Portugiesischer Wasserhund
Der Portugiesische Wasserhund ist ein hochintelligenter, athletischer und wasserliebender Arbeitshund mit einem lockigen, allergikerfreundlichen Fell.
Der Portugiesische Wasserhund – in seiner Heimat Cão de Água Português, unter Liebhabern kurz “Portie” – ist weit mehr als ein hübscher Begleithund, der nicht haart. Mit seinem kräftigen, athletischen Körper, dem dichten, wasserabweisenden Lockenfell und einer schier unerschöpflichen Energie trägt er das Erbe von Jahrhunderten harter Arbeit auf den Fischerbooten Portugals in sich.
Seine historischen Aufgaben erforderten außergewöhnliche Intelligenz, großen Mut und die Fähigkeit, in eiskaltem Wasser Höchstleistungen zu erbringen. Diese Eigenschaften prägen die Rasse bis heute. Ein Portie braucht eine Aufgabe, um glücklich zu sein – und einen Besitzer, der die aufwendige Fellpflege nicht scheut und ihm täglich ausgiebige Bewegung bietet.
Geschichte und Herkunft: Der Matrose auf vier Pfoten
Die Geschichte des Portugiesischen Wasserhundes ist untrennbar mit dem harten Leben der Fischer an der Algarve-Küste verbunden.
Der unentbehrliche Helfer der Fischer
Die Ursprünge der Rasse lassen sich bis in vorchristliche Zeit zurückverfolgen. Über Jahrhunderte war der Portie ein vollwertiges Mitglied der portugiesischen Schiffsbesatzungen. Seine Aufgaben waren vielfältig: Er schwamm im kalten Atlantik, um zerrissene Netze einzusammeln, trieb Fischschwärme in die ausgelegten Netze, apportierte über Bord gegangene Ausrüstung und fungierte als Bote zwischen den Booten der Flotte oder zwischen Boot und Land. Die Hunde waren so wertvoll, dass sie einen Anteil am Fang erhielten.
Fast ausgestorben, dann weltbekannt
Mit dem Aufkommen der modernen Fischerei im 20. Jahrhundert verloren die Hunde ihre Arbeit. In den 1930er Jahren stand die Rasse kurz vor dem Aussterben; weltweit gab es nur noch einige Dutzend Exemplare. Dank des unermüdlichen Einsatzes des portugiesischen Reeders Vasco Bensaude konnte die Rasse gerettet und stabilisiert werden.
Internationale Berühmtheit erlangte der Portugiesische Wasserhund, als der ehemalige US-Präsident Barack Obama zwei Porties – “Bo” und “Sunny” – als Familienhunde ins Weiße Haus holte. Die Wahl fiel auf diese Rasse, da sie als wenig allergen gilt. Heute wird die Rasse weltweit nach FCI-Standard gezüchtet.
Physische Merkmale: Kraft und Locken
Der Portugiesische Wasserhund ist ein robuster, gut proportionierter, muskulöser Hund mittlerer Größe.
- Größe: Rüden messen 50 bis 57 cm an der Schulter, Hündinnen 43 bis 52 cm.
- Gewicht: Rüden wiegen 19 bis 25 kg, Hündinnen 16 bis 22 kg.
Das markante, wasserdichte Fell
Das Fell ist das funktionellste Merkmal der Rasse und ein Hauptgrund für ihre Beliebtheit bei Allergikern.
- Beschaffenheit: Der Portie besitzt ein einschichtiges Fell ohne Unterwolle, das kontinuierlich wächst und kaum haart – ähnlich wie beim Pudel. Es ist dicht, wasserabweisend und kommt in zwei Varianten vor:
- Lockig: Enge, zylindrische Locken, das Haar ist etwas harscher.
- Gewellt: Langes, sanft fallendes Haar mit einer leichten Wellung und leichtem Glanz.
- Farben: Schwarz, Weiß, Braun oder Kombinationen aus Schwarz oder Braun mit Weiß.
Die traditionelle Löwenschur
Auf Ausstellungen und historisch auf den Fischerbooten wird das Fell oft in der markanten Löwenschur getragen: Die hintere Körperhälfte und die Schnauze sind kurz geschoren, während das Haar an Brust, Kopf und den vorderen Beinen lang bleibt. An der Rute verbleibt nur ein Büschel an der Spitze. Die Schur hatte einen praktischen Grund: Das lange Haar vorne hielt die Organe im kalten Wasser warm, während die nackte Hinterhand die Bewegungsfreiheit beim Schwimmen erleichterte. Viele Familienhunde werden heute in einem gleichmäßig kurzen Retriever-Clip gehalten.
Schwimmhäute und Steuerrute
Der Portie ist für das Wasser perfekt ausgestattet. Er besitzt ausgeprägte Schwimmhäute zwischen den Zehen und eine dicke, an der Basis breite Rute, die ihm im Wasser große Wendigkeit verleiht.
Temperament und Persönlichkeit: Der Clown mit Arbeitswillen
Ein Portugiesischer Wasserhund ist ein Energiebündel, das eng in seine Familie eingebunden sein möchte. Er bindet sich sehr eng an seine Menschen und möchte überall dabei sein. Wenn Sie kochen, überwacht er den Vorgang. Wenn Sie arbeiten, liegt er unter Ihrem Schreibtisch.
Intelligent und eigensinnig
Porties sind schlau und durchschauen Zusammenhänge schnell. Sie sind bekannt dafür, Schränke zu öffnen, Essen von der Arbeitsplatte zu stehlen und ihre Besitzer auf charmante Art um den Finger zu wickeln. Wenn sie etwas wollen, finden sie heraus, welches Verhalten zum Ziel führt.
Maulbezogen
Als Apportier- und Wasserhund interagiert der Portie stark über sein Maul mit der Welt. Er trägt gerne Gegenstände durchs Haus oder nimmt sanft den Arm seines Besitzers ins Maul. Dieses Verhalten muss früh in geregelte Bahnen gelenkt werden, da Welpen anfangs oft unangenehm zwicken.
Erziehung und Bewegungsbedarf
Bewegung: Ein unermüdlicher Athlet
Lassen Sie sich nicht vom niedlichen Aussehen täuschen: Der Portie ist ein Hochleistungssportler.
- Täglicher Bedarf: Mindestens eine, besser zwei Stunden intensive körperliche Auslastung täglich. Gemütliche Spaziergänge reichen ihm nicht – er muss rennen, apportieren oder schwimmen.
- Wasserliebe: Wenn Sie in der Nähe eines Sees oder Flusses leben, haben Sie einen glücklichen Portie. Er stürzt sich mit Begeisterung in jedes Gewässer.
- Hundesport: Agility, Obedience, Flyball, Dummy-Training oder spezielle Wasserrettungs-Wettbewerbe sind ideale Ventile für seine Energie und Intelligenz.
Erziehung: Konsequenz mit Humor
Der Portie ist kooperativ und lernwillig, testet aber gnadenlos Grenzen aus.
- Klare Regeln: Er ist stur und gibt nicht schnell auf. Konsequenz ist das Gebot der Stunde – einmal Sofa erlaubt bedeutet dauerhaft Sofa.
- Positive Verstärkung: Er ist hochsensibel. Härte oder lautes Schimpfen schüchtern ihn ein. Er lernt am besten durch abwechslungsreiches Training, das Spaß macht.
- Frühe Sozialisierung: Da er Fremden gegenüber anfangs wachsam sein kann, muss er als Welpe umfassend und positiv an Menschen, Hunde und Umweltreize gewöhnt werden.
Gesundheit und Lebenserwartung
Der Portugiesische Wasserhund ist eine allgemein robuste Rasse mit einer Lebenserwartung von 11 bis 13 Jahren.
Aufgrund des sehr kleinen Genpools in den 1930er Jahren gibt es jedoch genetische Erkrankungen, auf die seriöse VDH-Züchter testen:
- GM1-Gangliosidose: Eine tödliche neurologische Speicherkrankheit. Ein DNA-Test ist in der Zucht Pflicht. Ein Welpe aus verantwortungsvoller Zucht sollte niemals daran erkranken.
- Progressive Retinaatrophie (PRA): Eine erbliche Augenerkrankung, die zur Erblindung führt. DNA-Test und Untersuchungen der Eltern sind wichtig.
- Hüftgelenksdysplasie (HD): Röntgenuntersuchungen der Elterntiere sind Pflicht.
- Juvenile dilatative Kardiomyopathie (JDCM): Eine seltene, aber ernste Herzerkrankung bei Welpen. Ein DNA-Test ist verfügbar.
- Follikuläre Dysplasie: Einige Porties können an Musterkahlheit leiden, bei der sie unregelmäßig Haare verlieren.
Pflege: Das nicht-haarende Fell
Wer sich über ein haarfreies Haus freut, zahlt dafür mit einem erheblichen Pflegeaufwand.
- Bürsten: Das krause oder gewellte Fell verfilzt schnell. Mehrmaliges, gründliches Bürsten pro Woche bis auf die Haut ist unumgänglich.
- Die Schur: Da das Haar unaufhörlich wächst, muss der Portie alle 6 bis 8 Wochen professionell geschoren werden. Dies verursacht erhebliche, dauerhafte Kosten.
- Ohrenpflege: Die Hängeohren sind anfällig für Infektionen. Feuchtigkeit nach dem Schwimmen und starker Haarwuchs im Gehörgang begünstigen Entzündungen.
Ist ein Portugiesischer Wasserhund der richtige Hund für Sie?
Der Portie ist ein anspruchsvoller, hochintelligenter Hund, der viel Zeit und Zuwendung fordert, aber außergewöhnlich viel zurückgibt.
Ein Portugiesischer Wasserhund passt zu Ihnen, wenn:
- Sie aktiv sind – Joggen, Wandern, Schwimmen – und einen sportlichen Begleiter suchen.
- Sie Spaß an Hundesport und geistiger Auslastung durch Training haben.
- Sie oder Familienmitglieder auf Hundehaare empfindlich reagieren.
- Sie viel zu Hause arbeiten oder den Hund fast immer mitnehmen können.
Ein Portugiesischer Wasserhund passt nicht zu Ihnen, wenn:
- Sie den Hund täglich viele Stunden alleine lassen müssten – er neigt zu Trennungsangst und zerstörerischer Langeweile.
- Sie einen ruhigen, genügsamen Hund suchen.
- Sie nicht bereit sind, die laufenden Kosten und den Zeitaufwand für die professionelle Fellpflege zu tragen.
- Sie es nicht tolerieren können, wenn ein nasser, schlammiger Hund voller Begeisterung durchs Haus rennt.
Wer dem Portugiesischen Wasserhund klare Regeln, viel Bewegung und eine Aufgabe gibt, gewinnt einen klugen, fröhlichen und zutiefst loyalen Begleiter, der für seine Familie buchstäblich durchs eiskalte Wasser geht.
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