Lhasa Apso
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Lhasa Apso

Der Lhasa Apso ist eine der ältesten Hunderassen der Welt, die seit mehr als 1.000 Jahren in tibetischen Klöstern und Palästen als innerer Wächter gehalten wurde. Die Rasse ist für ihre Langlebigkeit, ihren eigenständigen Charakter und ihr langes, hartes Fell bekannt.

Herkunft
Tibet
Größe
Small
Lebenserwartung
12-15 Jahre
Temperament
Unabhängig, Wachsam, Loyal, Spielerisch, Würdevoll

Der Lhasa Apso ist eine uralte tibetische Rasse mit langen, fließenden Fell und würdevollem Gang. Diese Hunde wurden nicht als Schoßhunde, sondern als innere Wächter in tibetischen Klöstern und Palästen gezüchtet. Das Erbe prägt sie bis heute: Sie sind würdevoll, ihrer Familie loyal und gegenüber Fremden von Natur aus zurückhaltend.

Geschichte und Herkunft: Der Wächter des Dalai Lama

Die Geschichte des Lhasa Apso reicht weit über 1.000 Jahre zurück in die rauen, hochgelegenen Regionen des Himalaya. Er ist eine der ältesten anerkannten Hunderassen der Welt.

Der innere Wächter Tibets

Der Name der Rasse setzt sich zusammen aus “Lhasa”, der heiligen Hauptstadt Tibets, und “Apso”, was in etwa “bärtig” oder “ziegenartig” bedeutet (ein Hinweis auf sein raues, schützendes Fell). In Tibet wurden sie “Abso Seng Kye” genannt, was sich als “bellender Löwen-Wachhund” übersetzen lässt.

Ihre Aufgabe war klar definiert: Während die gewaltigen Do Khyi (Tibetmastiffs) das Äußere der Klöster und Paläste bewachten, waren die kleinen, hochsensiblen Lhasa Apsos die “inneren Wächter”. Sie hielten sich in den Gemächern der spirituellen Führer auf und warnten mit ihrem scharfen, durchdringenden Bellen vor jeder noch so kleinen Störung. Sie wurden hoch verehrt und galten als Glücksbringer; man glaubte sogar, dass die Seelen verstorbener Mönche, die das Nirwana noch nicht erreicht hatten, in den Körpern der Lhasa Apsos wiedergeboren wurden.

Ein königliches Geschenk

Lhasa Apsos wurden nie verkauft. Sie durften die heilige Stadt nur als persönliches Geschenk des Dalai Lama verlassen, meist an Kaiser in China oder andere hochrangige Würdenträger. Erst in den 1930er Jahren kamen die ersten Exemplare als Geschenke nach Großbritannien und in die USA. Heute wird die Rasse weltweit (unter anderem im VDH/FCI) gezüchtet, hat aber ihren wachsamen, unabhängigen Geist nie verloren.

Physische Merkmale: Ein robustes Löwchen

Trotz seines glamourösen Aussehens ist der Lhasa Apso ein robuster, muskulöser und widerstandsfähiger kleiner Hund, der für das raue Klima Tibets gebaut ist.

  • Größe: Die ideale Schulterhöhe für Rüden liegt bei 25 cm, Hündinnen sind etwas kleiner.
  • Gewicht: Zwischen 5 und 8 kg.

Das prächtige Doppelfell

Das Fell ist das markanteste Merkmal der Rasse und diente in seiner Heimat als lebenswichtiger Schutz vor extremer Kälte und intensiver Sonneneinstrahlung.

  • Beschaffenheit: Der Lhasa Apso besitzt ein dichtes Unterhaar und ein langes, schweres, gerades und hartes Deckhaar. Es sollte nicht wollig oder seidig sein (wie beim Shih Tzu), sondern eher an Ziegenhaar erinnern.
  • Gesicht: Das Haar fällt schwer über die Augen (was ihn vor dem grellen Licht des Himalaya schützte) und bildet einen ausgeprägten Bart und Schnurrbart.
  • Farben: Die Rasse kommt in vielen Farben vor, darunter Gold, Sand, Honig, Dunkelgrizzle, Schiefer, Rauchgrau, Schwarz, Weiß und Braun (oft mehrfarbig).

Ein Hund der Gegensätze

Sein Körper ist länger als hoch, was ihm einen stämmigen Eindruck verleiht. Die dunklen, ovalen Augen blicken klug und oft etwas herablassend in die Welt. Die Rute wird hoch und eingerollt über dem Rücken getragen, oft mit einem Knick (Kink) an der Spitze, der als rassetypisch gilt.

Temperament und Persönlichkeit: Der Herrscher des Hauses

Ein Lhasa Apso ist kein Hund, dem man etwas befiehlt. Man schlägt ihm etwas vor und wartet ab, ob er es für eine gute Idee hält. Er hat eine “große Hund in einem kleinen Körper”-Mentalität.

Loyaler Familienhund, skeptisch bei Fremden

Er bindet sich sehr eng an seine Menschen (oft an eine bestimmte Person in der Familie) und ist in den eigenen vier Wänden überaus liebevoll, verspielt und lustig. Fremden gegenüber ist er jedoch von Natur aus misstrauisch und reserviert. Er wird sich zurückziehen und die Lage erst einmal aus sicherer Entfernung beobachten. Er lässt sich nicht von jedem streicheln und entscheidet selbst, wann er Kontakt aufnimmt.

Der unbestechliche Wächter

Sein Instinkt als Wachhund ist ungebrochen. Er hat ein außergewöhnliches Gehör und meldet zuverlässig jedes ungewohnte Geräusch. Er hat ein tiefes, schallendes Bellen, das man eher bei einem großen Hund vermuten würde. Es ist wichtig, ihm beizubringen, wann Alarm geschlagen werden muss und wann er sich beruhigen soll (das “Quiet”-Kommando), da er sonst zum Kläffer werden kann.

Unabhängig und stur

Er wurde darauf gezüchtet, selbstständig zu denken und Situationen einzuschätzen. Diese Intelligenz bedeutet auch, dass er stur sein kann. Wenn er keinen Sinn in einer Übung sieht, wird er sie einfach ignorieren.

Erziehung und Bewegungsbedarf

Bewegung: Mäßig, aber regelmäßig

Der Lhasa Apso ist kein Hochleistungssportler, aber er genießt Bewegung.

  • Täglicher Bedarf: Tägliche Spaziergänge und etwas Spielzeit im Haus oder Garten sind völlig ausreichend. Er ist ein hervorragender Wohnungshund, solange er seine tägliche Runde bekommt.
  • Geistige Auslastung: Da er sehr intelligent ist, liebt er Intelligenzspielzeug oder das Erlernen von Tricks, vorausgesetzt, er bekommt dafür eine angemessene Belohnung.

Erziehung: Die Kunst der Verhandlung

Die Ausbildung eines Lhasa Apsos erfordert Geduld, Konsequenz und sehr gute Leckerlis.

  • Kein blinder Gehorsam: Er wird nie ein Hund sein, der Kommandos in Millisekunden ausführt. Härte führt nur dazu, dass er komplett dichtmacht.
  • Positive Verstärkung: Training in kurzen, abwechslungsreichen Einheiten mit positiver Verstärkung ist der einzige Weg.
  • Frühe Sozialisierung: Dies ist extrem wichtig! Aufgrund seines natürlichen Misstrauens muss er von klein auf an verschiedene Menschen, Hunde, Geräusche und Situationen gewöhnt werden. Andernfalls kann seine Reserviertheit in Ängstlichkeit oder gar Aggression umschlagen.

Gesundheit und Lebenserwartung

Der Lhasa Apso ist eine sehr ursprüngliche, widerstandsfähige Rasse und für seine außergewöhnliche Langlebigkeit bekannt. Eine Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren ist die Regel, viele Tiere werden bei guter Gesundheit 18 Jahre oder älter.

Dennoch gibt es, wie bei allen Rassen, genetische Dispositionen für bestimmte Krankheiten, auf die seriöse Züchter (z.B. im Internationalen Club für Tibetische Hunderassen e.V. (KTR) im VDH) achten:

  • Progressive Retinaatrophie (PRA): Eine schleichende Erkrankung der Netzhaut, die zur Erblindung führt (DOK-Augenuntersuchung der Eltern ist wichtig).
  • Renale Dysplasie: Eine angeborene Nierenfehlentwicklung, für die Lhasa Apsos eine Disposition haben können.
  • Patellaluxation (PL): Das Herausspringen der Kniescheibe, häufig bei kleinen Hunden.
  • Zahn- und Augenpflege: Wegen der kurzen Schnauze neigen sie zu Zahnsteinbildung. Die Augen (oft durch das lange Haar gereizt) müssen regelmäßig kontrolliert werden.

Pflege: Eine lebenslange Verpflichtung

Wenn Sie einen Lhasa Apso in seiner vollen, bodenlangen Haarpracht (Show-Coat) halten möchten, haben Sie im Grunde einen Nebenjob angenommen.

  • Der Show-Coat: Erfordert tägliches, stundenlanges Bürsten und Kämmen bis auf die Haut, um Verfilzungen zu verhindern. Das Haar über den Augen muss hochgebunden werden.
  • Der Puppy-Clip (Pet-Clip): Die allermeisten Halter (die nicht auf Ausstellungen gehen) entscheiden sich für einen pflegeleichteren Kurzhaarschnitt beim Hundefriseur. Aber auch dieser muss alle 6 bis 8 Wochen erneuert und dazwischen regelmäßig gebürstet werden.
  • Haart nicht: Der Lhasa Apso verliert kaum Haare (er “haart” im klassischen Sinne nicht, sondern verliert nur einzelne Haare wie der Mensch), was ihn für manche Allergiker interessant macht.

Ist ein Lhasa Apso der richtige Hund für Sie?

Der Lhasa Apso ist ein charakterstarker Begleiter, der Respekt und Verständnis für seine Eigenheiten einfordert.

Ein Lhasa Apso passt zu Ihnen, wenn:

  • Sie einen kleinen, aber robusten Hund mit einer “großen” Persönlichkeit suchen.
  • Sie einen langlebigen, treuen Begleiter für das Leben in einer Wohnung suchen.
  • Sie einen exzellenten Wachhund schätzen, der Besucher zuverlässig meldet.
  • Sie die Zeit und Muße für die anspruchsvolle Fellpflege haben (oder das Budget für den Hundefriseur).

Ein Lhasa Apso passt nicht zu Ihnen, wenn:

  • Sie einen gehorsamen Hund erwarten, der Befehle freudig und sofort befolgt.
  • Sie laute, ungestüme Kleinkinder haben (er toleriert grobe Behandlung nicht).
  • Sie einen Hund suchen, der freundlich zu jedem Fremden ist.
  • Sie keine Lust auf Fellpflege haben.

Wer das Vertrauen eines Lhasa Apsos erarbeitet und seine Unabhängigkeit respektiert, bekommt einen loyalen, langlebigen Begleiter.

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