Chow Chow
Ein uralter, löwenhafter Wächter aus dem fernen China. Der Chow Chow ist weltberühmt für seine einzigartige blauschwarze Zunge, seinen stelzenden Gang und seine extrem unabhängige, fast katzenartige Persönlichkeit.
Der Chow Chow ist eine alte chinesische Rasse. Mit seiner imposanten Löwenmähne, der blauschwarzen Zunge und seinem eigentümlichen, stelzenden Gangbild ist er leicht erkennbar.
Züchter beschreiben ihn oft als Katze im Hundekostüm. Er ist tief unabhängig, legt großen Wert auf seine körperliche Sauberkeit und begegnet Fremden mit kühler Distanz. Er springt nicht zur Begrüßung hoch, bettelt nicht um Streicheleinheiten und fleht nie um Aufmerksamkeit. Er akzeptiert Zuneigung auf seine eigenen Bedingungen. Einen Chow Chow zu halten bedeutet, sich den Respekt eines Geschöpfs erarbeiten zu müssen, das Sie als ebenbürtig betrachtet.
Geschichte und Herkunft: Der heilige Hund der Tang-Dynastie
Der Chow Chow gehört zu den ältesten noch existierenden Hunderassen. DNA-Analysen bestätigen ihn als „Basal-Rasse” mit Wurzeln, die Jahrtausende zurückreichen – weit vor der Entstehung der meisten modernen europäischen Rassen.
Er stammt aus China, spätestens aus der Han-Dynastie (206 v. Chr.), obwohl seine Vorfahren wahrscheinlich schon früher durch die asiatischen Steppen streiften. Als Allzweck-Arbeitshund zog er schwere Karren, bewachte Tempel und wurde für die Jagd auf Fasane eingesetzt. Eine alte Überlieferung besagt, dass ein Kaiser der Tang-Dynastie 2.500 Chow Chows in seinen Zwingern hielt.
Der Name „Chow Chow” stammt nicht aus dem Chinesischen, sondern aus dem Pidgin-Englisch britischer Seeleute des späten 18. Jahrhunderts – ein Sammelbegriff für gemischte Fracht aus dem Osten. In China selbst ist die Rasse als Songshi Quan bekannt: „Puffiger Löwenhund”.
Physische Eigenschaften: Der Hund, der ein Löwe sein wollte
Der Chow Chow ist kraftvoll, kompakt und quadratisch gebaut mit schweren Knochen.
- Widerristhöhe: 48–56 cm bei Rüden; 46–51 cm bei Hündinnen.
- Gewicht: 25–32 kg bei Rüden; 20–27 kg bei Hündinnen.
Weltweit einzigartige Merkmale
Die Zunge: Das bekannteste Merkmal ist die komplett blauschwarze bis violette Zunge. Alle Welpen werden mit rosafarbenen Zungen geboren; die dunkle Pigmentierung entwickelt sich erst ab etwa acht Wochen. Auch Gaumen, Zahnfleisch und innere Lefzen sollen laut Standard so dunkel wie möglich pigmentiert sein.
Der stelzende Gang: Der Chow hat von Natur aus gerade Hinterbeine mit wenig Winkelung im Sprunggelenk. Diese Anatomie verleiht ihm seinen kurzen, steifen, „stelzenden” Schritt – er bewegt sich mit einem pendelnden Rhythmus vorwärts, der an kein anderes Rassebild erinnert.
Der finstere Blick: Die dicken Hautfalten auf der Stirn und die tief liegenden Augen verleihen ihm einen permanent grimmigen Ausdruck. Das ist seine anatomische Gesichtsform, keine Stimmung.
Die zwei Felltypen
Der Standard erlaubt zwei Varietäten:
- Langhaar (Rough): Das häufigste und bekannteste Bild. Dickes, üppiges Deckhaar, das voluminös vom Körper absteht und die charakteristische Löwenmähne am Nacken bildet.
- Kurzhaar (Smooth): Weniger bekannt, aber ebenso anerkannt. Kurzes, hartes, dichtes Fell ohne Mähne oder Befederung.
Temperament und Persönlichkeit
Der distanzierte Wächter
Er ist misstrauisch und reserviert gegenüber Fremden. Er bellt nicht grundlos und beißt nicht ohne Provokation, aber er begrüßt keinen Fremden schwanzwedelnd. Sein Territorialtrieb ist ausgeprägt; er beschützt Zuhause und Familie mit stiller, aber deutlicher Konsequenz.
Katzenartige Reinlichkeit
Chow Chows sind von Natur aus sehr sauber. Welpen werden oft bemerkenswert leicht stubenrein, weil sie ihren Wohn- und Schlafbereich nicht beschmutzen möchten. Sie sind auch nicht anhänglich im üblichen Sinne – es reicht einem erwachsenen Chow, sich im selben Raum aufzuhalten; er braucht keine permanente Körpernähe.
Der Ein-Personen-Hund
Er baut eine tiefe Bindung zu einer oder zwei Personen auf. Diesen gegenüber ist er loyal und auf seine eigene, würdevolle Art durchaus verspielt. Gegenüber allen anderen Menschen bleibt er höflich, aber gleichgültig.
Trainings- und Bewegungsbedürfnisse
Moderater Auslauf
Ein ruhiger morgendlicher Spaziergang und eine entspannte Abendrunde reichen aus. Er ist kein Partner für Jogger oder Radfahrer. Hitze über 20°C verträgt er aufgrund seines schweren Doppelfells physiologisch schlecht und ist anfällig für Hitzschlag. An heißen Sommertagen muss körperliche Anstrengung auf frühe Morgen- oder späte Nachtstunden beschränkt werden; kühle Räume sind Pflicht.
Erziehung: Konsequenz und Geduld
Das Training eines Chow Chows erfordert innere Ruhe und unerschütterliche Konsequenz.
- Eigenwilliges Denken: Wenn er ein Kommando erhält, wägt er erst ab, ob es sich lohnt. Blinder Gehorsam ist ihm fremd.
- Sozialisierung: Dieser Punkt ist entscheidend. Welpen müssen ab der achten Woche intensiv und positiv mit verschiedenen Menschen, Kindern, anderen Hunden und alltäglichen Situationen bekannt gemacht werden. Mangelnde Sozialisierung verwandelt natürliche Reserviertheit in unkontrollierbare Aggression.
- Der blinde Fleck: Aufgrund der tief liegenden Augen und der voluminösen Haarkrause hat der Chow ein eingeschränktes peripheres Sichtfeld. Niemals von hinten oder der Seite herantreten – immer ruhig und von vorne ansprechen.
Harte Methoden führen zu völliger Verweigerung. Positive Verstärkung, Leckerlis und kurze, abwechslungsreiche Einheiten sind der einzige gangbare Weg.
Gesundheit und Lebenserwartung
Bei seriöser Zucht erreicht der Chow Chow eine Lebenserwartung von 8 bis 12 Jahren.
- Entropium: Häufige Augenerkrankung, bei der die Augenlider nach innen rollen und die Wimpern die Hornhaut kratzen. Schmerzhaft und ohne Behandlung zur Erblindung führend; erfordert oft eine chirurgische Korrektur.
- Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED): Bei dieser schweren Rasse verbreitet. Röntgenzertifikate der Elterntiere sind Pflicht.
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Kommt gelegentlich vor, ist aber medikamentös gut behandelbar.
- Narkosesensibilität: Chow Chows reagieren häufig empfindlich auf gängige Vollnarkosen. Der Tierarzt muss bei jedem Eingriff spezielle Anästhesieprotokolle anwenden.
Pflege: Ein erheblicher Zeitaufwand
Der Langhaar-Chow erfordert regelmäßige und gründliche Pflege.
- Bürsten: Drei- bis viermal wöchentlich bis tief auf die Haut kämmen, um Filzmatten zu verhindern, die Hautinfektionen begünstigen. Während des Fellwechsels täglich.
- Die Mähne: Der Nackenkragen erfordert besondere Aufmerksamkeit; gegen den Strich bürsten, damit das Haar abstehend bleibt.
- Gesichtsfalten: Täglich kontrollieren, reinigen und vollständig trockenhalten, um bakterielle Infektionen zu verhindern.
- Kurzhaar-Chow: Wesentlich pflegeleichter; ein wöchentlicher Striegelgang reicht. Haart beim Fellwechsel jedoch genauso stark.
Passt ein Chow Chow zu Ihnen?
Ja, wenn:
- Sie echte Unabhängigkeit schätzen und einen selbstständigen Hund wünschen, der nicht ständig Zuwendung einfordert.
- Sie ruhig und konsequent führen können, ohne laut zu werden.
- Sie keine kleinen Kinder im Haus haben – ältere, respektvolle Jugendliche sind kein Problem.
- Sie bereit sind, viel Zeit in frühe Sozialisierung und konsequente Erziehung zu investieren.
Nein, wenn:
- Sie einen geselligen „Partyhund” für die Hundewiese suchen – er meidet Trubel und Fremde.
- Sie in konstantem Hochsommerklima ohne Klimaanlage leben.
- Sie keine Erfahrung mit starken, eigenwilligen Rassen haben.
- Sie ein begrenztes Budget haben – professionelles Grooming, mögliche Augenoperationen und spezielle tierärztliche Betreuung summieren sich.
Wer geduldig und fair den Respekt eines Chow Chows gewinnt, bekommt einen würdevollen, stillen und loyalen Begleiter.
Ähnliche Rassen
American Staffordshire Terrier
Der American Staffordshire Terrier ist ein mittelgroßer, muskulöser Hund, der 1936 vom AKC anerkannt...
American Pit Bull Terrier
Kräftig, athletisch und tief loyal – der American Pit Bull Terrier ist ein vielseitiger Arbeitshund ...
American Water Spaniel
Der American Water Spaniel ist eine seltene, in Wisconsin entwickelte Jagdhunderasse, die sowohl als...