Korthals-Griffon
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Korthals-Griffon

Der Korthals-Griffon (Wirehaired Pointing Griffon) ist ein robuster, drahthaariger Vorstehhund, der Ende des 19. Jahrhunderts von Eduard Korthals für vielseitige Jagdarbeit zu Fuß gezüchtet wurde. Er ist bekannt für sein anhängliches Wesen und sein gering haarendes Fell.

Herkunft
Frankreich / Niederlande
Größe
Medium
Lebenserwartung
12-14 Jahre
Temperament
Freundlich, Anhänglich, Gelehrig, Sanftmütig, Fleißig

Der Korthals-Griffon (international oft Wirehaired Pointing Griffon genannt, in Deutschland meist Griffon Korthals oder schlicht “Griff”) ist ein robuster, vielseitiger Vorstehhund, der für die Jagd in unwegsamstem Gelände und im Wasser gezüchtet wurde. Mit seinen buschigen Augenbrauen, dem markanten Bart und dem rauen Fell ist er leicht zu erkennen.

Der Griffon ist ein vielseitiger Jagdhund, doch man muss kein Jäger sein, um diese Rasse zu schätzen. Sein freundliches, anhängliches Wesen macht ihn zu einem geeigneten Familienhund. Für Menschen, die unter Hundehaarallergien leiden, ist das wenig haarende Fell ein praktischer Vorteil.

Geschichte und Herkunft: Das niederländisch-französische Meisterwerk

Die Geschichte des Griffons ist eine kleine Geografiestunde. Obwohl er heute oft als französische Rasse wahrgenommen wird, wurde er tatsächlich von einem Niederländer, Eduard Korthals, im späten 19. Jahrhundert erschaffen.

Korthals’ Vision war es, den perfekten “Fußgänger-Jagdhund” zu züchten – einen Hund, der eng mit seinem Besitzer zusammenarbeitete (unter der Flinte jagte) und nicht, wie viele andere Vorstehhunde, meilenweit hinter dem Horizont verschwand. Er kreuzte systematisch und methodisch verschiedene Rassen, darunter den Deutschen Griffon, Französische Spaniels, Pointer und Wasserhunde.

Das Ergebnis war spektakulär: Ein Hund mit einem drahthaarigen Panzer als Schutz vor Dornen, Schwimmhäuten an den Pfoten für die Wasserarbeit und einer Nase, die einen Vogel sprichwörtlich im Heuhaufen finden konnte. Da Korthals die Rasse später in Frankreich verfeinerte und etablierte, wird sie heute meist (auch von der FCI) Frankreich als Ursprungsland zugerechnet. In Deutschland wird die Zucht streng durch den Griffon-Club e.V. im JGHV/VDH überwacht, wo der Fokus stark auf der jagdlichen Leistungsfähigkeit liegt.

Physische Merkmale: Der rustikale Athlet

Der Griffon ist ein mittelgroßer, sehr kräftiger Hund. Sein Körperbau ist leicht rechteckig (etwas länger als hoch).

  • Größe: Die Schulterhöhe liegt für Rüden bei 55 bis 60 cm, für Hündinnen bei 50 bis 55 cm.
  • Gewicht: Ein gut proportionierter Griffon wiegt meist zwischen 23 und 32 kg.

Das Panzer-Fell

Das Fell ist seine Rüstung gegen die Natur. Es ist ein hartes, raues Doppelfell.

  • Beschaffenheit: Das Deckhaar sollte sich hart wie Wildschweinborsten anfühlen. Darunter liegt eine feine, extrem dichte Unterwolle, die perfekt isoliert.
  • Farben: Die bevorzugte und klassische Farbe ist Stahlgrau mit kastanienbraunen Platten (Stahlschimmel). Erlaubt sind auch einfarbig Kastanienbraun, Braun-Weiß oder seltener Orange-Weiß.
  • Wenig haarend: Obwohl nicht strikt hypoallergen, haart der Griffon im Vergleich zu anderen Jagdhunden (wie dem Labrador oder Deutsch Kurzhaar) extrem wenig. Das tote Haar muss jedoch regelmäßig entfernt werden.

Das markante Gesicht

Sein Gesichtsausdruck ist bezaubernd zerzaust. Der ausgeprägte Schnurrbart, der Kinnbart und die buschigen Augenbrauen verleihen ihm einen permanenten Ausdruck von Erstaunen, tiefer Konzentration oder purem Schabernack.

Temperament und Persönlichkeit: Der “Klettverschluss-Jäger”

Griffons definieren sich über ihre tiefe Hingabe an den Menschen.

Extrem menschenbezogen

Sie jagen für ihren Besitzer, nicht nur für sich selbst. Diese Eigenschaft überträgt sich direkt auf das Familienleben. Sie sind sehr anhänglich und möchten am liebsten immer in der Nähe ihrer Menschen sein. Sie reagieren auf Lob überschwänglich. Für eine Haltung im Zwinger oder isoliert im Garten sind sie absolut ungeeignet; sie verkümmern dort seelisch. Sie müssen ein integrierter Teil des Familienrudels sein.

Freundlich und offen

Griffons sind generell sehr freundlich zu Fremden, Kindern und auch zu anderen Hunden. Sie sind keine geborenen Wach- oder Schutzhunde. Ein Griffon würde einem Einbrecher wahrscheinlich eher zeigen, wo die Leckerlis aufbewahrt werden, anstatt ihn zu stellen.

Intelligent und hochsensibel

Sie sind sehr klug, aber auch extrem “weich” (sensibel) in ihrer Seele. Sie wollen ihrem Besitzer gefallen. Harte Strafen, lautes Anschreien oder starker Druck sind bei der Erziehung völlig unnötig und sogar kontraproduktiv. Ein strenger Blick oder eine enttäuschte Stimme reichen bei einem Griffon oft völlig aus, um ihn zu korrigieren.

Griffon vs. Deutsch Drahthaar (DD)

Laien verwechseln diese beiden Rassen oft, aber sie sind sehr unterschiedlich.

  • Griffon: Ein langsamerer, sehr methodischer Sucher. Jagt in viel engerem Kontakt zum Führer. Generell deutlich weicher im Temperament, anhänglicher und mit einem zotteligeren, längeren Fell.
  • Deutsch Drahthaar (GWP): Deutlich schneller, extrem hoher Trieb, arbeitet weiträumiger und intensiver. Oft “härter”, territorialer und mannschärfer. Das Fell ist meist kürzer und enger anliegend.

Erziehung und Bewegungsbedarf

Sie sind hochenergetische Hunde, besitzen aber, wenn sie ausgelastet sind, einen hervorragenden “Aus-Schalter” im Haus.

  • Täglicher Bedarf: Sie benötigen täglich mindestens eine Stunde (besser mehr) intensive Bewegung. Sie sind fantastische Begleiter am Fahrrad, beim Joggen und ganz besonders beim Schwimmen.
  • Jagdinstinkt nutzen: Auch wenn Sie nicht jagen, wird der Griffon Schmetterlingen, Nachbars Katzen oder wehenden Blättern vorstehen. Dummy-Training, Fährtenarbeit (Mantrailing) oder ausgiebige Apportierspiele befriedigen sein angeborenes Bedürfnis zu arbeiten.
  • Ruhe drinnen: Ein ausgelasteter Griffon ist im Haus ruhig und liegt am liebsten zusammengerollt zu Ihren Füßen.

Training: Der Spaßfaktor

Ein Griffon lernt am besten, wenn das Training ein Spiel ist.

  • Apportieren: Nutzen Sie seinen natürlichen Instinkt. Verstecken Sie Spielzeuge (oder Dummys) im Haus oder Garten und lassen Sie ihn suchen.
  • Rückruf: Durch seine enge Bindung oft leichter zu trainieren als bei Hounds, aber seine hervorragende Nase kann ihn bei Wildgeruch ablenken. Ein konsequentes Training an der Schleppleine ist im ersten Jahr wichtig.
  • Hundesport: Auch als reiner Begleithund profitiert er enorm von der Teilnahme an jagdlichen Ausbildungsgruppen oder Fährten-Kursen, um sein Gehirn zu fordern.

Gesundheit und Lebenserwartung

Griffons haben eine Lebenserwartung von 12 bis 14 Jahren und gelten als eine sehr robuste, gesunde Rasse.

Wie bei allen mittelgroßen Rassen achten seriöse VDH/FCI-Züchter auf folgende Punkte (und testen die Zuchttiere darauf):

  • Hüftgelenksdysplasie (HD): Ein HD-Röntgen der Elterntiere ist absolute Pflicht.
  • Augenerkrankungen: Progressive Retinaatrophie (PRA) und Entropium (eingerolltes Augenlid). DOK-Untersuchungen sind wichtig.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) kommt gelegentlich vor.
  • Ohrenpflege: Ihre stark behaarten Hängeohren fangen schnell Feuchtigkeit ein (besonders nach dem Schwimmen). Eine wöchentliche Reinigung und das Zupfen übermäßiger Haare aus dem Gehörgang sind zwingend notwendig, um chronischen Ohrenentzündungen vorzubeugen.

Pflege: Die Kunst des Trimmens

Um die raue, wasserabweisende Struktur des Fells (und den Look) zu erhalten, bedarf es spezieller Pflege.

  • Hand-Stripping (Trimmen): Das tote Deckhaar fällt nicht von selbst aus. Es muss regelmäßig (etwa 2 bis 3 Mal im Jahr) von Hand oder mit einem Trimmesser stumpf herausgezupft werden, damit neues, hartes Haar nachwachsen kann.
  • Das Problem des Scherens: Wenn Sie einen Griffon mit der Schermaschine scheren, verändert sich das Fell dramatisch. Es wird weich, wollig (wie Watte), verliert völlig seine wetterfeste Eigenschaft und zieht Schmutz, Schnee und Kletten an wie ein Magnet. Für reine Familienhunde ist dies manchmal eine (bequeme) Option, ruiniert aber den rassetypischen Look.
  • Der Bart: Er saugt sich beim Trinken mit Wasser voll und verklebt beim Fressen. Sie werden diesen Bart mehrmals täglich mit einem Handtuch abwischen müssen. Ein wöchentliches Bürsten des restlichen Körpers reicht meist aus.

Ist ein Korthals-Griffon der richtige Hund für Sie?

Der Griffon bietet das Beste aus zwei Welten: Einen unermüdlichen Arbeiter draußen und einen albernen, extrem liebenswerten Freund drinnen.

Ein Korthals-Griffon passt zu Ihnen, wenn:

  • Sie eine sehr aktive Familie sind, die viel Zeit in der Natur (Wandern, am Wasser) verbringt.
  • Sie einen Jagd- oder Sporthund suchen, der eng im Haus mit der Familie zusammenlebt und extrem anhänglich ist.
  • Sie einen robusten Begleiter suchen, der wenig haart (allergikerfreundlich).
  • Sie einen Hund bevorzugen, der auf Spaziergängen eher in Ihrer Nähe bleibt (im Gegensatz zu sehr weitsuchenden Rassen).

Ein Korthals-Griffon passt nicht zu Ihnen, wenn:

  • Sie ein makellos sauberes Haus erwarten (er bringt oft nasse Bärte, Matschpfoten und Kletten aus dem Wald mit).
  • Sie Vollzeit arbeiten und den Hund täglich stundenlang alleine lassen (er neigt zu Trennungsangst).
  • Sie nicht bereit sind, das Hand-Trimmen zu erlernen (oder das Geld für einen Friseur auszugeben), um sein drahtiges Fell zu erhalten.
  • Sie einen echten Wachhund suchen.

Wer sich am Matschbart und dem gelegentlichen Chaos nicht stört, findet im Griffon einen gutmütigen, fleißigen und treuen Begleiter.

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