Löwchen
Das Löwchen ist eine alte europäische Begleithunderasse, die eng mit der Bichon-Familie verwandt ist und seit dem 15. Jahrhundert an europäischen Königshöfen gehalten wurde. Die Rasse ist für ihre traditionelle Löwenschur und ihre geringe Lebenserhaltungskosten bekannt.
Das Löwchen (international „Little Lion Dog” oder „Petit Chien Lion”) ist ein kleiner europäischer Begleithund mit charakteristischer Löwenschur, bei der der hintere Körperbereich traditionell glatt geschoren wird. Trotz seiner langen Geschichte gehört es zu den selteneren Rassen. Es ist robust, aktiv und für die Begleithundehaltung gut geeignet.
Geschichte und Herkunft: Der Hund der Aristokratie
Die genaue Herkunft des Löwchens ist bis heute Gegenstand von Diskussionen unter Kynologen. Einig ist man sich jedoch darüber, dass es sich um eine sehr alte, europäische Rasse handelt, die eng mit der Familie der Bichons (wie dem Havaneser, Malteser oder Bichon Frisé) verwandt ist.
Der lebende Bettwärmer
Die Geschichte des Löwchens lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Auf Tapisserien, Gemälden und in Schriften aus der Renaissance tauchen immer wieder kleine Hunde auf, die in der charakteristischen Löwenschur geschoren sind. Diese Hunde waren die ständigen Begleiter der Damen an den europäischen Königshöfen, insbesondere in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden.
Die auffällige Löwenschur war damals nicht nur eine Modeerscheinung, sondern hatte einen ganz praktischen Zweck. Die Hunde dienten den adeligen Damen in den kalten, zugigen Burgen als lebende Wärmflaschen. Die nackt geschorene hintere Körperhälfte wurde unter die Decken ans Fußende oder auf den Schoß gelegt, um Wärme abzugeben, während die dichte Mähne am vorderen Teil des Körpers die lebenswichtigen Organe des Hundes vor der Kälte schützte.
Von der Rarität zur Rettung
Nach den Wirren der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert wäre die Rasse beinahe vollständig von der Bildfläche verschwunden. Im Jahr 1960 verzeichnete das Guinness-Buch der Rekorde das Löwchen sogar als die “seltenste Hunderasse der Welt”, mit weltweit weniger als 70 registrierten Exemplaren.
Dank des unermüdlichen Einsatzes einiger weniger engagierter Züchter, allen voran Madame Bennert in Belgien, konnte die Rasse vor dem Aussterben gerettet werden. Auch wenn das Löwchen heute (anerkannt durch die FCI und in Deutschland durch den VDH vertreten) nicht mehr vom Aussterben bedroht ist, gehört es nach wie vor zu den eher selten anzutreffenden Hunderassen.
Physische Merkmale: Ein kleiner, kompakter Athlet
Das Löwchen ist zwar ein kleiner Hund, aber keineswegs zart oder zerbrechlich. Es hat einen robusten, quadratischen Körperbau mit guten Knochen und einer erstaunlichen Sprungkraft.
- Größe: Die ideale Schulterhöhe liegt für Rüden und Hündinnen zwischen 26 und 32 cm.
- Gewicht: Das Gewicht sollte in einem harmonischen Verhältnis zur Größe stehen und liegt meist bei etwa 6 kg.
Das Fell und die Löwenschur
Das Fell ist das Markenzeichen der Rasse und der Grund für ihren Namen.
- Beschaffenheit: Das Löwchen besitzt ein langes, dichtes, seidiges und gewelltes Haar, jedoch ohne Unterwolle. Dadurch haart die Rasse nicht im klassischen Sinne und gilt oft als allergikerfreundlich.
- Die traditionelle Schur: Für Ausstellungen ist die Löwenschur obligatorisch. Dabei werden die Hinterhand (ab den letzten Rippen), die Hinterläufe (bis zu den Sprunggelenken) und das vordere Drittel der Rute nackt geschoren. An den Pfoten bleiben kleine “Manschetten” stehen, und die Rutenspitze ziert ein dekorativer Büschel.
- Der “Puppy-Clip”: Viele Besitzer, die mit ihrem Löwchen keine Ausstellungen besuchen, entscheiden sich für einen sportlichen Kurzhaarschnitt (Puppy-Clip). Das ist pflegeleichter und der Hund verliert sein löwenhaftes Aussehen, behält aber natürlich seinen wunderbaren Charakter.
- Farbenvielfalt: Beim Löwchen sind alle Farben und Farbkombinationen erlaubt, von einfarbig Schwarz, Weiß, Creme oder Apricot bis hin zu bunten Schecken (Particolor).
Der Kopf: Ein aufmerksamer Blick
Der Kopf ist relativ kurz und breit. Die dunklen, runden Augen blicken intelligent, aufmerksam und stets freundlich in die Welt. Die Ohren sind hängend und gut befranst.
Temperament und Persönlichkeit: Ein Herz aus Gold
Das Löwchen ist ein fröhlicher, aufgeschlossener Hund mit stabiler Grundstimmung.
Fröhlich, verspielt und menschenbezogen
Das Löwchen liebt Menschen abgöttisch. Es baut eine sehr enge Bindung zu seiner Familie auf und ist am glücklichsten, wenn es mittendrin im Geschehen ist. Es ist äußerst verspielt und bewahrt sich diesen fröhlichen Clown-Charakter oft bis ins hohe Alter. Mit Kindern kommt das Löwchen in der Regel hervorragend aus, da es robust genug für wildere Spiele ist, ohne dabei jemals aggressiv zu werden.
Ein aufmerksamer Wächter
Obwohl es ein kleiner Hund ist, hat das Löwchen ein beachtliches Selbstbewusstsein. Es meldet Besucher zuverlässig mit einem hellen Bellen an. Es ist jedoch kein Kläffer und beruhigt sich schnell wieder, sobald der Besuch freudig begrüßt wurde. Fremden gegenüber ist es anfangs vielleicht einen Moment lang zurückhaltend, taut aber sehr schnell auf.
Intelligent und lernwillig
Löwchen sind sehr schlau und haben großen Spaß daran, neue Dinge zu lernen. Sie sind kooperativ und auf menschliche Zusammenarbeit ausgerichtet.
Erziehung und Bewegungsbedarf
Bewegung: Ein sportlicher Zwerg
Lassen Sie sich von der Größe nicht täuschen: Das Löwchen ist kein reiner Schoßhund, der nur kurze Runden um den Block braucht.
- Täglicher Bedarf: Es ist ein aktiver und ausdauernder Hund, der tägliche, abwechslungsreiche Spaziergänge liebt. Es begleitet seine Menschen problemlos auf längeren Wanderungen.
- Hundesport: Aufgrund seiner Intelligenz und enormen Wendigkeit glänzt das Löwchen oft in Hundesportarten wie Agility, Dogdance oder beim Erlernen von unzähligen Tricks.
Erziehung: Mit Sanftmut und Konsequenz
Die Erziehung eines Löwchens ist im Allgemeinen sehr angenehm.
- Positive Verstärkung: Es reagiert hervorragend auf Training mit Lob, Spiel und Leckerlis. Härte oder lautes Schimpfen schüchtern diesen sensiblen Hund nur ein und zerstören das Vertrauen.
- Frühe Sozialisierung: Wie bei jeder Rasse ist es wichtig, den Welpen frühzeitig an verschiedene Umweltreize, andere Hunde und Tiere zu gewöhnen, damit aus ihm ein souveräner erwachsener Hund wird.
- Alleinsein üben: Da das Löwchen so menschenbezogen ist, kann es Probleme mit dem Alleinsein entwickeln. Dies muss vom Welpenalter an behutsam trainiert werden.
Gesundheit und Lebenserwartung
Das Löwchen ist eine ausgesprochen robuste und gesunde Rasse, die von extremen körperlichen Übertreibungen in der Zucht verschont geblieben ist. Eine Lebenserwartung von 13 bis 15 Jahren oder mehr ist keine Seltenheit.
Um die Gesundheit der Rasse zu erhalten, verlangen seriöse Zuchtvereine im VDH Gesundheitsprüfungen der Elterntiere. Zu den wenigen Erkrankungen, die beim Löwchen (wie bei vielen Kleinhunden) gelegentlich auftreten können, gehören:
- Patellaluxation (PL): Das Herausspringen der Kniescheibe. Eine Untersuchung der Zuchttiere ist zwingend erforderlich.
- Augenerkrankungen: Wie die Progressive Retinaatrophie (PRA) oder Katarakte (Grauer Star). Regelmäßige Untersuchungen durch DOK-Tierärzte sind wichtig.
- Zahnprobleme: Regelmäßige Zahnpflege (Zähneputzen) beugt Zahnstein und frühzeitigem Zahnverlust vor.
Pflege: Mehr als nur ein Friseurbesuch
Die Pflege des Löwchens erfordert Zeit und Konsequenz, besonders wenn das Haar lang getragen werden soll.
- Regelmäßiges Bürsten: Das seidige Haar neigt zum Verfilzen, besonders in den Achseln, hinter den Ohren und am Bauch. Es muss mehrmals wöchentlich, idealerweise täglich, gründlich gebürstet und gekämmt werden.
- Die Schur: Wer die traditionelle Löwenschur wünscht, muss etwa alle 4 bis 6 Wochen zum Hundefriseur, um die geschorenen Partien nachzurasieren und die Konturen zu pflegen. Aber auch ein sportlicher Puppy-Clip erfordert regelmäßige Besuche im Hundesalon.
- Ohrenpflege: Die Hängeohren müssen regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden, da sich durch die Haare im Gehörgang schnell Entzündungen bilden können.
Ist ein Löwchen der richtige Hund für Sie?
Das Löwchen ist ein bezaubernder Begleiter für eine Vielzahl von Menschen, von Familien bis hin zu aktiven Senioren.
Ein Löwchen passt zu Ihnen, wenn:
- Sie einen fröhlichen, anpassungsfähigen und verschmusten Familienhund suchen.
- Sie einen kleinen Hund möchten, der robust genug für ausgedehnte Spaziergänge und Hundesport ist.
- Sie bereit sind, Zeit und Geld in eine aufwendige Fellpflege zu investieren.
- Sie einen Hund suchen, der nicht im klassischen Sinne haart.
Ein Löwchen passt nicht zu Ihnen, wenn:
- Sie einen Hund suchen, den Sie jeden Tag viele Stunden alleine lassen müssen.
- Sie keine Lust auf regelmäßiges Bürsten und Besuche beim Hundefriseur haben.
- Sie einen reinen Wachhund oder Schutzhund suchen.
- Sie sich an der etwas exzentrischen Optik der traditionellen Löwenschur stören (und auch keinen Puppy-Clip in Betracht ziehen).
Wer dem Löwchen ein geeignetes Zuhause bietet, bekommt einen robusten, aktiven und loyalen kleinen Begleithund.
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