31. März 2024 • Von Pawsome Breeds Team

Warum frisst mein Hund Kot und Gras? (Pica und Koprophagie erklärt)

Warum frisst mein Hund Kot und Gras? (Pica und Koprophagie erklärt)

Grasfressen, Koprophagie (Kotfressen) und Pica (Fressen unverdaulicher Gegenstände) gehören zu den häufigen Verhaltensauffälligkeiten, die in Tierarztpraxen vorgestellt werden. Diese Verhaltensweisen haben biologische, ernährungsbedingte oder verhaltensbedingte Ursachen. Dieser Leitfaden erklärt die Hintergründe und beschreibt wirksame Gegenmaßnahmen.

Mysterium 1: Warum fressen Hunde Gras?

Der hartnäckigste Mythos, der sich seit Generationen unter Hundehaltern hält, lautet: “Hunde fressen Gras, um absichtlich Erbrechen herbeizuführen, weil ihnen schlecht ist oder sie Bauchschmerzen haben.”

Die Wahrheit: Umfangreiche veterinärmedizinische Studien haben gezeigt, dass weniger als 25 % aller Hunde nach dem Fressen von Gras tatsächlich erbrechen. Noch interessanter: Nur etwa 10 % der Hunde zeigten vor dem Grasfressen überhaupt Anzeichen von Unwohlsein (wie Schmatzen oder Leerkauen). Die überwältigende Mehrheit der Hunde grast fröhlich vor sich hin und verdaut das Grünzeug problemlos.

Die wahren Gründe für das Weiden:

  1. Es schmeckt ihnen einfach: Besonders junges, frisches Frühlingsgras ist saftig, knackig und enthält oft viel Zucker. Für viele Hunde ist ein Büschel Gras schlichtweg ein erfrischender Snack (wie ein kleiner Salat) beim Spaziergang.
  2. Mangel an Ballaststoffen: Einige Studien legen nahe, dass Hunde instinktiv nach Raufutter (unverdaulichen Fasern) suchen, um ihre Verdauung anzukurbeln oder den Kotabsatz zu erleichtern, wenn ihr normales Futter zu faserarm ist.
  3. Langeweile oder Stressabbau: “Ich stehe hier seit zehn Minuten im Garten. Mein Mensch starrt auf sein Handy. Nichts passiert. Gut, dann mähe ich eben den Rasen.” Kauen und Rupfen baut beim Hund nachweislich Stress ab und setzt Endorphine frei.
  4. Das Erbe des Wolfes (Evolution): Wölfe (die Vorfahren unserer Hunde) fressen in freier Wildbahn oft den Mageninhalt ihrer pflanzenfressenden Beutetiere mit, der zu großen Teilen aus vorverdautem Gras, Beeren und Kräutern besteht. Es ist ein tief verwurzeltes, normales Verhalten.

Müssen Sie es unterbinden? In der Regel: Nein. Solange das Gras nicht an stark befahrenen Straßen wächst oder frisch mit chemischen Düngemitteln, Pestiziden oder Unkrautvernichtern (Herbiziden) behandelt wurde (diese sind hochgiftig für Hunde), ist das Grasen eine harmlose, natürliche Beschäftigung.

Mysterium 2: Warum fressen Hunde Kot? (Koprophagie)

Hier wird es deutlich schwerer zu ertragen. Zuzusehen, wie der eigene Hund seinen eigenen Kot (Autokoprophagie) oder den Kot anderer Hunde, Katzen oder Wildtiere (Allokoprophagie) frisst, ist für viele Besitzer ein Grund für Ekel und Verzweiflung. Doch die Biologie liefert auch hier Antworten.

1. Der angeborene Mutterinstinkt

Mutterhündinnen fressen in den ersten Lebenswochen instinktiv den Kot (und Urin) ihrer Welpen auf. Dies tun sie, um die Wurfhöhle hygienisch sauber zu halten und vor allem, um den verräterischen Geruch vor potenziellen Raubtieren zu verbergen. Es ist ein knallharter Überlebensmechanismus.

  • Die schlechte Angewohnheit: Viele Welpen beobachten ihre Mutter dabei und ahmen dieses Verhalten spielerisch nach. Wenn dieses “Saubermachen” nicht korrigiert wird, festigt es sich als erlernte Gewohnheit bis ins Erwachsenenalter.

2. Nährstoffmangel (Malabsorption)

Wenn ein Hund sein Futter (z.B. aufgrund von minderwertigen Inhaltsstoffen oder einer Erkrankung) im Dünndarm nicht richtig aufspalten und verdauen kann, rutschen wertvolle Nährstoffe (wie unverdaute Fette oder Proteine) ungenutzt bis in den Kot durch. Für die feine Nase des Hundes riecht dieser Kothaufen nicht nach Abfall, sondern schlichtweg immer noch nach energiereichem Futter – weil er tatsächlich noch voll von Nährstoffen ist. Er recycelt seine Mahlzeit.

  • Medizinische Warnsignale (Red Flags): Wenn ein erwachsener Hund plötzlich anfängt, exzessiv Kot zu fressen, ist ein Tierarztbesuch Pflicht. Es könnte sich um die Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) handeln (die Bauchspeicheldrüse produziert keine Verdauungsenzyme mehr), um einen massiven Parasitenbefall (Würmer oder Giardien, die dem Hund im Darm die Nährstoffe stehlen) oder um eine Schilddrüsenunterfunktion, die zu extremem, krankhaftem Heißhunger führt.

3. Der verbotene Snack (Katzenkot)

Für Hunde ist das Katzenklo das absolute Schlaraffenland – ein Buffet voller kleiner, panierter “Pralinen”.

  • Warum? Katzenfutter ist für reine Fleischfresser (Karnivoren) formuliert. Es ist deutlich fettreicher, fleischlastiger und stark mit Aromen angereichert. Dementsprechend extrem verlockend (und energiereich) riecht auch der Katzenkot für den Hund.
  • Die Lösung: Dies ist fast nie ein Verhaltensproblem, sondern reine Gelegenheit. Stellen Sie das Katzenklo unerreichbar für den Hund auf (hinter ein Kindergitter oder erhöht).

4. Aufmerksamkeit (Auch negative ist gute Aufmerksamkeit)

Wenn der Besitzer den Hund ignoriert und der Hund dann Kot frisst und daraufhin sofort lautstarke Reaktion erhält (“PFUI. AUS.”), lernt der Hund eine klare Lektion:

  • Die Lektion für den Hund: “Wenn ich den Kot fresse, werde ich sofort beachtet.” Hunde mit Aufmerksamkeitsdefizit lernen schnell, was sie tun müssen, um Reaktionen zu provozieren.

Wie Sie Koprophagie erfolgreich stoppen

Es gibt keine magische Pille, aber eine Kombination aus Management und Training.

1. Das Management (Sofortiges Aufräumen)

Dies ist die einzige Methode, die zu 100 % funktioniert: Wenn kein Kot im Garten liegt, kann der Hund keinen fressen.

  • Gehen Sie immer mit dem Hund in den Garten. Sobald er sein Geschäft erledigt hat, rufen Sie ihn fröhlich zu sich, belohnen ihn mit einem extrem guten Leckerli und sammeln Sie den Kot sofort ein. Lassen Sie ihn nie “für später” liegen.
  • Führen Sie den Hund auf Spaziergängen an einer kurzen Leine, behalten Sie seinen Kopf oben und belohnen Sie jeden Blickkontakt zu Ihnen massiv.

2. Ernährung und Zusätze (Deterrenzien)

Man kann versuchen, den Geschmack des eigenen Kots so unattraktiv (bitter oder enzymatisch verändert) zu machen, dass der Hund ihn meidet.

  • Ananas oder Zerkleinerte Zucchini: Die Fütterung kleiner Mengen soll durch bestimmte Enzyme (wie Bromelain) den Geschmack des Kots im Enddarm extrem verändern.
  • Kommerzielle Präparate: Spezielle Kautabletten vom Tierarzt (oft mit Glutamat/MSG, Kamille oder Petersilie) zielen darauf ab, den Kot extrem bitter zu machen.
  • Pansen (Stinktiermagen): Manchmal hilft die regelmäßige Zufütterung von stark riechendem, ungewaschenem Pansen oder Blättermagen, um ein fehlendes Enzym- oder Bakteriengleichgewicht im Darm auf natürliche Weise wiederherzustellen.

3. Das Kommando “Aus” oder “Lass es” (Leave it) trainieren

Dies ist das wichtigste, lebensrettende Kommando für jeden “Staubsauger-Hund”.

  • Das Spiel: Legen Sie ein langweiliges Stück Trockenfutter auf den Boden und decken Sie es mit der Hand ab. Sagen Sie ruhig “Lass es”. Der Hund wird schnüffeln und lecken. Ignorieren Sie ihn. In der Millisekunde, in der er aufgibt, zurückweicht und Sie ansieht, klicken Sie (oder sagen “Fein”) und geben ihm aus der anderen Hand ein Stück Käse oder Leberwurst.
  • Das Ziel: Der Hund lernt: “Lass es” bedeutet nicht, dass ich bestraft werde. Es bedeutet: Wenn ich dieses ekelige Ding auf dem Boden ignoriere, bekomme ich von meinem Menschen etwas, das zehntausendmal besser schmeckt.

4. Der Maulkorb (Die letzte Bastion)

Wenn Ihr Hund völlig besessen davon ist, Kot von Fremdhunden, toten Tieren oder gar Giftködern aufzunehmen, ist ein gut sitzender Gittermaulkorb (z.B. ein Baskerville, mit dem er perfekt hecheln, trinken und Leckerlis nehmen kann, aber nichts vom Boden aufnehmen kann) kein Zeichen von Schwäche, sondern ein hervorragendes, tierschutzkonformes Management-Tool. Er schützt Ihren Hund vor Würmern, Giardien und tödlichen Vergiftungen, während Sie in Ruhe trainieren.

Wenn es Pica ist (Steine, Socken, Metall)

Kot zu fressen ist eklig. Socken zu fressen ist tödlich. Das Pica-Syndrom ist der zwanghafte Drang, völlig unverdauliche Gegenstände (Plastik, Holz, Steine, Stoff) zu fressen.

  • Die Gefahr: Ein Stein oder eine Socke kann den Darm nicht passieren. Sie verursachen einen lebensgefährlichen Darmverschluss (Ileus), der oft in einer Notoperation endet oder zum Riss des Darms führt.
  • Die Ursache: Fast immer extrem schwerwiegende medizinische Probleme (wie schwere, schmerzhafte Magendarmentzündungen, IBD), Lebererkrankungen, neurologische Störungen, extremer chronischer Stress oder Zwangsneurosen (OCD).
  • Die Aktion: Wenn Ihr Hund gezielt Objekte schluckt, ist das kein “Trainingsproblem” mehr. Sie benötigen umgehend eine tiefe internistische Diagnostik in einer Tierklinik und eventuell einen verhaltenstherapeutischen Tierarzt. Bis dahin: Absolutes Haus-Management und Maulkorbpflicht draußen.

Fazit

Koprophagie ist ein verbreitetes, wenn auch unerwünschtes Verhalten mit häufig biologischen Ursachen. Zunächst sollten medizinische Ursachen tierärztlich ausgeschlossen werden. Konsequentes Aufräumen des Gartens und das Training des “Lass es”-Kommandos mit hochwertigen Belohnungen sind die praktisch wirksamsten Maßnahmen. Mit konsequentem Management lässt sich das Verhalten gut kontrollieren.

← Zurück zum Blog

Verwandte Artikel

Häufige Verhaltensprobleme bei Hunden: Ursachen verstehen und Lösungen finden

7.1.2026

Häufige Verhaltensprobleme bei Hunden: Ursachen verstehen und Lösungen finden

Die richtige Hunderasse für Ihren Lebensstil wählen: Der komplette Leitfaden

6.1.2026

Die richtige Hunderasse für Ihren Lebensstil wählen: Der komplette Leitfaden

Grundlagen der Welpenerziehung: Der ultimative Leitfaden für neue Besitzer

5.1.2026

Grundlagen der Welpenerziehung: Der ultimative Leitfaden für neue Besitzer