28. Mai 2024 • Von Pawsome Breeds Team
Reisen mit dem Hund: Der ultimative Guide für Roadtrips und Flüge
Das Reisen mit einem Hund erfordert Vorbereitung in mehreren Bereichen: Transportsicherheit im Auto, länderspezifische Einreisebestimmungen und, bei Flugreisen, die Auswahl und das Training der geeigneten Transportbox. Dieser Leitfaden beschreibt die wichtigsten Aspekte.
1. Der Roadtrip: Sicher und entspannt im Auto
Die Autoreise ist die mit Abstand beliebteste (und oft hundefreundlichste) Art zu verreisen. Der Hund ist bei seinem “Rudel”, man kann Pausen frei einteilen und das Gepäcklimit ist großzügig. Dennoch ist das Auto für viele Hunde ein Ort des Stresses (Reisekrankheit) oder der Lebensgefahr (falsche Sicherung).
Die gesetzliche und physische Sicherung
In Deutschland und den meisten europäischen Ländern gilt ein Hund im Auto gesetzlich als “Ladung” und muss entsprechend gesichert werden. Ein ungesicherter 20-Kilo-Hund verwandelt sich bei einer Vollbremsung mit 50 km/h in ein tödliches, über 500 Kilo schweres Geschoss.
- Die Transportbox (Der Goldstandard): Eine fest im Kofferraum verankerte (am besten crash-getestete) Aluminium-Transportbox ist die sicherste Variante für Hund und Mensch. Sie bietet dem Hund zudem eine höhlenartige Begrenzung, die bei kurvenreichen Fahrten Sicherheit und Halt vermittelt.
- Das Anschnallgeschirr: Wenn der Hund auf der Rückbank mitfährt, muss er ein crash-getestetes Autogeschirr (kein normales Spaziergeschirr) tragen, das direkt in den Isofix-Halterungen oder mit einem kurzen Gurt im Gurtschloss verankert wird. Ein langes Gurtband, mit dem der Hund bei einem Aufprall durch das Auto fliegt, bietet keinen ausreichenden Schutz.
- Das Trenngitter: Ein stabiles Metallgitter zwischen Kofferraum und Fahrgastzelle schützt zwar die Insassen, bietet dem Hund im Kofferraum bei einem Aufprall jedoch keinen Halt (er knallt ungebremst gegen das Gitter).
Kampf der Reisekrankheit (Motion Sickness)
Viele Hunde (besonders Welpen) speicheln, schmatzen stark, zittern oder erbrechen beim Autofahren. Dies liegt oft an einem noch nicht voll entwickelten Gleichgewichtsorgan im Innenohr oder an schlichter Angst.
- Gewöhnung: Beginnen Sie Wochen vor dem Urlaub. Füttern Sie den Hund im parkenden Auto. Fahren Sie dann nur 2 Minuten um den Block zu einem tollen Spaziergang (Auto = es passiert etwas Fantastisches).
- Medikamente: Wenn das Training nicht reicht, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über hochwirksame, moderne Medikamente gegen Übelkeit (z.B. Cerenia, das das Brechzentrum im Gehirn blockiert, ohne den Hund zu sedieren). Füttern Sie den Hund zudem 2 bis 4 Stunden vor der Abfahrt nicht mehr.
- Die Pausen-Regel: Planen Sie alle 2 bis maximal 3 Stunden eine Pause (mindestens 15-20 Minuten) ein. Der Hund muss raus aus dem Auto, schnüffeln (das baut Stress ab), Wasser trinken und sich strecken.
2. Bürokratie und Einreisebestimmungen: Was Sie im Vorfeld klären müssen
Wer die Grenzen seines Heimatlandes überschreitet, verlässt sich auf sein Bauchgefühl, begeht aber oft einen großen Fehler. Die Einreisebestimmungen variieren selbst innerhalb der EU (und erst recht außerhalb) massiv. Ein fehlender Stempel im Pass kann dazu führen, dass Ihr Hund an der Grenze in wochenlange Quarantäne muss oder Ihnen die Einreise verweigert wird.
Die absolute Basis (für die gesamte EU):
- Der EU-Heimtierausweis (Der blaue Pass): Dieses Dokument darf nur von autorisierten Tierärzten ausgestellt werden. Es dokumentiert den Besitzer, die genaue Beschreibung des Hundes und alle Impfungen. (Der gelbe Impfpass reicht für Auslandsreisen nicht aus).
- Der Mikrochip: Jeder Hund muss zwingend mit einem ISO-genormten Mikrochip unverwechselbar gekennzeichnet sein. Die Chipnummer muss im Pass eingetragen sein (und idealerweise auch vor der Impfung vom Tierarzt abgelesen worden sein). Tätowierungen werden in der EU oft nicht mehr anerkannt (es sei denn, sie wurden vor 2011 gestochen und sind gut lesbar).
- Die gültige Tollwutimpfung: Der Hund muss eine gültige, im Pass korrekt eingetragene Tollwutimpfung haben. Hinweis: Die Impfung muss bei der Erstimpfung (oder nach Ablauf der Gültigkeit) mindestens 21 Tage alt sein, bevor die Grenze passiert werden darf. Welpen können oft erst ab der 12. Woche geimpft werden und dürfen somit erst mit 15 Wochen reisen.
Länderspezifische Zusatz-Regeln:
Einige europäische Länder (z.B. Großbritannien, Irland, Malta, Finnland, Norwegen) fordern eine zusätzliche, vom Tierarzt dokumentierte Bandwurmbehandlung (Echinokokkose-Behandlung). Diese muss in einem Zeitfenster von 24 bis 120 Stunden vor der Einreise durchgeführt und im EU-Heimtierausweis abgestempelt werden. Dieser Tierarzttermin sollte rechtzeitig eingeplant werden.
Zudem gelten in vielen Ländern strenge Rasselisten (Kampfhundeverordnungen). Die Einfuhr (und oft schon die Durchreise) von Rassen wie Pitbull Terrier, Staffordshire Bullterrier, Tosa Inu oder Mastiff-Typen ist dort oft verboten. Bei Verstößen droht die Beschlagnahmung des Hundes.
3. Der Flug mit dem Hund: Kabine oder Frachtraum?
Das Fliegen mit Hund erfordert die stärksten Nerven aller Beteiligten. Es ist laut, stressig und für den Hund eine Ausnahmesituation. Überlegen Sie sich genau, ob der Flug wirklich notwendig ist, oder ob es eine hundefreundlichere Alternative (Auto, Zug, Fähre) gibt.
In der Kabine (PETC - Pet in Cabin)
Kleine Hunde (meist bis zu einem Gesamtgewicht von 8 kg inklusive Tasche) dürfen bei vielen Airlines mit in die Passagierkabine genommen werden.
- Die Regeln: Der Hund muss in einer weichen, wasserdichten, verschließbaren Transporttasche reisen (Maße gibt die Airline vor). Die Tasche muss während des gesamten Fluges geschlossen unter dem Vordersitz verstaut bleiben. Der Hund darf nicht herausgenommen werden. Frühzeitiges Buchen ist ratsam, da die Plätze für Tiere in der Kabine pro Flug stark begrenzt sind.
Im Frachtraum (AVIH - Animal in Hold)
Größere Hunde müssen im klimatisierten Frachtraum des Flugzeugs reisen. Dies ist für viele Hunde (und Besitzer) der Inbegriff von Stress: Der Hund wird von seiner Familie getrennt, in eine Box gesperrt, lauten Maschinengeräuschen ausgesetzt und von fremdem Personal verladen.
- Die IATA-Box: Sie benötigen zwingend eine Hartschalenbox, die den strengen IATA-Richtlinien (International Air Transport Association) entspricht. Der Hund muss in der Box aufrecht stehen, sich drehen und natürlich liegen können. Die Box muss mit Wasser- und Fressnäpfen (von außen befüllbar) und saugfähigen Unterlagen ausgestattet sein.
- Das Training: Dies ist der entscheidende Punkt. Kaufen Sie die Flugbox Monate vor dem Flug. Der Hund muss lernen, dass diese Box der sicherste und tollste Ort der Welt ist. Füttern Sie ihn ausschließlich darin, lassen Sie ihn darin schlafen und trainieren Sie, dass er auch bei geschlossener Tür stundenlang entspannt bleibt. Ein Hund, der am Flughafen zum ersten Mal in seinem Leben in eine Box gezwungen wird, erleidet im Frachtraum panische Todesängste.
- Keine Beruhigungsmittel: Die meisten Airlines lehnen den Transport von Hunden ab, die offensichtlich unter starken Beruhigungs- oder Schlafmitteln stehen. In der Flughöhe und ungewohnten Temperatur können diese Medikamente zu Kreislaufzusammenbrüchen oder Atemproblemen führen, auf die im Frachtraum niemand reagieren kann.
Hinweis: Viele Airlines transportieren aus Sicherheitsgründen (Erstickungsgefahr durch Stress) keine brachyzephalen (kurzköpfigen) Rassen wie Möpse, Französische oder Englische Bulldoggen mehr im Frachtraum.
4. Die Reiseapotheke für den Hund
Genauso wie Sie ein Erste-Hilfe-Set für sich selbst packen, benötigt auch Ihr Hund eine auf seine Bedürfnisse abgestimmte Reiseapotheke (besonders, wenn Sie in abgelegene Gebiete fahren).
Das gehört zwingend in die Tasche:
- Die ständigen Medikamente: In ausreichender Menge für die gesamte Reisezeit (plus Puffer).
- Zeckenzange / Flohschutz: Informieren Sie sich über die regionalen Risiken im Urlaubsland. In Südeuropa (Mittelmeerraum) benötigen Sie zwingend einen repellierenden (abwehrenden) Schutz gegen die Sandmücke (Überträger der oft tödlichen Leishmaniose) und Herzwürmer (z.B. spezielle Halsbänder oder Spot-Ons).
- Mittel gegen Durchfall: Der Stress der Reise oder ungewohntes Wasser führen oft zu Magen-Darm-Problemen. Packen Sie Aktivkohle, bindende Pasten (z.B. Dia Tab) oder magenschonendes Spezialfutter ein.
- Verbandsmaterial: Selbsthaftende Binden (Vet Wrap), Mullkompressen, Wunddesinfektion, eine Pinzette für Splitter und eventuell ein Hundeschuh (Bootie) zum Schutz von verletzten Pfotenballen.
- Die Notfall-Nummern: Recherchieren Sie vor der Abfahrt die Adresse und Telefonnummer des nächsten Tierarztes (und der nächsten Tierklinik mit 24-Stunden-Notdienst) an Ihrem Urlaubsort. Speichern Sie diese im Handy ab.
Fazit
Reisen mit dem Hund erfordert Planung: korrekte Reisedokumente, eine geeignete Transportsicherung und bei Bedarf die rechtzeitige Gewöhnung an die Transportbox. Wer die bürokratischen Anforderungen des Ziellandes im Voraus klärt und dem Hund Zeit zur Gewöhnung an das Transportmittel gibt, reduziert das Stressniveau für Tier und Halter erheblich.