunde meist harmlose Atemwegsinfektion (ähnlich einer starken menschlichen Grippe mit trockenem, bellendem Husten).
  • Wann impfen? Sinnvoll für Hunde, die extrem viel Kontakt zu Artgenossen haben (z. B. Hundeschule, Hundeplatz, Ausstellungen) oder die in eine Hundepension gegeben werden (dort wird die Impfung oft zwingend verlangt).
  • Der Schutz: Der Impfstoff (oft als intranasaler Tropfen in die Nase oder ins Maul verabreicht) schützt zwar nicht vor einer Infektion, mildert aber den Verlauf. Er muss jährlich aufgefrischt werden.

Borreliose (Lyme-Krankheit)

  • Was es ist: Eine von Zecken übertragene Bakterieninfektion.
  • Die Kontroverse: Diese Impfung wird von vielen Experten (und der StIKo Vet) sehr kritisch gesehen. Der Impfstoff schützt in Europa oft nicht vor den hier vorkommenden, relevanten Borrelien-Stämmen, erfordert eine strenge, rechtzeitige Auffrischung und steht im Verdacht, Nierenprobleme zu begünstigen.
  • Die bessere Alternative: Anstatt zu impfen, empfehlen Tierärzte eine absolut lückenlose, hochwirksame Zeckenprophylaxe (Spot-On, Halsband oder Tablette) in den Risikomonaten, da diese auch vor anderen, oft gefährlicheren durch Zecken übertragenen Krankheiten (wie Anaplasmose oder Babesiose) schützt, gegen die es keine Impfung gibt.

Leishmaniose

Eine schwere, oft tödliche Krankheit, die von Sandmücken (vorwiegend im Mittelmeerraum) übertragen wird.

  • Wann impfen? Ausschließlich, wenn Sie mit Ihrem Hund häufig oder dauerhaft in Endemiegebiete (Südfrankreich, Spanien, Italien) reisen. Der Impfstoff verhindert nicht die Infektion, sondern senkt nur das Risiko eines schweren Krankheitsausbruchs. Auch hier ist ein abwehrender (repellierender) Mückenschutz (z. B. spezielle Halsbänder oder Spot-Ons) der allerwichtigste Schutz.

3. Der moderne Impfplan: Von der Grundimmunisierung zur Auffrischung

Wie setzen wir dieses Wissen nun in der Praxis um? Der Schlüssel liegt in der perfekten Grundimmunisierung des Welpen.

Das Problem der maternalen Antikörper (Maternale Immunität)

Ein Welpe erhält in den ersten Lebensstunden über die Muttermilch (Kolostrum) schützende Antikörper seiner Mutter. Diese mütterlichen Antikörper schützen den Welpen in den ersten Lebenswochen vor Krankheiten.

Das fatale Problem bei der Impfung: Solange diese mütterlichen Antikörper im Blut des Welpen hoch genug sind, blockieren sie den injizierten Impfstoff komplett. Der Welpe baut keinen eigenen, lebenslangen Schutz (keine aktive Immunität) auf. Da man (ohne teure Bluttests) nicht genau weiß, wann bei jedem einzelnen Welpen diese mütterlichen Antikörper weit genug abgebaut sind (das kann in der 8. Woche, aber bei manchen Hunden auch erst in der 14. Woche der Fall sein), muss der Welpe in diesen ersten Wochen mehrfach geimpft werden, um sicherzustellen, dass mindestens eine der Injektionen “greift”.

Das Schema der StIKo Vet für Welpen (Core-Impfungen)

  1. Im Alter von 8 Wochen: SHPPi + L4 (Erste Impfung beim Züchter).
  2. Im Alter von 12 Wochen: SHPPi + L4 + T (Tollwut darf oft erst ab 12 Wochen geimpft werden).
  3. Im Alter von 16 Wochen: SHPPi + L4 + T (Dies ist oft die entscheidende Impfung, da die mütterlichen Antikörper nun abgebaut sein sollten).

Der wichtigste Schritt: Der Abschluss der Grundimmunisierung

Das Konzept der Grundimmunisierung ist nach der 16. Woche noch nicht abgeschlossen. Laut den neuesten Richtlinien der StIKo Vet muss der Hund im Alter von 15 Monaten (oder ein Jahr nach der letzten Welpenimpfung) noch einmal komplett nachgeimpft werden (SHP, Tollwut, L4). Erst mit dieser Impfung ist die Grundimmunisierung abgeschlossen.

Das Schema für den erwachsenen Hund (Auffrischung)

Nach dieser 15-Monats-Impfung ändert sich das Schema radikal:

  • Jährlich: Nur noch Leptospirose (L4) (und evtl. Zwingerhusten).
  • Alle 3 Jahre: Staupe, Hepatitis, Parvovirose (SHP) und Tollwut (T).

Achten Sie beim Tierarzt zwingend darauf, dass bei der 3-Jahres-Impfung auch tatsächlich ein Impfstoff verwendet und im EU-Heimtierausweis eingetragen wird, der für 3 Jahre zugelassen ist.

4. Eine smarte Alternative: Die Titer-Bestimmung

Immer mehr kritische und verantwortungsbewusste Hundehalter (und Tierärzte) nutzen heute eine großartige Alternative zur blinden, dreijährigen SHP-Nachimpfung: Die Titer-Bestimmung.

Anstatt den Hund alle drei Jahre einfach “auf Verdacht” nachzuimpfen, entnimmt der Tierarzt eine kleine Menge Blut. Im Labor (oder per Schnelltest in der Praxis) wird der Antikörper-Titer (die Menge an vorhandenen Abwehrzellen) gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose gemessen. Ergebnis: Besitzt der Hund noch ausreichend Antikörper (was bei gut grundimmunisierten Hunden oft nach 5, 7 oder sogar 10 Jahren noch der Fall ist), muss (und sollte) er nicht geimpft werden. Der Schutz ist voll intakt. Eine zusätzliche Impfung auf bestehende Antikörper bringt keinen “Extra-Schutz”, sie verpufft schlichtweg. (Achtung: Dies gilt nicht für Leptospirose und oft rechtlich nicht für Tollwut bei Grenzübertritten).

Fazit

Der moderne Impfplan für Hunde unterscheidet zwischen Core-Impfungen (SHP alle 3 Jahre, Leptospirose jährlich, Tollwut nach Zulassung) und situationsabhängigen Non-Core-Impfungen. Die Grundimmunisierung des Welpen muss mit einer Impfung im Alter von 15 Monaten abgeschlossen werden. Als Alternative zur routinemäßigen SHP-Auffrischung kann eine Titer-Bestimmung sinnvoll sein. Tierhalter sollten ihren Tierarzt aktiv nach dem individuell passenden Impfplan fragen.

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