Pomeranian
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Pomeranian

Der Pomeranian (Zwergspitz) ist ein furchtloser, extrem flauschiger und hochintelligenter Zwerghund mit dem Selbstbewusstsein eines Riesen.

Herkunft
Deutschland / Polen
Größe
Small
Lebenserwartung
12-16 Jahre
Temperament
Wachsam, Lebhaft, Intelligent, Gesellig, Mutig

Der Pomeranian, in Deutschland offiziell als Zwergspitz bezeichnet, ist eine auffällige Erscheinung in der Hundewelt. Mit seinem dichten, abstehenden Doppelfell, dem fuchsähnlichen Gesicht und der buschigen, über den Rücken gerollten Rute ist er leicht zu erkennen.

Hinter der plüschigen Fassade verbirgt sich ein echter Spitz – ein Hund, der ursprünglich dazu gezüchtet wurde, Schlitten zu ziehen, Rentiere zu hüten und Haus und Hof zu bewachen. Der Pomeranian hat nichts von diesem Erbe vergessen, außer seiner Größe. Er ist aufmerksam, lernfähig und selbstbewusst. Für Menschen, die einen kleinen Hund mit ausgeprägtem Charakter und viel Zeit für die Fellpflege suchen, ist der “Pom” ein geeigneter Begleiter.

Geschichte und Herkunft: Vom Schlittenhund zum Schoßhund

Die Geschichte des Pomeranians ist eine Geschichte der Miniaturisierung. Er gehört zur großen Familie der Spitze (zu der auch der Samojede, der Akita oder der Wolfsspitz zählen), einer der ältesten Hundetypen der Welt.

Die Hunde aus Pommern

Der Name “Pomeranian” leitet sich von der historischen Region Pommern (heute aufgeteilt zwischen Deutschland und Polen) ab. Dort wurden die Vorfahren des heutigen Zwergspitzes, die damals noch deutlich größer waren und oft als Hüte- oder Wachhunde auf Booten eingesetzt wurden, im 18. und 19. Jahrhundert systematisch kleiner gezüchtet.

Diese frühen Spitze wogen oft noch 15 Kilogramm oder mehr. Sie erregten jedoch die Aufmerksamkeit des europäischen Adels, insbesondere in Großbritannien. Königin Charlotte, die Frau von König George III., brachte 1767 zwei dieser Hunde mit nach England, die als Vorläufer der Rasse gelten.

Königin Victoria und der Miniatur-Boom

Den eigentlichen Durchbruch (und die extreme Verzwergung) verdankt die Rasse jedoch Königin Victoria. Sie verliebte sich auf einer Reise nach Italien 1888 in einen besonders kleinen, roten Spitz namens “Marco”, der nur noch knapp über fünf Kilo wog. Sie brachte ihn mit nach England und begann, ihn intensiv zu züchten und auf Ausstellungen zu präsentieren. Ihr Einfluss war so gewaltig, dass die Größe des Pomeranians während ihrer Lebenszeit um die Hälfte schrumpfte. Heute wird der Zwergspitz (unter dem Dach der Deutschen Spitze in der FCI) in Deutschland maßgeblich durch den Verein für Deutsche Spitze e.V. im VDH betreut.

Physische Merkmale: Ein Quadrat aus Plüsch

Der Pomeranian ist extrem kompakt, quadratisch gebaut und wirkt durch sein Fell deutlich voluminöser, als er tatsächlich ist. Unter der Haarpracht verbirgt sich ein zarter, aber robuster Knochenbau.

  • Größe: Die ideale Schulterhöhe liegt laut FCI-Standard für den Zwergspitz bei zarten 20 cm (mit einer Toleranz von +/- 2 cm).
  • Gewicht: Ein gesundes Gewicht liegt meist zwischen 1,9 und 3,5 kg (wobei extrem winzige “Teacup”-Exemplare aus gesundheitlichen Gründen von seriösen Züchtern abgelehnt werden).

Die Explosion aus Fell

Das Fell ist das Markenzeichen der Rasse und erfordert erhebliche Pflege.

  • Beschaffenheit: Er besitzt ein üppiges Doppelfell. Das Deckhaar ist lang, gerade und steht (durch die stützende, extrem dichte, watteartige Unterwolle) deutlich vom Körper ab.
  • Der Kragen: Besonders markant ist der üppige, mähnenartige Kragen um Hals und Schultern, der ihn wie einen winzigen Löwen wirken lässt. Auch die Rückseite der Vorder- und Hinterbeine (“Hosen”) ist stark befranst.
  • Farben: Die Farbvielfalt ist gigantisch. Zwergspitze gibt es in Weiß, Schwarz, Braun, Orange (die klassische, fuchsrote Farbe), Graugewolkt (Keeshond-Färbung) oder in diversen Scheckungen und Parti-Colors.

Das fuchsige Gesicht

Der Kopf ist relativ klein, keilförmig und erinnert stark an einen Fuchs. Die dunklen, mandelförmigen Augen blicken extrem aufmerksam, keck und intelligent. Die kleinen, dreieckigen Stehohren sind nah beieinander platziert und fast unter dem dichten Fell des Kragens verborgen.

Temperament und Persönlichkeit: Der Herr im Haus

Das Leben mit einem Pomeranian ist nie langweilig. Er ist davon überzeugt, der größte und wichtigste Hund im Raum zu sein.

Der unbestechliche Wächter

Spitze wurden jahrhundertelang als Hofwächter gezüchtet. Der Pomeranian hat dieses Erbe in seinen Genen. Er hat ein exzellentes Gehör und meldet absolut jedes ungewohnte Geräusch – vom Postboten bis zum fallenden Blatt – mit einem schrillen, durchdringenden Bellen. Er ist furchtlos und stellt sich auch Hunden, die das Zehnfache seines Gewichts auf die Waage bringen, mutig entgegen. Dieses Bellen muss von Welpenbeinen an konsequent kontrolliert werden, sonst wird er zum unerträglichen Kläffer.

Intelligent, verspielt und loyal

Er bindet sich sehr eng an seine Menschen (oft besonders an eine Bezugsperson) und ist extrem verschmust. Gleichzeitig ist er hochintelligent, lernt blitzschnell und liebt es, kleine Kunststücke aufzuführen (die er oft nutzt, um Aufmerksamkeit zu ergattern). Er ist sehr lebhaft und spielt bis ins hohe Alter gerne. Fremden gegenüber ist er anfangs typischerweise zurückhaltend und misstrauisch.

Das “Napoleon-Syndrom”

Aufgrund seiner geringen Größe neigen Besitzer oft dazu, ihm alles durchgehen zu lassen. Ein Pomeranian, der keine Grenzen gesetzt bekommt, entwickelt schnell Größenwahn und versucht, den gesamten Haushalt (inklusive anderer Haustiere) zu dominieren.

Erziehung und Bewegungsbedarf

Bewegung: Ein Munterer kleiner Kerl

Obwohl er winzig ist, ist der Pomeranian kein Hund, der nur auf dem Arm getragen werden möchte.

  • Täglicher Bedarf: Er ist sehr lauffreudig und begleitet seine Besitzer gerne auf zügigen (wenn auch kürzeren) Spaziergängen von täglich etwa einer Stunde. Er eignet sich hervorragend für die reine Wohnungshaltung, solange er seine Runden draußen drehen darf.
  • Kopfarbeit: Intelligenzspielzeuge, das Erlernen von Tricks oder kleine Dogdance-Übungen im Wohnzimmer lasten seinen wachen Geist ideal aus.
  • Vorsicht bei Hitze: Sein massives Fell macht ihn sehr hitzeempfindlich. Im Sommer müssen Spaziergänge in die kühlen Morgen- oder Abendstunden verlegt werden.

Erziehung: Konsequenz ist alles

Die Erziehung ist entscheidend für ein harmonisches Zusammenleben.

  • Positive Verstärkung: Er ist schlau und reagiert hervorragend auf Training mit viel Lob und winzigen Leckerlis. Härte oder lautes Schimpfen zerstören das Vertrauen dieses sensiblen Hundes.
  • Frühe Sozialisierung: Da er von Natur aus misstrauisch gegenüber Fremden ist und zur Selbstüberschätzung gegenüber großen Hunden neigt, muss er als Welpe intensiv und positiv an verschiedene Umweltreize, Menschen und ruhige Artgenossen herangeführt werden.
  • Gefahren: Aufgrund seiner Zerbrechlichkeit darf er nicht unkontrolliert von Möbeln springen und ist in Haushalten mit ungestümen Kleinkindern oft gefährdet.

Gesundheit und Lebenserwartung

Der Pomeranian ist im Allgemeinen ein robuster kleiner Hund mit einer Lebenserwartung von 12 bis 16 Jahren (und manchmal älter).

Dennoch bringt die extreme Verzwergung spezifische gesundheitliche Risiken mit sich. Der Kauf bei einem seriösen VDH/FCI-Züchter ist essenziell. Zu den Erkrankungen gehören:

  • Patellaluxation (PL): Das Herausrutschen der Kniescheibe ist das häufigste Problem bei Kleinhunden.
  • Trachealkollaps: Ein Zusammenfallen der Luftröhre, das sich durch anfallsartigen, hupenden Husten äußert. Ein Pomeranian sollte immer an einem gut sitzenden Brustgeschirr und niemals an einem Halsband geführt werden, um den Hals nicht zu belasten.
  • Alopezie X (Black Skin Disease): Eine hormonell bedingte Erkrankung, die zu starkem Haarausfall am Rumpf und einer Schwarzfärbung der Haut führt (besonders bei rötlichen und orangefarbenen Hunden).
  • Zahnprobleme: Der winzige Kiefer bietet oft keinen Platz für alle Zähne. Zahnstein und vorzeitiger Zahnverlust sind extrem häufig. Tägliches Zähneputzen ist Pflicht.
  • Offene Fontanelle: Bei einigen extrem klein gezüchteten Welpen schließt sich die Schädeldecke nicht vollständig.

Pflege: Das Plüschprojekt

Wer sich für einen Pomeranian entscheidet, verbringt einen großen Teil seiner Freizeit mit der Fellpflege.

  • Tägliches bis wöchentliches Bürsten: Das feine Haar und die dichte Unterwolle neigen massiv zum Verfilzen. Ein gründliches, tiefes Bürsten (idealerweise alle zwei bis drei Tage) ist Pflicht. Das Fell darf dabei nie trocken gebürstet werden (immer ein Pflegespray verwenden), da die Haare sonst brechen.
  • Das Scheren (Warnung): Ein Pomeranian darf niemals bis auf die Haut geschoren werden (auch nicht im Sommer). Die Unterwolle wächst oft nicht mehr richtig nach, das Deckhaar verliert seine Struktur und der Hund verliert seinen natürlichen Schutz vor Hitze, Kälte und Sonnenbrand (Post-Clipping-Alopezie). Ein fachgerechter, leichter Konturenschnitt beim Hundefriseur ist jedoch empfehlenswert.
  • Zahn- und Augenpflege: Die Augen neigen zu Tränenfluss und müssen täglich gereinigt werden, um Verfärbungen im Gesicht zu vermeiden.

Ist ein Pomeranian der richtige Hund für Sie?

Der Pomeranian ist ein großer Charakter in einer winzigen Verpackung.

Ein Pomeranian passt zu Ihnen, wenn:

  • Sie einen extrem intelligenten, wachsamen und verschmusten Begleiter suchen.
  • Sie in einer Wohnung oder einem Haus leben (er benötigt keinen großen Garten).
  • Sie bereit sind, viel Zeit (und Geld für den Friseur) in die aufwendige Fellpflege zu investieren.
  • Sie konsequent genug sind, einem winzigen Hund Grenzen zu setzen (besonders bezüglich des Bellens).

Ein Pomeranian passt nicht zu Ihnen, wenn:

  • Sie einen Hund suchen, der völlig geräuschlos ist (er ist ein genetisch programmierter Wächter).
  • Sie kleine, grobe Kinder im Haushalt haben (der Zwergspitz ist körperlich zu zerbrechlich für ungeschicktes Spielen).
  • Sie keine Lust auf ständiges Bürsten und Hundehaare auf der Kleidung haben.
  • Sie extrem lange arbeiten und der Hund stundenlang alleine wäre (er ist extrem menschenbezogen).

Wer den Zwergspitz als den selbstbewussten, mutigen kleinen Hund respektiert, der er ist, gewinnt einen treuen, lebhaften und charmanten Begleiter.

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