West Highland White Terrier
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West Highland White Terrier

Der West Highland White Terrier (Westie) ist ein robuster, furchtloser und extrem fröhlicher schottischer Erdhund mit einem strahlend weißen, harten Fell.

Herkunft
Großbritannien
Größe
Small
Lebenserwartung
13-15 Jahre
Temperament
Wachsam, Mutig, Unabhängig, Fröhlich, Loyal

Der West Highland White Terrier, weltweit als Westie bekannt, fällt durch sein weißes, wuscheliges Doppelfell, die dunklen Augen unter buschigen Brauen und die aufrecht getragene Rute auf. Sein Erscheinungsbild wurde in der Werbung vielfach verwendet.

Hinter dieser auffälligen Optik steckt kein Schoßhündchen, sondern ein robuster schottischer Erdhund, der gezüchtet wurde, um Füchsen und Dachsen in die Bauten der Highlands zu folgen. Der Westie ist furchtlos, selbstbewusst und ausdauernd. Für Menschen, die einen kleinen Hund mit ausgeprägtem Charakter und Terrier-Sturheit suchen, ist er ein zuverlässiger Begleiter.

Geschichte und Herkunft: Der weiße Jäger der Highlands

Die Geschichte des West Highland White Terriers ist eng mit der des Cairn Terriers und des Scottish Terriers verwoben. Alle diese Rassen stammen von den alten schottischen Jagdterriern ab.

Die Tarnfarbe als Todesurteil

Ursprünglich waren die Terrier in den schottischen Highlands dunkel oder bräunlich (wie der Cairn Terrier), um in der rauen Landschaft aus Heidekraut und Felsen nicht aufzufallen. Dies hatte jedoch bei der Jagd einen fatalen Nachteil: Wenn der Terrier aus dem Fuchsbau schoss oder sich im dichten Gestrüpp mit der Beute raufte, wurde er von den Jägern oft für einen Fuchs gehalten und versehentlich erschossen.

Die Legende besagt, dass Colonel Edward Donald Malcolm of Poltalloch (ein passionierter Jäger im 19. Jahrhundert) auf einer Jagd versehentlich seinen besten, rötlich-braunen Terrier erschoss, weil er ihn für einen Fuchs hielt. Tief erschüttert von diesem Verlust beschloss er, ab sofort nur noch reinweiße Hunde für die Jagd zu züchten, da diese vor dem dunklen Hintergrund der Highlands (oder im Erdbau) sofort als Hunde zu erkennen waren.

Die Entstehung des Westies

Er begann, systematisch die (früher oft als Fehlfarbe aussortierten) weißen Welpen aus den Würfen der Cairn- und Scottish-Terrier zu selektieren und weiterzuzüchten. Diese weißen Hunde erwiesen sich als genauso mutig, zäh und raubzeugscharf wie ihre dunklen Verwandten. Die Rasse, die anfangs noch Poltalloch Terrier oder Roseneath Terrier hieß, wurde 1904 vom Kennel Club offiziell als West Highland White Terrier anerkannt. Heute ist er einer der beliebtesten Terrier weltweit und wird in Deutschland unter anderem durch den Klub für Terrier e.V. (KfT) im VDH betreut.

Physische Merkmale: Kompakt und schneeweiß

Der Westie ist ein kleiner, aber sehr stämmiger, muskulöser und kraftvoller Hund mit einem tiefen Brustkorb und geradem Rücken.

  • Größe: Die Schulterhöhe liegt idealerweise bei etwa 28 cm.
  • Gewicht: Ein gesunder, kompakter Westie wiegt zwischen 7 und 10 kg. Er darf niemals zerbrechlich oder zierlich wirken.

Das markante Gesicht (“Chrysanthemen-Kopf”)

Der Kopf des Westies wird durch eine spezielle Trimm-Technik (oft als Chrysanthemen-Kopf bezeichnet) kreisrund geformt, was sein Gesicht so unverwechselbar süß macht.

  • Die Augen: Unter den buschigen, weißen Brauen blicken mittelgroße, extrem dunkle (fast schwarze) Augen hervor. Sie strahlen eine durchdringende Intelligenz, Keckheit und enorme Wachsamkeit aus.
  • Die Ohren: Klein, spitz zulaufend, fest aufgerichtet und hoch am Kopf angesetzt (sie dürfen niemals hängen oder abgerundet sein).
  • Die Rute: Die 13 bis 15 cm lange Rute ist dick, gerade und wird stolz aufrecht getragen. Sie wurde nie kupiert, da sie dem Jäger früher als “Griff” diente, um den Hund aus dem Fuchsbau zu ziehen.

Das harte Doppelfell

Das Fell des Westies ist sein wichtigster Schutzpanzer.

  • Beschaffenheit: Er besitzt ein gerades, hartes, drahtiges Deckhaar (etwa 5 cm lang) und eine sehr dichte, kurze, weiche Unterwolle. Das harte Deckhaar schützt ihn vor Dornen, Zähnen und Nässe, die Unterwolle isoliert gegen Kälte.
  • Farbe: Reines Weiß ist zwingend vorgeschrieben. Ein leichter gelblicher Schimmer (besonders auf dem Rücken) kommt vor, wird aber auf Ausstellungen nicht gerne gesehen. Die dunkle Pigmentierung an Nase, Lippen, Krallen und den Fußballen bildet einen extremen (und erwünschten) Kontrast zum weißen Fell.

Temperament und Persönlichkeit: Ein großes Ego im kleinen Körper

Der Westie ist durch und durch ein Terrier. Er leidet nicht an mangelndem Selbstbewusstsein. Er ist der festen Überzeugung, dass er ein großer Hund ist, und verhält sich dementsprechend.

Fröhlich, albern und loyal

Im Kreise seiner Familie ist der Westie ein fröhlicher, extrem verspielter Clown. Er liebt es, im Mittelpunkt zu stehen, und bindet sich tief an seine Menschen. Er kuschelt gerne, ist aber (wie viele Terrier) kein distanzloser “Klettverschluss-Hund”. Er genießt die Nähe, entscheidet aber oft selbst, wann er genug geschmust hat, und legt sich dann auf seinen eigenen Platz.

Wachsamkeit und Furchtlosigkeit

Er ist ein hervorragender, unbestechlicher Wachhund. Er hat ein exzellentes Gehör und meldet Besucher oder ungewohnte Geräusche mit einem hellen, durchdringenden Bellen. Er ist völlig furchtlos und stellt sich (wenn er sich provoziert fühlt) auch Hunden entgegen, die das Dreifache seines Gewichts auf die Waage bringen. Diese Selbstüberschätzung kann gefährlich werden und erfordert vorausschauendes Handeln des Besitzers.

Der angeborene Jagdtrieb

Man darf nie vergessen: Der Westie wurde gezüchtet, um Wildtiere zu jagen und zu töten. Dieser Instinkt (Raubzeugschärfe) ist tief in ihm verwurzelt. Alles, was klein ist und schnell wegrennt (Katzen, Eichhörnchen, Mäuse), wird als Beute betrachtet. Das Zusammenleben mit Kleintieren (wie Meerschweinchen) ist im selben Haushalt fast unmöglich; mit Katzen klappt es oft nur, wenn der Westie von klein auf strikt an sie gewöhnt wurde.

Erziehung und Bewegungsbedarf

Bewegung: Ein ausdauernder Begleiter

Lassen Sie sich von den kurzen Beinen nicht täuschen: Der Westie ist ein Ausdauerathlet.

  • Täglicher Bedarf: Ein kurzer Spaziergang reicht ihm nicht. Er benötigt täglich 1 bis 1,5 Stunden zügige Bewegung, Spiel und die Möglichkeit, ausgiebig zu schnüffeln. Er begleitet seine Menschen problemlos auf stundenlangen Wanderungen.
  • Hundesport: Im Agility (Hindernisparcours), beim Dummy-Training oder beim Trick-Dogging ist er mit Feuereifer dabei.
  • Buddeltrieb: Er ist ein Erdhund. Wenn er im Garten eine Maus wittert, wird er in wenigen Minuten Ihren perfekten Rasen in eine Kraterlandschaft verwandeln.

Erziehung: Konsequenz schlägt Sturheit

Die Erziehung eines Westies erfordert Geduld, Konsequenz und sehr viel Humor.

  • Terrier-Dickkopf: Er ist hochintelligent und lernt Kommandos extrem schnell. Er entscheidet jedoch oft situativ, ob er gerade Lust hat, sie auszuführen. Eine inkonsequente Erziehung wird gnadenlos ausgenutzt, und der Westie übernimmt im Haushalt schnell das Kommando.
  • Positive Motivation: Härte, lautes Anschreien oder Zwang führen bei diesem stolzen Hund nur zu totaler Verweigerung oder Gegenwehr. Er lernt hervorragend durch positive Bestärkung (Lob, Spiel, Leckerlis).
  • Sozialisierung: Da er gegenüber anderen Hunden oft dominant und “kernig” auftritt, ist eine frühe, sehr gut geleitete Sozialisierung mit anderen (insbesondere gleichgeschlechtlichen) Hunden absolut essenziell, um ihn zu einem verträglichen Begleiter zu machen.

Gesundheit und Lebenserwartung

Der West Highland White Terrier ist im Allgemeinen ein robuster und langlebiger Hund mit einer Lebenserwartung von 13 bis 15 Jahren.

Leider hat seine extreme Beliebtheit (als Modehund in den 90er Jahren) durch unkontrollierte Vermehrung zu einigen spezifischen gesundheitlichen Problemen geführt. Ein Kauf bei einem seriösen VDH/FCI-Züchter ist zwingend erforderlich:

  • Allergien und Hauterkrankungen: Dies ist das größte und bekannteste Problem der Rasse (oft atopische Dermatitis oder Malassezien-Dermatitis). Westies neigen extrem zu Juckreiz, extremem Kratzen und Haarausfall durch Futtermittel-, Floh- oder Umweltallergien. Die “Westie-Krankheit” (Epidermale Dysplasie) führt zu Verdickung und Schwarzfärbung der Haut.
  • Craniomandibuläre Osteopathie (CMO): Eine oft sehr schmerzhafte Knochenerkrankung des Kiefers (der “Westie-Kiefer”), die meist im ersten Lebensjahr auftritt und das Kauen massiv behindert.
  • Kupferspeicherkrankheit: Eine schwere Lebererkrankung.
  • Patellaluxation (PL): Das Herausrutschen der Kniescheibe (typisch für Kleinhunde).
  • Legg-Calvé-Perthes-Krankheit: Eine schmerzhafte Erkrankung des Hüftgelenks bei Junghunden.
  • Zahnprobleme: Wie bei vielen kleinen Terrier-Rassen muss auf Zahnstein geachtet werden. Tägliches Zähneputzen ist empfehlenswert.

Pflege: Das Geheimnis des harten Fells

Die Pflege eines Westies ist aufwendig und erfordert professionelles Wissen.

  • Das Trimmen (Hand-Stripping): Um die harte, wetterfeste Struktur des Fells und das strahlende Weiß zu erhalten, muss der Westie alle 8 bis 12 Wochen professionell von Hand getrimmt (gezupft) werden. Dabei wird das abgestorbene Deckhaar entfernt, um Platz für neues Haar zu machen.
  • Niemals Scheren: Wird der Westie (aus Bequemlichkeit) mit der Schermaschine geschoren, bleibt das tote Haar in der Wurzel. Das Fell verliert sofort seine Härte, wird weich, lockig, schmutzempfindlich und verfärbt sich oft gelblich. Zudem begünstigt Scheren Hautprobleme massiv. Ein geschorener Westie verliert zudem völlig sein typisches rassespezifisches Aussehen.
  • Bürsten: Ein- bis zweimal wöchentliches, gründliches Bürsten (besonders des dichten Unterhaars) ist notwendig, um Verfilzungen vorzubeugen. Der Westie haart jedoch bei fachgerechtem Trimmen extrem wenig.
  • Baden: Nur wenn er sich in Übelriechendem gewälzt hat. Zu häufiges Baden trocknet die oft empfindliche Terrier-Haut stark aus. Nach Matsch-Spaziergängen reicht es meist, ihn trocknen zu lassen und den Dreck einfach auszubürsten.

Ist ein West Highland White Terrier der richtige Hund für Sie?

Der Westie ist ein charmanter, aber charakterstarker Hund für Menschen, die das Wesen eines Terriers zu schätzen wissen.

Ein Westie passt zu Ihnen, wenn:

  • Sie einen kompakten, extrem robusten und fröhlichen Hund mit einem großen Ego suchen.
  • Sie gerne wandern oder spazieren gehen und den Hund täglich körperlich fordern.
  • Sie bereit sind, die Kosten und die Zeit für das regelmäßige professionelle Trimmen (alle 2-3 Monate) beim Hundefriseur aufzubringen.
  • Sie Konsequenz in der Erziehung besitzen und es mit Humor nehmen, wenn der Hund einen eigenen Willen zeigt.
  • Sie einen aufmerksamen, furchtlosen Wachhund im Kleinformat schätzen.

Ein Westie passt nicht zu Ihnen, wenn:

  • Sie einen devoten “Will-to-please”-Hund suchen, der blinden Gehorsam zeigt.
  • Sie kleine Haustiere (Kaninchen, Hamster) besitzen oder keine Lust haben, den massiven Jagdtrieb zu kontrollieren.
  • Sie einen reinen, extrem pflegeleichten Schoßhund suchen.
  • Sie sich in einer hellhörigen Wohnung schnell an lautem Bellen (Melden) stören oder Ihre Nachbarn sehr empfindlich sind.
  • Sie einen makellosen englischen Rasen pflegen (Westies graben oft und gerne tief).

Wer den Westie als den robusten, selbstbewussten Terrier respektiert und führt, der er ist, gewinnt einen loyalen, humorvollen und furchtlosen Begleiter.

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