Pembroke Welsh Corgi
Der Pembroke Welsh Corgi ist ein intelligenter, fröhlicher und tiefgebauter Hütehund, der weltweit als treuer Begleiter der britischen Königsfamilie berühmt wurde.
Der Pembroke Welsh Corgi ist ein Hund, der auf den ersten Blick durch seine ungewöhnlichen Proportionen auffällt: ein großer, kräftiger Hundekörper auf erstaunlich kurzen Beinen, gekrönt von einem fuchsähnlichen Gesicht mit großen, aufmerksamen Stehohren. Doch wer den Corgi nur als niedlichen Modehund oder als royales Accessoire der Queen betrachtet, unterschätzt diese Rasse gewaltig.
Hinter dem charmanten Lächeln und dem lustigen Watschelgang verbirgt sich ein robuster, hochintelligenter und furchtloser Arbeitshund. Der Corgi wurde in Wales gezüchtet, um Rinderherden zu treiben. Er ist ein Hund mit starkem Willen, der Energie eines Hütehundes und ausgeprägtem Selbstbewusstsein. Für aktive Familien, die den starken Charakter dieser Rasse zu schätzen wissen, ist der Pembroke Welsh Corgi ein zuverlässiger Begleiter.
Geschichte und Herkunft: Der Hund der Feen und Könige
Die Ursprünge des Pembroke Welsh Corgi sind tief in der walisischen Folklore und der harten landwirtschaftlichen Realität verwurzelt.
Mythen und Feenreittiere
Eine alte walisische Legende besagt, dass Corgis ein Geschenk der Waldfeen an die Menschen waren. Angeblich nutzten die Feen und Elfen diese kleinen Hunde, um auf ihnen zu reiten oder ihre Miniatur-Kutschen zu ziehen. Die hellen Markierungen über den Schultern vieler Corgis werden in der Legende als Abdrücke des Feensattels (“Fairy Saddle”) gedeutet.
Der beinharte Rindertreiber
Historisch gesehen stammt die Rasse vermutlich von nordischen Spitzhunden (wie dem Schwedischen Vallhund) ab, die im 9. oder 10. Jahrhundert von den Wikingern nach Wales gebracht wurden. Das Wort “Corgi” leitet sich vermutlich aus dem Keltischen ab (“cor” für Zwerg und “gi” für Hund).
Die Bauern im walisischen Pembrokeshire brauchten einen Hund, der Rinder auf die Weiden und zu den Märkten treiben konnte. Der Corgi war für diese Aufgabe perfekt gebaut: Er war klein genug, um den gefährlichen Tritten der Rinder auszuweichen (die Hufe flogen buchstäblich über seinen Kopf hinweg), aber mutig und laut genug, um die riesigen Tiere durch Zwicken in die Fesseln (das sogenannte “Heeling”) in die gewünschte Richtung zu zwingen.
Der royale Aufstieg
Obwohl der Corgi in Wales jahrhundertelang ein unentbehrlicher Arbeitshund war, verdankt er seinen weltweiten Ruhm dem britischen Königshaus. Im Jahr 1933 schenkte der spätere König George VI. seinen Töchtern Elizabeth und Margaret einen Pembroke-Welpen namens Dookie. Königin Elizabeth II. verliebte sich so sehr in die Rasse, dass sie während ihrer Regentschaft mehr als 30 Pembrokes besaß und züchtete. Heute wird die Rasse weltweit (unter dem Standard der FCI) gezüchtet und im VDH (z.B. durch den Club für Britische Hütehunde) betreut.
(Hinweis: Der Pembroke Welsh Corgi darf nicht mit dem Cardigan Welsh Corgi verwechselt werden, der eine eigene, etwas größere Rasse mit runderen Ohren und einer langen Rute ist).
Physische Merkmale: Ein großer Hund auf kurzen Beinen
Der Pembroke ist tiefgebaut, kompakt und extrem robust. Er ist ein großer Hund, dem lediglich die Beinlänge fehlt.
- Größe: Die Schulterhöhe liegt bei 25 bis 30 cm.
- Gewicht: Rüden wiegen zwischen 10 und 12 kg, Hündinnen zwischen 9 und 11 kg.
Das fuchsähnliche Gesicht
Der Kopf erinnert stark an einen Fuchs. Er ist breit und flach zwischen den Ohren, mit einer spitz zulaufenden Schnauze. Die großen, aufrecht stehenden Ohren sind an den Spitzen leicht abgerundet (im Gegensatz zu den runderen Ohren des Cardigan). Die dunklen Augen haben einen aufmerksamen, intelligenten und oft sehr fröhlichen Ausdruck.
Das Fell und die Rute
Das Fell ist wetterfest und funktional.
- Beschaffenheit: Er besitzt ein gerades, mittellanges Deckhaar und dichte, wasserabweisende Unterwolle. Er haart das ganze Jahr über stark.
- Farben: Rot, Sable (Zobel), Rehfarben oder Black and Tan (Schwarz mit rötlichen Abzeichen), oft mit weißen Markierungen an Beinen, Brust, Hals und Gesicht.
- Die Rute: Traditionell wurde die Rute des Pembroke kupiert (der Cardigan behielt sie). Da das Kupieren in Deutschland und vielen anderen Ländern heute glücklicherweise aus Tierschutzgründen verboten ist, haben die meisten Pembrokes heute eine natürliche, mittellange Rute, die in der Bewegung oft fröhlich über der Rückenlinie getragen wird. Es gibt auch Hunde, die genetisch bedingt mit einer Stummelrute (Natural Bobtail) geboren werden.
Temperament und Persönlichkeit: Ein großes Ego
Wer einen Corgi kauft, muss wissen: Dieser Hund hält sich selbst für einen riesigen Schäferhund und verhält sich auch so.
Fröhlich, aber eigensinnig
Pembrokes sind fröhlich, oft geradezu albern und lieben es, im Mittelpunkt zu stehen. Sie binden sich eng an ihre Familie und sind sehr verschmust. Dennoch sind sie keine devoten Schoßhunde. Sie sind selbstständige Denker mit einer ordentlichen Portion Eigensinn. Wenn ein Corgi keinen Sinn in einem Kommando sieht, wird er mit Ihnen darüber diskutieren.
Der Hüteinstinkt im Wohnzimmer
Der Drang, Dinge (und Menschen) zu kontrollieren und zu treiben, ist tief in ihnen verwurzelt. Ein unausgelasteter Corgi wird versuchen, spielende Kinder, Jogger, Fahrräder oder Haustiere zu “hüten”. Dabei kommt oft die alte Methode des “Heeling” zum Einsatz – das Zwicken in die Fersen. Dies ist keine Aggression, sondern Arbeitsverhalten, muss aber von Welpenbeinen an konsequent in die richtigen Bahnen (z. B. auf Spielzeug) gelenkt werden.
Sehr wachsam und vokal
Ein Corgi meldet alles. Er hat ein tiefes, lautes Bellen (das man eher bei einem großen Hund vermuten würde) und nutzt es gerne, um Besucher, vorbeilaufende Katzen oder ein fallendes Blatt zu kommentieren. Er ist ein hervorragender Wachhund, aber das Bellen muss kontrolliert werden, damit er nicht zum Kläffer wird.
Erziehung und Bewegungsbedarf
Bewegung: Ein Athlet auf kurzen Beinen
Corgis sind keine gemütlichen Sofahunde. Sie wurden für harte körperliche Arbeit gezüchtet.
- Täglicher Bedarf: Sie brauchen ausgiebige, zügige Spaziergänge (mindestens 1 bis 1,5 Stunden täglich) und Spielzeiten. Sie sind überraschend schnell und ausdauernd.
- Hundesport: In Sportarten wie Agility (mit angepassten Sprunghöhen), Treibball oder Obedience blühen sie auf.
- Gewichtskontrolle: Corgis sind extrem verfressen und neigen stark zu Übergewicht. Ein dicker Corgi ist nicht niedlich, sondern ein trauriger Anblick, da das Übergewicht den langen Rücken extrem belastet.
Erziehung: Mit Konsequenz und Humor
Die Erziehung muss liebevoll, aber absolut konsequent sein.
- Keine Inkonsequenz: Er nutzt jede Schwäche seines Besitzers gnadenlos (aber charmant) aus. Ein “Nein” muss immer ein “Nein” bleiben.
- Geistige Auslastung: Sie sind hochintelligent. Intelligenzspielzeug, das Erlernen von Tricks oder Suchspiele sind unverzichtbar, um den klugen Corgi-Kopf müde zu machen.
Gesundheit und Lebenserwartung
Der Pembroke Welsh Corgi ist grundsätzlich ein robuster Hund mit einer Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren. Sein extremer Körperbau (Achondroplasie = genetisch bedingte Kurzbeinigkeit) birgt jedoch Risiken.
Seriöse VDH-Züchter achten auf umfassende Gesundheitsprüfungen:
- Rückenprobleme (IVDD): Aufgrund des langen Rückens sind sie extrem anfällig für Bandscheibenvorfälle. Sie sollten nicht regelmäßig viele Treppen steigen, nicht aus dem Auto oder von hohen Möbeln springen. Ein gesundes (schlankes) Gewicht ist der beste Schutz für den Rücken.
- Hüftgelenksdysplasie (HD): Kommt trotz der Größe vor; Zuchttiere sollten geröntgt sein.
- Degenerative Myelopathie (DM): Eine schleichende, unheilbare Erkrankung des Rückenmarks, die zur Lähmung der Hinterhand führt. Es gibt einen DNA-Test, der in der Zucht genutzt werden sollte.
- Augenerkrankungen: Progressive Retinaatrophie (PRA) und Grauer Star. Untersuchungen durch einen DOK-Tierarzt sind wichtig.
Pflege: Das permanente Haaren
Die Pflege ist einfach, erfordert aber Toleranz für Hundehaare.
- Bürsten: Das Fell verfilzt kaum, aber der Corgi haart immens. Ein tägliches Bürsten (oder der Einsatz eines Unterwoll-Rechens) ist notwendig, um die Flut an Haaren im Haus zumindest ansatzweise einzudämmen.
- Zweimal im Jahr: Während des extremen Fellwechsels im Frühjahr und Herbst verliert er die Unterwolle büschelweise.
- Baden: Nur bei starker Verschmutzung nötig, da das Fell schmutzabweisend ist.
Ist ein Pembroke Welsh Corgi der richtige Hund für Sie?
Der Corgi ist ein großer Hund im kleinen Format, der eine klare Führung und viel Auslastung braucht.
Ein Pembroke Welsh Corgi passt zu Ihnen, wenn:
- Sie einen aktiven, intelligenten Hund suchen, der gerne wandert oder Hundesport betreibt.
- Sie den Eigensinn und den Humor eines Treibhundes schätzen.
- Sie bereit sind, konsequent an seinem Hüte- und Bellverhalten zu arbeiten.
- Sie kein Problem mit enormen Mengen an Hundehaaren in der Wohnung haben.
Ein Pembroke Welsh Corgi passt nicht zu Ihnen, wenn:
- Sie einen ruhigen Schoßhund suchen, der nur kurze Spaziergänge braucht.
- Sie in einer Etagenwohnung ohne Aufzug leben (Treppensteigen ist Gift für seinen Rücken).
- Sie laute Hunde nicht mögen (er ist sehr gesprächig).
- Sie kleine, unberechenbare Kinder haben (sein Instinkt, in die Fersen zu zwicken, kann bei kleinen Kindern zu Problemen führen).
Wer den starken Charakter des Pembroke Welsh Corgi respektiert und ihn geistig wie körperlich auslastet, gewinnt einen treuen, furchtlosen und humorvollen Begleiter.
Ähnliche Rassen
Alaskan Klee Kai
Der Alaskan Klee Kai ist ein kleiner, energiegeladener Spitz, der aussieht wie ein Miniatur-Husky, a...
American Eskimo Dog
Der American Eskimo Dog ist eine aus deutschen Spitz-Hunden hervorgegangene nordische Rasse, die im ...
American Hairless Terrier
Der American Hairless Terrier ist die einzige in den USA entwickelte Nackthunderasse, die 1972 durch...