6. April 2024 • Von Pawsome Breeds Team

Zecken beim Hund: So entfernen Sie sie sicher und beugen Krankheiten vor

Zecken beim Hund: So entfernen Sie sie sicher und beugen Krankheiten vor

Zecken sind Überträger von Erregern wie Borrelien, Anaplasmen, Babesien und FSME-Viren. Verbreitete Hausmittel zur Entfernung wie Öl oder Streichholz sind kontraindiziert, da sie die Zecke zur Regurgitation bringen und so die Erregerübertragung fördern können. Dieser Leitfaden erklärt die korrekte Entfernung, die wichtigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten und die verfügbaren Prophylaxeoptionen.

1. Die sichere Entfernung: Schritt für Schritt

Vergessen Sie das Öl. Vergessen Sie den Klebstoff. Vergessen Sie brennende Streichhölzer. Das einzige Werkzeug, das Sie benötigen, ist eine feine, spitze Zeckenzange, ein Zeckenhaken (Tick Twister) oder eine Zeckenkarte. (Eine normale, flache Augenbrauenpinzette quetscht die Zecke zu sehr).

  1. Vorbereitung: Wenn Ihr Hund sehr unruhig ist, bitten Sie eine zweite Person, ihn sanft festzuhalten und mit etwas Leberwurst abzulenken. Ziehen Sie sich (wenn Sie sehr empfindlich sind oder Wunden an den Händen haben) Einweghandschuhe an. Zeckenblut kann infektiös sein.
  2. Haare scheiteln: Legen Sie die Haut um die Zecke herum mit den Fingern der anderen Hand straff, damit Sie den Einstichkanal und den winzigen Kopf der Zecke klar sehen können.
  3. Das Greifen (Das Wichtigste): Setzen Sie die Zeckenzange oder Pinzette so nah wie möglich an der Haut des Hundes an. Die harten Mundwerkzeuge (den “Kopf”) der Zecke greifen, nicht den weichen, geschwollenen Hinterleib (den vollgesogenen Körper).
  4. Der Zug (niemals drehen): Ziehen Sie die Zecke mit einem langsamen, stetigen, geraden Zug nach oben aus der Haut.
    • Die Schrauben-Lüge: Entgegen veralteter Mythen haben Zecken kein Gewinde an ihren Beißwerkzeugen. Wenn die Zecke gedreht wird, reißt mit hoher Wahrscheinlichkeit der Kopf ab, der dann als entzündlicher Fremdkörper in der Haut verbleibt. (Ausnahme: spezielle Zeckenhaken, die durch einen feinen Schlitz unter die Zecke geschoben werden; bei diesen ist eine leichte Drehbewegung durch die Hebelwirkung zulässig. Herstelleranleitung beachten).
  5. Kontrolle: Überprüfen Sie, ob die Zecke komplett mitsamt den Beißwerkzeugen entfernt wurde. (Sollte der Kopf als kleiner schwarzer Punkt in der Haut stecken bleiben, nicht mit einer Nadel herumstochern. Desinfizieren Sie die Stelle. Der Körper stößt den Rest meist von selbst ab. Beobachten Sie die Stelle auf Eiterbildung).
  6. Desinfektion: Tupfen Sie etwas Wunddesinfektion (z. B. Jod oder Octenisept) auf die Bissstelle.
  7. Die Vernichtung: Die Zecke nicht ins Waschbecken oder die Toilette werfen (Zecken überleben Wasser lange). Geben Sie die Zecke in ein Stückchen Küchenpapier, falten Sie es zusammen und zerdrücken Sie sie mit einem harten Gegenstand, oder legen Sie sie in ein Schraubglas mit hochprozentigem Alkohol. Die Zecke niemals mit den bloßen Fingernägeln zerquetschen (Infektionsgefahr durch austretende Körperflüssigkeiten).

Warum Hausmittel tödlich enden können (Der Erbrochenes-Faktor)

Wenn Sie eine Zecke mit Öl, Nagellack oder Klebstoff bestreichen (um sie zu ersticken) oder sie mit den Fingern am dicken Bauch quetschen, lösen Sie beim Parasiten Todesangst und extremen Stress aus. Die Reaktion der Zecke: Sie erbricht (regurgitiert) ihren gesamten Mageninhalt schlagartig zurück in den Einstichkanal – und damit direkt in die Blutbahn Ihres Hundes. Genau in diesem Mageninhalt sitzen die Bakterien (z.B. Borrelien), die die gefährlichen Krankheiten auslösen. Sie infizieren Ihren Hund durch die Panikreaktion der Zecke also quasi absichtlich.

2. Die großen Vier: Zeckenkrankheiten in Mitteleuropa

Zeckenstiche sind nicht sofort infektiös. Die Erreger befinden sich im Darm der Zecke und wandern erst während des Saugaktes in die Speicheldrüsen.

  • Für die Übertragung von Borreliose benötigt die Zecke in der Regel 12 bis 48 Stunden Saugzeit. Eine extrem schnelle Entfernung nach dem Spaziergang ist der beste Schutz.
  • Für Anaplasmose oder die gefährliche Babesiose reichen oft schon 12 bis 24 Stunden oder sogar weniger (bei der Auwaldzecke).

Auf diese schleichenden Symptome müssen Sie in den 1 bis 4 Wochen nach einem Biss zwingend achten:

  1. Borreliose (Lyme-Krankheit): Die “wechselnde Lahmheit”. Ihr Hund humpelt plötzlich auf dem linken Vorderbein, am nächsten Tag tut ihm scheinbar das rechte Hinterbein weh. Die Gelenke sind heiß und schmerzhaft. Hinzu kommen extremes Fieber (über 39,5 °C), Lethargie und geschwollene Lymphknoten (unter dem Kiefer). Hinweis: Die beim Menschen typische “Wanderröte” um den Biss herum tritt bei Hunden (und unter dem Fell) fast nie sichtbar auf.
  2. Anaplasmose: Bakterien zerstören die weißen Blutkörperchen. Symptome sind schweres Fieber, absolute Apathie, blasse Schleimhäute, Nasenbluten, punktförmige Einblutungen in Haut oder Zahnfleisch, oft begleitet von Magen-Darm-Problemen.
  3. Babesiose (Hundemalaria): Ausgelöst durch einzellige Parasiten (Babesien), die von der Buntzecke (Auwaldzecke) übertragen werden. Sie zerstören die roten Blutkörperchen. Die Krankheit verläuft akut lebensbedrohlich. Symptome: Extrem hohes Fieber, Kaffeebrauner oder blutiger Urin (Hämoglobinurie), Gelbsucht, Schwäche. Ohne rasante tierärztliche Behandlung stirbt der Hund oft innerhalb weniger Tage an Organversagen.
  4. FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis): Eine seltene, aber potenziell tödliche Virusinfektion, die das Gehirn und die Hirnhäute angreift (Krämpfe, Lähmungen, Verhaltensänderungen, Schmerzhaftigkeit bei Berührung an Kopf/Hals).

Fazit für Halter: Wenn ein Hund in den Wochen nach einem Zeckenbiss fiebrig, lethargisch oder steif ist, sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. Ein Bluttest (4DX-Test oder PCR) bringt Klarheit.

3. Die Prophylaxe: Einen Schutzschild aufbauen

Der beste Schutz vor einer Zeckenkrankheit ist es, die Zecke gar nicht erst zum Biss kommen zu lassen oder sie so schnell zu töten, dass sie keine Erreger übertragen kann. Der Markt bietet drei wissenschaftlich stark erprobte Lösungen. Alle haben Vor- und Nachteile.

1. Oral verabreichte Tabletten (Isoxazoline)

  • Bekannte Marken: Bravecto, NexGard, Simparica, Credelio.
  • Wie es funktioniert: Das Medikament wird (meist als Kautablette) gefressen und verteilt sich im gesamten Blutkreislauf und Gewebe des Hundes. Wenn die Zecke zubeißt und das Blut aufnimmt, stirbt sie durch ein Nervengift rasant ab (meist innerhalb von 12 bis 24 Stunden) und vertrocknet, lange bevor sie z. B. Borrelien übertragen kann.
  • Vorteile: Extrem hohe Wirksamkeit (nahezu 100 %). Kein ekliger, fettiger Film auf dem Fell. Man kann den Hund sofort kuscheln, baden oder schwimmen lassen, ohne dass die Wirkung nachlässt. Wirkdauer von 4 bis 12 Wochen (je nach Präparat).
  • Nachteile: Rezeptpflichtig. Die Zecke muss zwingend anbeißen, um zu sterben (es gibt keinen abwehrenden “Repellent-Effekt”). In sehr seltenen Fällen können Nebenwirkungen (Magen-Darm-Probleme oder neurologische Symptome bei Hunden mit Vorerkrankungen/Epilepsie) auftreten.

2. Spot-On Präparate (Tropfen)

  • Bekannte Marken: Frontline, Advantix, Vectra 3D, Exspot.
  • Wie es funktioniert: Die Lösung wird in den Nacken (zwischen die Schulterblätter) getropft. Der Wirkstoff verteilt sich über den Talgfilm der Haut über den gesamten Hundekörper.
  • Vorteile: Viele Präparate (z.B. mit Permethrin, wie Advantix) haben einen Repellent-Effekt (Hot-Foot-Effekt). Die Zecken verbrennen sich beim Krabbeln auf dem Fell bildlich gesprochen die Füße und fallen ab, bevor sie überhaupt eine Stelle zum Beißen finden.
  • Nachteile: Der Hund hat in den ersten 48 Stunden einen öligen Film auf dem Nacken (nach dem Streicheln Hände waschen). Bei häufigem Schwimmen (besonders mit Shampoo) lässt der Schutz nach. Warnung: Präparate mit dem Wirkstoff Permethrin sind für Katzen hochgradig toxisch. Katzen dürfen Hunde, die gerade damit behandelt wurden, nicht ablecken oder eng mit ihnen kuscheln.

3. Zeckenhalsbänder

  • Bekannte Marken: Seresto (Scalibor).
  • Wie es funktioniert: Ähnlich wie Spot-Ons geben die Bänder kontinuierlich kleinste Mengen des Wirkstoffs an den Fettfilm der Haut ab.
  • Vorteile: Extrem lange Wirkdauer (Seresto hält bis zu 8 Monate). Repellent-Effekt. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für eine ganze Saison.
  • Nachteile: Der Hund muss das Band permanent tragen. Beim Herumtoben im Gestrüpp oder mit anderen Hunden kann es verloren gehen oder zu Reizungen (allergischer Ausschlag/Ekzem) an der Haut unter dem Band führen.

4. Was ist mit “natürlichen” Alternativen (Kokosöl, Bernsteinketten, Knoblauch, Schwarzkümmelöl)?

Die tiermedizinische Wissenschaft (Parasitologen) ist sich hier erschreckend einig: Es gibt keinen einzigen validen, klinisch reproduzierbaren Beweis, dass Bernsteinketten, EM-Keramik, Kokosöl, Neemöl oder Knoblauch eine Zecke dauerhaft, verlässlich und sicher davor abhalten, sich an einen Hund zu hängen und lebensgefährliche Krankheiten zu übertragen. Ganz im Gegenteil: Knoblauch ist für Hunde ab einer gewissen Dosis hochgiftig (zerstört die roten Blutkörperchen), und ätherische Öle (wie Teebaumöl) können schwere Allergien oder neurologische Schäden auslösen. Wer in einem Risikogebiet (wie Süddeutschland, Bayern, Baden-Württemberg) lebt und auf “Chemie-Keulen” verzichtet, spielt mit dem Leben seines Hundes Russisches Roulette.

Zusammenfassung für den Alltag

  1. Die abendliche “Zeckenkontrolle”: Streicheln Sie Ihren Hund nach jedem Spaziergang im Unterholz, hohen Gras oder Waldrändern gründlich ab. Suchen Sie besonders die warmen, gut durchbluteten, dünnhäutigen Stellen ab (Achseln, Leisten, unter den Schlappohren, am Hals und zwischen den Zehen).
  2. Ganzjähriger Schutz: Zecken sterben im Winter nicht. Sie fallen in eine Kältestarre und werden wieder aktiv, sobald die Temperatur (auch im Dezember oder Februar) für ein paar Tage über 5 bis 7 °C steigt. Ein ganzjähriger Schutz oder zumindest von März bis November ist empfehlenswert.
  3. Die Impf-Frage: Es gibt in Deutschland eine Borreliose-Impfung für Hunde. Diese sollte abhängig vom regionalen Infektionsrisiko mit dem Tierarzt besprochen werden. Sie ersetzt jedoch nicht den äußeren Parasitenschutz, da sie nicht vor Anaplasmose, Babesiose oder FSME schützt.

Zecken lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber ihr Risiko lässt sich durch regelmäßige Kontrollen nach Spaziergängen, effektive Prophylaxe und ganzjährigen Schutz erheblich reduzieren. Bei Symptomen nach einem Zeckenbiss ist ein Tierarztbesuch mit Bluttest angezeigt.

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