Chinese Crested
Der Chinesische Schopfhund ist eine kleine Begleithunderasse, die in zwei Varianten vorkommt: dem haarlosen Hairless und dem voll behaarten Powderpuff. Trotz seines Namens haben genetische Studien afrikanische Ursprünge der haarlosen Vorfahren nahegelegt.
Der Chinese Crested (Chinesischer Schopfhund) entzieht sich fast jeder herkömmlichen Beschreibung. Ob man ihn als exotisch, faszinierend oder kurios empfindet – ignorieren lässt er sich nicht. Diese Rasse kommt in zwei Varianten vor, die häufig im selben Wurf geboren werden:
- Der Hairless (der Haarlose): Am Körper nahezu nackt, mit einem markanten Haarschopf auf dem Kopf, einem Federbusch an der Rute und kleinen pelzigen Söckchen an den Pfoten.
- Der Powderpuff (die Puderquaste): Vollständig mit einem weichen, seidigen Doppelfell bedeckt, das an einen miniaturisierten Afghanen erinnert.
Unabhängig vom Fell ist der Charakter identisch: eine grazile Toy-Rasse mit einem tiefen Bindungsbedürfnis und einer Vorliebe für menschliche Gesellschaft.
Geschichte und Herkunft: Der globale Seefahrer
Trotz seines Namens stammt der Chinesische Schopfhund ursprünglich nicht aus China. Genetische Studien deuten darauf hin, dass alle haarlosen Hunderassen einen gemeinsamen, uralten Vorfahren teilen – wahrscheinlich afrikanische haarlose Hunde. Diese robusten Tiere wurden von Händlern und Seefahrern auf ihren Handelsschiffen mitgenommen und gelangten schließlich nach China.
Die Rattenfänger der hohen See
Chinesische Seeleute hielten diese haarlosen Hunde Berichten zufolge an Bord, um Ratten zu bekämpfen – ihr fehlende Fell war dabei ein praktischer Vorteil, da sich Parasiten nicht verstecken konnten. Sie wurden entlang der Handelsrouten getauscht, was ihre weite Verbreitung erklärt. In China selbst wurde die Rasse in zwei Typen verfeinert: einen kräftigeren „Hirschtyp” und einen zierlicheren Typ, den wohlhabende Familien als Begleithund schätzten.
Die Verbindung zu Gypsy Rose Lee
Im Westen war die Rasse bis ins 20. Jahrhundert nahezu unbekannt. Die amerikanische Burlesque-Künstlerin Gypsy Rose Lee verliebte sich in den 1950er Jahren in die Rasse, wurde zur engagierten Züchterin und trug wesentlich zu ihrer Bekanntheit in den USA bei. Der AKC erkannte die Rasse 1991 an. In Europa wird sie von der FCI im Standard Nr. 288 geführt.
Physische Eigenschaften: Ein elegantes Spielzeug
Der Chinese Crested ist ein feingliedriger, anmutiger Hund mit einem leichtfüßigen, federnden Gang.
- Widerristhöhe: 23–33 cm.
- Gewicht: 3,6–5,4 kg.
Hairless vs. Powderpuff
Der Unterschied zwischen den beiden Varianten beruht auf einer einzigen genetischen Mutation. Das Haarlosigkeitsgen ist dominant, aber letal bei zwei Kopien – daher sind alle lebenden Haarlosen heterozygot.
- Der Hairless: Die nackte Haut ist weich und fühlt sich beim Streicheln warm an. Die Haarmenge an Kopf, Rute und Pfoten variiert stark.
- Der Powderpuff: Das lange, schleierartige Fell ist unglaublich weich und erfordert regelmäßige Pflege.
- Dentale Besonderheit: Das Haarlosigkeitsgen ist mit der Zahnbildung verknüpft. Hairless-Hunde haben oft fehlende Prämolaren oder konische Zähne, was im Ausstellungsring toleriert wird. Powderpuffs haben in der Regel ein normales Gebiss.
Die Hasenpfoten
Eine anatomische Besonderheit dieser Rasse: Die Zehen sind auffällig verlängert, ähnlich menschlichen Fingern. Dies ermöglicht dem Crested, Gegenstände zu greifen, sich festzuhalten und mit bemerkenswerter Geschicklichkeit zu klettern.
Temperament und Persönlichkeit
Das Leben mit einem Chinese Crested ist wie das Zusammenleben mit einem kleinen, hingebungsvollen Schatten.
Der geborene Begleiter
Er hat kein Interesse an Jagd, Fährtenarbeit oder Hüteaufgaben. Sein zentraler Wunsch ist es, bei seinen Menschen zu sein. Er liegt auf dem Schoß, wenn man sitzt, kriecht unter die Decke, wenn man schläft, und nimmt jede Stimmungsveränderung seines Besitzers wahr. Nackthunde sind als kleine Wärmespender bekannt – ihre Körpertemperatur ist etwas höher als bei behaarten Hunden.
Katzenartige Verhaltensweisen
Besitzer beschreiben ihr Verhalten oft als katzenartig: Sie bevorzugen erhöhte Plätze mit gutem Überblick, nutzen ihre langen Zehen geschickt, um nach Händen zu angeln oder Spielzeug festzuhalten, und erkunden die Umgebung mit bemerkenswerter Fingerfertigkeit.
Sozialverhalten
Ein gut sozialisierter Crested ist aufgeschlossen und begrüßt Menschen freudig. Wird die Sozialisierung im Welpenalter vernachlässigt, können sie Fremden gegenüber schüchtern werden. Mit anderen Haustieren kommen sie in der Regel gut aus, sind aber aufgrund ihrer Zierlichkeit gefährdet, wenn sie mit großen, ungestümen Hunden spielen.
Trainings- und Bewegungsbedürfnisse
Bewegung: Geringer Anspruch
Ein kurzer Spaziergang oder eine Spieleinheit im Wohnzimmer reicht für seinen Bewegungsbedarf. Er ist ein hervorragender Wohnungshund. Unterschätzen Sie jedoch seine Agilität nicht – Cresteds überraschen oft auf Agility-Parcours mit ihrer Wendigkeit und Leichtfüßigkeit.
Erziehung: Sanfte Seelen
Scharfe Korrekturen sind kontraproduktiv. Schon ein strenger Tonfall kann bei diesen sensiblen Hunden das Vertrauen erschüttern. Überschwängliches Lob, sanfte Bestätigung und kleine Leckerlis sind die wirksamsten Trainingsmittel.
Stubenreinheit ist bei Toy-Rassen oft die größte Herausforderung. Kleine Rassen haben kleine Blasen und müssen häufiger raus. Die Hairless-Variante hasst Kälte und Nässe zudem aus tiefstem Herzen – bei schlechtem Wetter verweigern sie manchmal kategorisch das Verlassen des Hauses. Viel Geduld und Konsequenz sind gefragt.
Gesundheit und Lebenserwartung
Der Chinesische Schopfhund ist eine langlebige Rasse, die häufig 13 bis 18 Jahre alt wird.
Hautpflege (Hairless)
Die nackte Haut liegt ungeschützt frei und erfordert spezifische Pflege:
- Sonnenbrand: Haarlose Hunde verbrennen schnell. Hundesichere Sonnencreme oder ein UV-schützendes T-Shirt sind bei längerem Aufenthalt im Freien nötig.
- Akne: Ihre Poren können durch Schmutz oder Talg verstopfen. Regelmäßiges Baden mit mildem Shampoo und nicht-komedogene Lotionen sind wichtig.
- Trockene Haut: Im Winter neigt die Haut zur Trockenheit. Feuchtigkeitsspendende Cremes helfen – Produkte mit Lanolin jedoch meiden, da viele Cresteds darauf allergisch reagieren.
Weitere gesundheitliche Aspekte
- Progressive Retinaatrophie (PRA) und Primäre Linsenluxation (PLL): Genetisch vererbbare Augenerkrankungen. Seriöse Züchter testen per DNA.
- Legg-Calvé-Perthes-Krankheit: Durchblutungsstörung des Oberschenkelkopfes, häufig bei kleinen Rassen, meist chirurgisch behandelbar.
- Patellaluxation: Herausrutschen der Kniescheibe, klassisches Problem kleiner Rassen.
Pflege und Grooming
Der Hairless
Er verliert kaum Haare auf dem Sofa, braucht aber regelmäßige Hautpflege:
- Rasieren: Einzelne Wachstumshaare am Körper werden bei Ausstellungshunden regelmäßig rasiert oder epiliert.
- Baden: Wöchentlich mit einem sanften, rückfettenden Shampoo, um die Poren frei zu halten.
Der Powderpuff
Das feine Doppelfell verknotet schnell. Tägliches oder zumindest jeden zweiten Tag durchgeführtes Bürsten bis auf die Haut ist nötig, um Verfilzungen zu verhindern. Das Gesicht wird für Ausstellungen traditionell rasiert.
Passt ein Chinese Crested zu Ihnen?
Ja, wenn:
- Sie einen treuen Schoßhund suchen, der emotional eng an Ihnen hängt.
- Sie in einer kleinen Wohnung ohne Garten leben.
- Sie Allergien haben – die Hairless-Variante wird von vielen Allergikern besser vertragen (kein Hund ist jedoch vollständig hypoallergen).
- Sie die Routine der Hautpflege und das Einkleiden im Winter als Zuwendung empfinden.
Nein, wenn:
- Sie einen robusten Outdoor-Hund suchen. Er ist körperlich fragil und wetterempfindlich.
- Sie kleine Kinder haben, die grob spielen. Seine zierlichen Knochen brechen leicht.
- Sie es stören, auf der Straße angesprochen zu werden. Fremde werden unweigerlich fragen.
- Sie lange arbeiten und ihn allein lassen müssen. Er leidet unter Trennungsangst.
Der Chinese Crested ist ein anhänglicher, verspielter Begleithund. Wer ihm ein geeignetes Zuhause mit ausreichend Gesellschaft bietet, findet einen treuen und aufmerksamen Begleiter.
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