Italian Greyhound
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Italian Greyhound

Das Italienische Windspiel (Piccolo Levriero Italiano) ist ein kleiner Sichthund mit langer Geschichte als Begleithund der europäischen Aristokratie. Die Rasse erreicht trotz ihrer Größe erhebliche Sprintgeschwindigkeiten und erfordert besondere Beachtung hinsichtlich Kälteempfindlichkeit und Knochenstabilität.

Herkunft
Italien
Größe
Small
Lebenserwartung
14-15 Jahre
Temperament
Anhänglich, Agil, Sensibel, Intelligent, Verspielt

Das Italienische Windspiel (im Englischen oft Italian Greyhound genannt, abgekürzt IG) ist ein kleiner Sichthund mit feinem Knochenbau, tiefem Brustkorb und geschwungenem Rücken. Trotz seiner zarten Erscheinung ist es ein agiler, schneller Jäger, der kurze Energieausbrüche mit langen Ruhephasen verbindet.

Geschichte und Herkunft: Lieblinge der Aristokratie

Die Geschichte des Italienischen Windspiels reicht Jahrtausende zurück und ist eng mit den antiken Hochkulturen verbunden. Es gilt als eine der ältesten Rassen, die speziell als Begleithunde (und gelegentlich für die Jagd auf Kleintiere) gezüchtet wurden.

In der Systematik der Fédération Cynologique Internationale (FCI) wird das Italienische Windspiel (offiziell: Piccolo Levriero Italiano) in der Gruppe 10 (Windhunde), Sektion 3 (Kurzhaarige Windhunde) geführt.

Von Ägypten in die Paläste Europas

Archäologische Funde aus dem alten Ägypten, darunter Mumien kleiner windhundartiger Hunde und Darstellungen in Grabstätten (die bis in die Zeit vor 3000 Jahren datiert werden), legen nahe, dass die Vorfahren des Italienischen Windspiels dort ihren Ursprung hatten. Über Griechenland und die Türkei gelangten die Hunde um das 5. Jahrhundert v. Chr. nach Europa, insbesondere in den Mittelmeerraum.

Ihre wahre Blütezeit erlebten sie jedoch während der Renaissance in Italien, wo sie zu einem absoluten Statussymbol der Aristokratie und des Adels avancierten. Daher rührt auch ihr heutiger Name. Mächtige Herrscherhäuser, darunter die Medici, der Vatikan und später Königsfamilien in ganz Europa (wie Katharina die Große von Russland oder Friedrich der Große von Preußen, der seine geliebten Windspiele sogar neben sich beerdigen ließ), waren diesen eleganten Hunden verfallen. Sie wurden in unzähligen Gemälden von Meistern wie Giotto, Carpaccio oder Tizian an der Seite adliger Damen und Herren verewigt.

Äußeres Erscheinungsbild: Aerodynamik in Perfektion

Das Italienische Windspiel ist die Miniatur-Ausgabe eines klassischen Greyhounds, wobei Proportionen und Eleganz vollständig erhalten geblieben sind. Es gibt keine Anzeichen von Verzwergung (wie etwa einen Apfelkopf oder verkürzte Beine). Alles an ihm ist auf Aerodynamik, Geschwindigkeit und Wendigkeit ausgelegt.

  • Größe und Gewicht: Die Rasse ist extrem leichtgewichtig. Der Rassestandard der FCI sieht ein Gewicht von höchstens 5 kg vor, bei einer Widerristhöhe von 32 bis 38 cm (für Rüden und Hündinnen gleichermaßen). Amerikanische Linien (AKC) sind oft geringfügig größer und kräftiger.
  • Der Körperbau: Der Rücken ist über der Lendenpartie anmutig gewölbt, der Brustkorb tief und schmal. Die Beine sind lang, feinknochig und enden in eleganten Hasenpfoten. Der Gang des Windspiels ist einzigartig: Ein hoher, federnder Schritt (“Hackney-Aktion”), der fast schwebend wirkt.
  • Der Kopf: Der Kopf ist lang und schmal, der Stop (der Übergang von der Stirn zur Schnauze) kaum ausgeprägt. Die großen, runden und dunklen Augen strahlen Intelligenz und Sensibilität aus. Die Ohren sind klein, fein und werden meist nach hinten gefaltet (“Rosenohren”) getragen.
  • Das Fell: Das Fell ist extrem kurz, fein, seidig und hat keinerlei Unterwolle. Dadurch fühlt es sich fantastisch an, bietet dem Hund aber auch keinerlei Schutz vor Kälte oder Nässe.
  • Die Farbe: Laut FCI-Standard sind nur einfarbige Hunde in Schwarz, Grau (Schiefer) und Isabell (ein blasses Gelblich-Beige) zugelassen; Weiß ist nur an Brust und Pfoten erlaubt. Andere Verbände erlauben auch gescheckte (parti-color) Hunde.

Charakter und Temperament: Verschmust, sensibel und blitzschnell

Ein Italienisches Windspiel ist ein Hund der Extreme. Es schwankt zwischen völliger Entspannung (vorzugsweise tief eingegraben unter den Bettdecken seiner Besitzer) und explosiver Energie.

Starke Menschenbindung

Diese Rasse ist tief menschenbezogen und auf enge Nähe zu ihren Besitzern angewiesen. Sie wollen am liebsten jede Sekunde des Tages bei ihrem Menschen sein. Sie fordern Körperkontakt aktiv ein, klettern auf den Schoß, schmiegen sich an den Hals und schlafen am liebsten mit im Bett. Ohne diesen ständigen engen Kontakt verkümmern sie seelisch. Sie eignen sich daher nicht dafür, stundenlang allein gelassen zu werden.

Sensibilität pur

Das Windspiel ist ein unglaublich feinfühliger Hund. Es reagiert extrem sensibel auf die Stimmung im Haus. Lautes Schreien, Härte, Stress oder eine raue Umgebung verängstigen es zutiefst. Sie brauchen einen ruhigen, harmonischen Haushalt und Besitzer, die mit feiner Antenne auf die Bedürfnisse des Hundes eingehen. Fremden gegenüber sind sie oft zurückhaltend bis scheu; sie bevorzugen es, den ersten Schritt zu machen, wenn sie jemanden kennenlernen.

Der verkleidete Jäger

Sobald man das Haus verlässt, zeigt das Windspiel sein wahres Gesicht. Es ist ein Sichtjäger. Wenn es in der Ferne einen Hasen, ein Eichhörnchen oder einen flatternden Vogel entdeckt, schaltet das Gehirn auf “Jagdmodus”. Dank ihrer immensen Beschleunigung und einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 40 km/h sind sie in Sekundenbruchteilen verschwunden. Ein Freilauf ist daher oft nur in absolut sicheren, eingezäunten Gebieten möglich.

Erziehung und Ausbildung: Sanfte Beharrlichkeit

Die Erziehung eines Italienischen Windspiels ist eine Gratwanderung. Einerseits sind sie hochintelligent und lernen schnell, andererseits sind sie Meister darin, ihre Besitzer mit ihren großen, ausdrucksstarken Augen um den Finger zu wickeln.

  • Positive Verstärkung: Strafen, körperlicher Druck oder lautes Schimpfen führen bei dieser Rasse sofort zur völligen Blockade und Angst. Sie arbeiten am besten mit leiser Stimme, viel Lob, Geduld und hochwertigen Leckerlis.
  • Stubenreinheit: Dies ist die größte Herausforderung bei dieser Rasse. Viele Windspiele sind notorisch schwer stubenrein zu bekommen. Sie hassen Kälte, Regen und nasses Gras so sehr, dass sie oft schlichtweg den Toilettengang im Freien verweigern, wenn das Wetter schlecht ist. Viele Besitzer trainieren ihre Hunde daher parallel auf Katzenklos oder spezielle Puppy-Pads im Haus.
  • Bewegung: Trotz ihrer Größe brauchen sie tägliche, ausgiebige Bewegung. Ein kurzer Spaziergang um den Block reicht nicht. Sie lieben es zu rennen. Hundesportarten wie Coursing (Hasenzugmaschine) oder spezielle Windhundrennen auf der Sandbahn sind ideal, um ihre natürlichen Instinkte auszuleben.

Gesundheit und Pflege: Zerbrechliche Knochen und saubere Zähne

Aufgrund ihres feinen Knochenbaus und ihres Mangels an isolierendem Fell bedarf das Italienische Windspiel besonderer Aufmerksamkeit im Alltag. Sie erreichen oft ein hohes Alter von 14 bis 15 Jahren, wenn man bestimmte rassetypische Schwachstellen im Auge behält. Züchter im VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) oder im Deutschen Windhundzucht- und Rennverband (DWZRV) achten streng auf genetische Gesundheit.

Gesundheitliche Aspekte

  • Knochenbrüche: Dies ist das größte Risiko, besonders in den ersten zwei Lebensjahren, wenn die Knochen noch wachsen. Ein unglücklicher Sprung vom Sofa oder aus den Armen des Besitzers reicht oft aus, um die feinen Röhrenknochen der Vorderbeine (Radius und Ulna) zu brechen. Solche Brüche erfordern oft komplizierte chirurgische Eingriffe mit Platten und Schrauben.
  • Zahngesundheit: Wie viele Kleinhunde neigen sie massiv zu Zahnstein, Parodontitis und in der Folge zu frühzeitigem Zahnverlust. Tägliches Zähneputzen ist bei dieser Rasse absolute Pflicht, nicht nur eine Option.
  • Augenerkrankungen: Progressive Retinaatrophie (PRA), Grauer Star und Glaukom können auftreten. Regelmäßige Untersuchungen durch einen DOK-Augenspezialisten (Dortmunder Kreis) sind für Zuchttiere vorgeschrieben.
  • Patellaluxation: Das Herausspringen der Kniescheibe kommt vor und sollte bei der Auswahl der Elterntiere ausgeschlossen werden.
  • Epilepsie: Idiopathische Epilepsie ist in der Rasse bekannt und erfordert medikamentöse Behandlung.

Pflege und Kleidung

Die Fellpflege ist denkbar einfach: Ab und zu mit einem feuchten Tuch oder einem weichen Pflegehandschuh abreiben reicht völlig aus. Das Windspiel riecht nicht nach Hund und haart extrem wenig. Kleidung ist bei dieser Rasse kein modisches Accessoire, sondern überlebenswichtig! Da ihnen Unterwolle und Körperfett fehlen, kühlen sie rasend schnell aus. Sie benötigen maßgeschneiderte Pullover, Regenmäntel und dicke Wintermäntel (oft auch Snoods für Hals und Ohren), sobald die Temperaturen fallen oder es nass ist.

Ist das Italienische Windspiel der richtige Hund?

Dieses kleine Juwel der Hundewelt erfordert einen ganz speziellen Halter, der bereit ist, sich auf die Eigenheiten der Rasse einzulassen.

Ja, es passt zu Ihnen, wenn Sie:

  • Einen extrem anhänglichen Begleiter suchen: Sie genießen es, wenn Ihr Hund ständig bei Ihnen ist, auf Ihnen liegt und unter Ihrer Decke schläft.
  • Einen ruhigen Haushalt führen: Ohne kleine, wilde Kinder (Risiko von Knochenbrüchen) und ohne ständige Hektik.
  • Die Stubenreinheit entspannt sehen: Sie können damit leben, dass an kalten Regentagen gelegentlich ein Malheur im Haus passiert (oder Sie nutzen Indoor-Toiletten).
  • Freude daran haben, Ihren Hund zu kleiden: Sie akzeptieren, dass Sie eine Garderobe für jede Wetterlage kaufen und anlegen müssen.
  • Ausreichend Zeit haben: Sie arbeiten von zu Hause oder können den Hund überallhin mitnehmen, da er extrem ungern alleine bleibt.

Eher ungeeignet ist es für Sie, wenn Sie:

  • Einen robusten Begleiter für raue Outdoor-Abenteuer suchen: Stundenlange Wanderungen im strömenden Regen oder im Schnee sind eine Qual für dieses sonnenliebende Wesen.
  • Einen Hund erwarten, der sofortigen, blinden Gehorsam zeigt: Windhunde sind eigenständig und oft stur.
  • Große, grobe Hunde im Haus haben: Das Verletzungsrisiko beim Spielen ist zu hoch.
  • Einen Hund suchen, den Sie bedenkenlos frei laufen lassen können: Der Jagdtrieb ist immer präsent und kaum kontrollierbar.

Das Italienische Windspiel ist eine elegante, sensible Rasse mit besonderen Anforderungen an Pflege und Schutz. Wer die Eigenheiten dieser Rasse versteht und berücksichtigt, bekommt einen ruhigen, loyalen Begleiter.

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