Lakeland Terrier
← Zurück zu allen Rassen

Lakeland Terrier

Der Lakeland Terrier ist ein hochläufiger britischer Arbeitsterrier, der im 18. und 19. Jahrhundert im englischen Lake District für die Fuchsjagd in felsigem Gelände gezüchtet wurde. Die Rasse ist für ihr drahtiges Doppelfell, ihren Mut und ihre Selbstständigkeit bekannt.

Herkunft
Großbritannien
Größe
Small
Lebenserwartung
12-15 Jahre
Temperament
Mutig, Selbstbewusst, Wachsam, Fröhlich, Stur

Der Lakeland Terrier (oft liebevoll “Lakie” genannt) ist ein klassischer britischer Arbeitsterrier im Miniaturformat. Mit seinen langen Beinen, seinem drahtigen Fell und seinem quadratischen, fast schon komischen Gesichtsausdruck wirkt er wie ein Hund, der stets bereit für das nächste Abenteuer ist. Und das ist er auch.

Ursprünglich gezüchtet, um Füchse in den unwirtlichsten Regionen Nordenglands zu jagen, hat sich der Lakeland Terrier heute zu einem fröhlichen, wenn auch eigenwilligen Familienbegleiter entwickelt. Er ist kein Hund für jedermann, aber für Liebhaber von Terriern ist er mit seinem ungebrochenen Optimismus und seinem unerschütterlichen Selbstbewusstsein ein wahrer Schatz.

Geschichte und Herkunft: Der Fuchsjäger aus den Bergen

Die Geschichte des Lakeland Terriers ist eng mit der rauen und zerklüfteten Landschaft des Lake District in der nordenglischen Grafschaft Cumbria verbunden.

Der Kampf gegen den Bergfuchs

Im Gegensatz zu den flachen Jagdgründen in Südengland, wo Hounds (Laufhunde) die Füchse jagten und Terrier sie nur aus den Bauten trieben, mussten die Terrier im Lake District weitaus härter arbeiten. Die Füchse dort waren groß, aggressiv und rissen regelmäßig Schafe, was die Existenzgrundlage der ansässigen Farmer bedrohte.

Die Farmer brauchten einen Hund, der mutig genug war, einem in die Enge getriebenen Fuchs im Dunkeln seines Baus tief unter der Erde (den “Fells”) zu begegnen. Der Hund musste ausdauernd genug sein, um den Hounds über unwegsames Gelände zu folgen, und klein genug, um in die schmalen Felsspalten zu passen.

Die Entstehung der Rasse

Um diesen perfekten Arbeitshund zu erschaffen, kreuzten die Farmer im 18. und 19. Jahrhundert verschiedene alte Terrierrassen, darunter den Welsh Terrier, den Border Terrier, den Bedlington Terrier und möglicherweise den ausgestorbenen Old English Black and Tan Terrier.

Ursprünglich unter verschiedenen Namen wie Patterdale Terrier oder Cumberland Terrier bekannt, wurde die Rasse 1921 vom Kennel Club als Lakeland Terrier offiziell anerkannt. Heute wird die Rasse weltweit gezüchtet, auch unter dem Dach der FCI und des VDH, wobei der Schwerpunkt inzwischen weniger auf der Jagdleistung und mehr auf dem Ausstellungswesen und der Eignung als Begleithund liegt. Dennoch hat der Lakie seine Wurzeln als mutiger Erdarbeiter nie ganz verloren.

Physische Merkmale: Klein, aber oho

Der Lakeland Terrier ist ein kompakter, quadratisch gebauter Hund, der deutlich hochbeiniger ist als viele andere Erdhunde (wie z. B. der Cairn Terrier). Er darf niemals grob oder plump wirken.

  • Größe: Die ideale Schulterhöhe liegt bei 37 cm.
  • Gewicht: Rüden wiegen im Durchschnitt etwa 7,7 kg, Hündinnen etwa 6,8 kg.

Das drahtige Doppelfell

Das Fell ist das funktionelle Markenzeichen des Lakeland Terriers, entworfen, um ihn vor Dornen, Felsen und dem rauen englischen Wetter zu schützen.

  • Die Beschaffenheit: Er besitzt ein hartes, drahtiges Deckhaar und eine weiche, dichte Unterwolle.
  • Der Schnitt: Auf Ausstellungen wird das Fell so getrimmt, dass der Kopf blockartig (typisch Terrier) und der Körper schnittig wirkt. Die Beine sind gut behaart (Furnishings).
  • Farbenvielfalt: Der Lakeland Terrier kommt in einer erstaunlichen Vielfalt an Farben vor, darunter Schwarz und Loh (Black and Tan), Blau und Loh (Blue and Tan), Rot, Weizen (Wheaten), Rotgrizzle, Leberfarben (Grizzle and Tan), Blau (Blue) und Schwarz (Black).

Der Kopf: Charakteristisch und keck

Der Kopf ist recht flach, die Schnauze breit und kräftig – wichtig für einen Hund, der zupacken musste. Die kleinen, dunklen Augen blicken wachsam und fröhlich in die Welt. Die Ohren sind klein, V-förmig und kippen nach vorne.

Temperament und Persönlichkeit: Der Clown mit dem Löwenherz

Ein Lakeland Terrier ist ein konzentriertes Bündel aus Energie, Neugier und Selbstbewusstsein. Er geht davon aus, dass er der wichtigste Hund im Raum ist.

Furchtlos und unabhängig

Ein Erbe seiner Vergangenheit ist sein unerschütterlicher Mut. Er weicht vor nichts zurück, auch nicht vor Hunden, die dreimal so groß sind wie er. Diese Furchtlosigkeit kann manchmal zu Problemen führen, wenn er nicht lernt, wann er sich zurückhalten muss. Er ist ein unabhängiger Denker; er wurde gezüchtet, um unter der Erde eigene Entscheidungen zu treffen, ohne auf Kommandos seines Besitzers zu warten.

Der fröhliche Begleiter

Trotz seiner Terrier-Hartnäckigkeit ist der Lakeland ein ausgesprochen fröhlicher Hund. Er liebt seine Familie abgöttisch und ist oft sehr verspielt. Er benimmt sich oft wie ein Clown und hat einen ausgeprägten Sinn für Humor. Mit Kindern kommt er in der Regel gut zurecht, sofern diese lernen, seine Grenzen zu respektieren. Er lässt sich nicht gerne ärgern.

Wachsamkeit

Er ist ein ausgezeichneter Wachhund. Er meldet jeden Besucher (und jedes Eichhörnchen, das den Hof betritt) lautstark. Sein Bellen ist scharf und durchdringend. Er neigt jedoch nicht dazu, grundlos zu kläffen, wenn er richtig ausgelastet ist.

Erziehung und Bewegungsbedarf

Bewegung: Ein Energiebündel

Ein kurzer Spaziergang um den Block reicht diesem Hund nicht.

  • Täglicher Bedarf: Er braucht mindestens eine bis zwei Stunden zügige Bewegung pro Tag. Laufen, Wandern oder ausgedehnte Spiele im gesicherten Garten sind ideal.
  • Jagdtrieb: Sein Jagdtrieb ist nach wie vor stark ausgeprägt. Ein Freilauf in wildreichen Gebieten ist oft nicht möglich. Wenn er eine Spur aufnimmt, ist er taub für Rückrufe. Ein gut eingezäunter Garten ist ein Muss, denn er ist ein Meister im Graben und Ausbrechen.
  • Hundesport: Er glänzt oft im Agility oder beim Earthdog-Training (Fährtenarbeit unter der Erde), wo er seinen natürlichen Instinkten nachgehen kann.

Erziehung: Die Kunst der Verhandlung

Einen Lakeland Terrier zu erziehen, erfordert Geduld, Humor und eine absolute Konsequenz.

  • Positive Verstärkung: Härte oder Druck führen bei ihm nur zu Sturheit. Er kooperiert, wenn er einen Sinn darin sieht. Belohnungen (Leckerlis, Spielzeug) und abwechslungsreiche, kurze Trainingseinheiten sind der Schlüssel.
  • Frühe Sozialisierung: Dies ist entscheidend. Er muss früh lernen, mit anderen Hunden und Tieren (insbesondere Katzen) umzugehen, da er sonst dazu neigt, dominant oder sogar aggressiv gegenüber Artgenossen aufzutreten.
  • Konsequenz: Einmal verbotenes muss verboten bleiben. Er testet regelmäßig seine Grenzen aus.

Gesundheit und Lebenserwartung

Der Lakeland Terrier ist eine bemerkenswert gesunde und robuste Rasse mit einer Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren oder mehr. Dennoch gibt es einige gesundheitliche Aspekte, auf die man achten sollte.

Verantwortungsvolle Züchter (z. B. im Klub für Terrier e.V. innerhalb des VDH) testen ihre Zuchttiere auf rassespezifische Erkrankungen. Dazu gehören unter anderem:

  • Legg-Calvé-Perthes-Krankheit: Eine Erkrankung des Hüftgelenks, die bei kleinen Terrierrassen auftreten kann.
  • Linsenluxation (PLL): Eine genetisch bedingte Augenerkrankung, bei der sich die Linse verlagert. Hierfür gibt es DNA-Tests.
  • Katarakt (Grauer Star): Eine Trübung der Augenlinse.
  • Zahnprobleme: Wie viele kleine Rassen neigt er zu Zahnstein.

Pflege: Das Terrier-Fell

Die Pflege eines Lakeland Terriers ist zeitaufwendig, wenn er sein typisches rassespezifisches Aussehen behalten soll.

  • Das Trimmen: Das raue Deckhaar verliert er nicht von selbst (er haart kaum). Es muss etwa drei- bis viermal im Jahr von Hand getrimmt (gezupft) werden, um abgestorbenes Haar zu entfernen und die harte Textur sowie die intensive Farbe zu erhalten.
  • Scheren vs. Trimmen: Wenn der Hund geschoren wird (mit der Maschine), wird das Fell weicher, blasser und verliert seine schmutz- und wasserabweisende Eigenschaft. Für reine Familienhunde ist dies jedoch eine pflegeleichtere Option.
  • Tägliche Pflege: Er muss mehrmals wöchentlich gebürstet werden, besonders an den Beinen und im Gesicht (den “Furnishings”), um Verfilzungen zu vermeiden.

Ist ein Lakeland Terrier der richtige Hund für Sie?

Der Lakeland Terrier ist kein Hund für Anfänger oder für Menschen, die bedingungslosen Gehorsam erwarten.

Ein Lakeland Terrier passt zu Ihnen, wenn:

  • Sie das eigenwillige, selbstbewusste Wesen eines echten Terriers schätzen.
  • Sie aktiv sind und Ihrem Hund täglich ausreichend Bewegung und Beschäftigung bieten können.
  • Sie bereit sind, Zeit oder Geld in die professionelle Fellpflege (Trimmen) zu investieren.
  • Sie einen aufmerksamen Wachhund suchen, der kaum haart.

Ein Lakeland Terrier passt nicht zu Ihnen, wenn:

  • Sie einen Hund suchen, der leicht zu erziehen ist und Kommandos blind befolgt.
  • Sie in einer hellhörigen Wohnung leben (er bellt gerne).
  • Sie Kleintiere (Kaninchen, Meerschweinchen) besitzen (sein Jagdtrieb ist zu stark).
  • Sie keine Zeit für eine konsequente Erziehung und Sozialisierung haben.

Wer den eigenwilligen Charakter des Lakeland Terriers versteht und seine Intelligenz fördert, bekommt einen ausdauernden, wachsamen Begleiter.

Ähnliche Rassen