17. April 2024 • Von Pawsome Breeds Team

Wie viel sollte ich meinem Hund füttern? Ein Leitfaden vom Welpen bis zum Senior

Wie viel sollte ich meinem Hund füttern? Ein Leitfaden vom Welpen bis zum Senior

Die Fütterungsempfehlungen auf Hundefutterverpackungen sind häufig zu weit gefasst und basieren oft auf intakten, sehr aktiven Hunden. Für kastrierte, ruhige oder ältere Hunde können diese Angaben zu einer Überversorgung führen.

Adipositas ist eines der am häufigsten vermeidbaren Gesundheitsprobleme bei Hunden und verkürzt die Lebenserwartung. Eine präzise Berechnung des individuellen Kalorienbedarfs ist daher ein wichtiger Bestandteil der Hundegesundheit.

Dieser Leitfaden erklärt, wie der tatsächliche Kalorienbedarf eines Hundes berechnet wird.

Schritt 1: Den Ruheenergiebedarf (RER) berechnen

Der RER (Resting Energy Requirement) ist die absolute Basis. Es ist die Anzahl an Kalorien, die der Körper Ihres Hundes verbrennt, wenn er im Koma liegen würde und nichts anderes tun müsste, als zu atmen, das Herz schlagen zu lassen und die Gehirnfunktionen aufrechtzuerhalten (vergleichbar mit dem Grundumsatz beim Menschen).

Die medizinische Formel lautet: RER = 70 x (Körpergewicht in kg) ^ 0,75

Hier ist der Spickzettel für die gängigsten Gewichte:

  • 5 kg Hund = ca. 235 kcal/Tag (RER)
  • 10 kg Hund = ca. 395 kcal/Tag (RER)
  • 20 kg Hund = ca. 665 kcal/Tag (RER)
  • 30 kg Hund = ca. 885 kcal/Tag (RER)
  • 40 kg Hund = ca. 1.100 kcal/Tag (RER)

Schritt 2: Der Multiplikator (Lebensphase & Aktivität)

Jetzt nehmen Sie diesen RER-Basiswert und multiplizieren ihn mit dem sogenannten “Lebensstil-Faktor” Ihres speziellen Hundes. Das Ergebnis ist der Tägliche Energiebedarf (Daily Energy Requirement - DER), den Ihr Hund tatsächlich fressen darf.

  • Kastrierter erwachsener Hund (Normale Aktivität): RER x 1,6
    • Beispiel: Ein 20 kg schwerer, kastrierter Hund (RER 665) x 1,6 = 1.064 kcal/Tag.
  • Intakter (unkastrierter) erwachsener Hund: RER x 1,8
    • Warum? Geschlechtshormone (wie Testosteron) verbrennen massiv Energie. Intakte Hunde haben von Natur aus einen deutlich höheren Grundstoffwechsel als kastrierte Tiere.
  • Gewichtsabnahme (Bei übergewichtigen Hunden): RER x 1,0
    • Sie füttern in strenger Absprache mit dem Tierarzt genau den RER-Wert für das Zielgewicht (nicht das aktuelle Gewicht), um ein sicheres, stetiges Kaloriendefizit zu erzeugen.
  • Arbeitshund (Leichte Arbeit): RER x 2,0
    • Beispiel: Ein Hund, der Sie täglich auf langen, intensiven Joggingrunden oder am Fahrrad begleitet.
  • Arbeitshund (Schwere Arbeit): RER x 3,0 bis 5,0
    • Beispiel: Echte Schlittenhunde im Training, Hütehunde, die den ganzen Tag an Schafen arbeiten, oder Jagdhunde im harten Feldeinsatz.
  • Senior (Geriatrisch): RER x 1,2 bis 1,4
    • Warum? Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich der Stoffwechsel drastisch. Gleichzeitig schwindet die Muskelmasse, was den Kalorienverbrauch weiter senkt.
  • Welpe im Hauptwachstum (bis 4 Monate): RER x 3,0
    • Welpen benötigen massive Energiemengen, um Knochen, Organe und Gehirn aufzubauen.
  • Junghund (4 Monate bis ausgewachsen): RER x 2,0

Schritt 3: Die Kalorien Ihres Futters entschlüsseln

Jetzt kennen Sie die exakte Zahl (z.B. 1.064 Kalorien). Im nächsten Schritt müssen Sie auf die Rückseite Ihres Futterbeutels (oder der Dose) schauen. Suchen Sie nach dem Wert für die Umsetzbare Energie (ME) in kcal pro Kilogramm (kcal/kg) oder kcal pro 100 Gramm. Diese Angabe ist auf fast jedem hochwertigen Futter gesetzlich verpflichtend oder im Kleingedruckten versteckt.

  • Beispiel Futter A (Normales Familienhund-Futter): 3.500 kcal/kg (oder 350 kcal pro 100g).
    • Rechnung: 1.064 kcal (Tagesbedarf) / 3,5 (Faktor für 100g) = 304 Gramm Futter pro Tag.
  • Beispiel Futter B (Hochleistungs-Sportfutter “High Energy”): 4.200 kcal/kg (oder 420 kcal pro 100g).
    • Rechnung: 1.064 kcal / 4,2 = 253 Gramm Futter pro Tag.

Sehen Sie den massiven Unterschied? Eine “Handvoll” Futter ist kein Energiemaßstab. Sie müssen zwingend die Kaloriendichte (Brennwert) des jeweiligen Futters kennen, wenn Sie die Sorte wechseln.

Der Body Condition Score (BCS): Die absolute Wahrheit

Auch die besten tierärztlichen Rechner sind letztlich nur Mathematik. Jeder Hund ist ein absolutes Individuum mit einer eigenen Genetik. Ein nervöser, hibbeliger Zwergpudel, der den ganzen Tag im Haus tigert, verbrennt im Ruhezustand deutlich mehr Kalorien als eine stoische, extrem gemütliche Englische Bulldogge desselben Gewichts.

Sie müssen die berechnete Futtermenge immer anhand des Body Condition Score (BCS) (einer visuellen Skala für die Körperkondition) Ihres Hundes feinjustieren.

Der Rippen-Test (Führen Sie diesen alle 2-3 Wochen durch): Streichen Sie mit beiden flachen Händen, ohne großen Druck auszuüben, sanft über den Brustkorb Ihres stehenden Hundes.

  1. Ideal (BCS 4-5 von 9): Sie können die Rippen mühelos spüren (wie die Knöchel auf Ihrem flach ausgestreckten Handrücken). Es liegt nur eine hauchdünne Fettschicht darüber. Von oben betrachtet hat der Hund eine deutliche Taille (Sanduhrform) hinter den Rippen.
  2. Zu dünn (BCS 1-3 von 9): Sie können die Rippen schon von Weitem durch das Fell stehen sehen. Die Hüftknochen treten extrem spitz hervor. Erhöhen Sie die Futtermenge um 10 bis 15 %.
  3. Zu dick (BCS 6-9 von 9): Sie müssen fest mit den Fingern durch eine dicke Fettschicht drücken, um die Rippen überhaupt erahnen zu können (wie das Drücken auf Ihren Handballen). Der Rücken ist breit und flach wie ein Tisch, eine Taille fehlt völlig. Reduzieren Sie die Kalorien rigoros um 10 bis 20 % und sprechen Sie bei Adipositas (Grad 8-9) zwingend mit Ihrem Tierarzt über eine professionelle Diät (Satiety-Futter), um Mangelerscheinungen beim Kürzen zu vermeiden.

Welpenfütterung: Häufigkeit im Wachstum

Welpen haben winzige Mägen (deren Fassungsvermögen schnell erschöpft ist), aber einen gigantischen Energiebedarf für das Knochen- und Organwachstum. Sie dürfen (und können) niemals ihre gesamte Tagesration in einer einzigen Mahlzeit fressen. Das würde zu gefährlichen Blutzuckerabfällen (Hypoglykämie) führen, besonders bei kleinen Rassen.

  • 8 bis 12 Wochen: 4 Mahlzeiten am Tag (Frühstück, Mittag, Nachmittag, früher Abend).
  • 3 bis 6 Monate: 3 Mahlzeiten am Tag.
  • Ab 6 bis 12 Monaten: 2 Mahlzeiten am Tag (Behalten Sie dies idealerweise für den Rest des Hundelebens bei, um Magendrehungen bei großen Hunden vorzubeugen).

Wann auf Adult-Futter (Erwachsenenfutter) umstellen?

  • Zwerg- und kleine Rassen (z.B. Chihuahuas, Jack Russell): Oft schon mit 9 bis 10 Monaten, da sie ihr Endgewicht und Knochenwachstum sehr früh erreicht haben.
  • Mittelgroße Rassen (z.B. Cocker Spaniel): Mit etwa 12 Monaten.
  • Große und Riesenrassen (z.B. Deutsche Dogge, Mastiff, Neufundländer): Meist erst mit 18 bis 24 Monaten. KRITISCHER FEHLER: Stellen Sie diese Rassen niemals zu früh auf Erwachsenenfutter um. Spezielles “Large Breed Puppy”-Futter hat ein exakt reguliertes, niedrigeres Kalzium-Phosphor-Verhältnis, um zu schnelles Knochenwachstum und schwere Skelettschäden (wie HD/ED) in der langen Wachstumsphase zu verhindern. Erwachsenenfutter enthält oft zu viel Kalzium für riesige Welpen im Wachstum.

Die Leckerli-Falle

Leckerlis, Schweineohren, kleine Käsestücke vom Tisch – sie alle haben Kalorien, die in die Tagesration eingerechnet werden müssen. Die goldene tierärztliche Regel: Leckerlis und Kausnacks dürfen niemals mehr als 10 % der gesamten täglichen Kalorienaufnahme (DER) ausmachen.

  • Rechnung: Wenn Ihr Hund täglich 1.000 Kalorien benötigt, dürfen maximal 100 Kalorien aus Leckerlis stammen. Die Hauptmahlzeit im Napf wird entsprechend auf 900 Kalorien gekürzt.
  • Realitätscheck: Ein handelsübliches Schweineohr hat oft rund 300 bis 400 Kalorien (das entspricht der halben Tagesration eines 10-kg-Hundes). Ein kleines Stück Hartkäse bringt schnell 80 Kalorien auf die Waage.
  • Wenn Sie in der Hundeschule sehr viel trainieren und massiv belohnen müssen, ziehen Sie einen Großteil der normalen Trockenfutterration vom Frühstück ab und verwenden Sie diese als Trainingsbelohnung (erarbeiten lassen). Packen Sie Leckerlis niemals “einfach so obendrauf”.

Zusammenfassung für den Futter-Alltag

  1. Berechnen Sie den RER: Kennen Sie den exakten absoluten Basisbedarf Ihres Hundes.
  2. Passen Sie die Lebensphase an (DER): Multiplizieren Sie den Wert je nach Kastrationsstatus (z.B. 1,6) oder Alter.
  3. Lesen Sie das Kleingedruckte: Finden Sie den exakten “kcal/kg”-Wert (Umsetzbare Energie) auf dem Futtersack.
  4. Rechnen Sie nach: Teilen Sie den Tagesbedarf durch die Kaloriendichte des Futters, um die exakte Grammanzahl (auf einer Küchenwaage, nicht in einem Becher) zu ermitteln.
  5. Fühlen Sie die Rippen: Passen Sie die errechnete Menge alle paar Wochen (oder nach einer Kastration) kritisch nach oben oder unten an, wenn die Taille Ihres Hundes verschwindet.

Die Futtermenge ist kein statischer Wert. Sie verändert sich mit dem Alter, dem Kastrationsstatus, der körperlichen Aktivität und der Jahreszeit. Regelmäßige Kontrolle des Body Condition Score und Anpassung der berechneten Menge sind notwendig, um das Idealgewicht langfristig zu halten.

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