Airedale Terrier
Als „König der Terrier“ gilt der Airedale Terrier als größte aller Terrierrassen, ein mutiger, athletischer und intelligenter Hund, der Größe mit viel Temperament verbindet.
Der Airedale Terrier ist die größte aller Terrierrassen und trägt daher völlig zu Recht den stolzen Titel „König der Terrier”. Er überragt seine Cousins bei Weitem – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Mit seinem drahtigen Fell, den langen, geraden Beinen und seinem selbstbewussten Gang ist er der Inbegriff athletischer Eleganz.
Doch der Airedale ist weit mehr als nur ein schönes Gesicht. Er ist ein bemerkenswert vielseitiger Arbeitshund. Ursprünglich gezüchtet, um in den rauen Flüssen Yorkshires auf Otterjagd zu gehen, hat er im Laufe seiner Geschichte fast jede erdenkliche Aufgabe gemeistert: Er diente als furchtloser Polizeihund, als unermüdlicher Meldehund in Kriegszeiten, als Blindenführhund und natürlich als geliebter Familienhund. Er ist hochintelligent, humorvoll und steckt voller Charakter. Dennoch darf man nie vergessen: Er ist durch und durch ein Terrier – unerschrocken, manchmal etwas stur und stets bereit für eine neue Herausforderung.
Geschichte und Herkunft: Der Waterside Terrier
Der Airedale stammt aus dem Aire Valley (Tal des Flusses Aire) in Yorkshire, England. Mitte des 19. Jahrhunderts wünschten sich die hart arbeitenden Männer der Arbeiterklasse einen robusten Hund, der sowohl fähig war, Otter in den Flüssen zu jagen, als auch Ratten und Raubzeug an Land zu erlegen. Sie brauchten einen Hund, der die Hartnäckigkeit und den Schneid eines Terriers besaß, kombiniert mit den hervorragenden Schwimmkünsten und der feinen Nase eines Laufhundes.
Um diesen Universalhund zu erschaffen, kreuzten sie den heute leider ausgestorbenen Old English Black and Tan Terrier mit dem rauen, wasserliebenden Otterhund. Das Ergebnis war ein großer, rauhaariger Hund, der zunächst als Waterside Terrier oder Bingley Terrier bekannt wurde. Diese Hunde waren zäh, intelligent und bei der Jagd unerbittlich.
Die Rasse wurde im Laufe der Jahre weiter verfeinert und schließlich 1878 offiziell in Airedale Terrier umbenannt. Ihre enorme Vielseitigkeit erregten schnell die Aufmerksamkeit des Militärs. Während des Ersten Weltkriegs dienten Airedales als Meldehunde, Wachhunde und Sanitätshunde des Roten Kreuzes. Eine besonders berühmte Geschichte handelt von einem Airedale namens Jack, der trotz schwerster Verwundungen durch feindliches Feuer lief, um eine wichtige Nachricht zu überbringen, die letztlich sein gesamtes Bataillon rettete. Er starb kurz nach Erfüllung seiner Mission und wurde posthum geehrt.
In Amerika machten der Mut und die Loyalität des Airedales ihn sogar zum Favoriten der Präsidenten. Theodore Roosevelt, Calvin Coolidge und Warren Harding besaßen alle Airedale Terrier.
Physische Merkmale
Der Airedale ist ein großer, robuster Terrier mit einem quadratischen, harmonisch ausbalancierten Körperbau.
- Höhe: Rüden ca. 58 cm; Hündinnen etwas kleiner.
- Gewicht: 23–32 kg.
Markante Eigenschaften
- Kopf: Lang und flach, mit nur einem sehr leichten Stopp. Die Ohren sind V-förmig und klappen seitlich nach vorne.
- Augen: Eher klein, dunkel und voller wachem Terrier-Feuer.
- Fell: Dicht, drahtig und hart. Es liegt eng am Körper an und bietet hervorragenden Schutz. Die Unterwolle ist weicher und kürzer.
- Farbe: Typisches Schwarz und Loh. Der Sattel (Rücken und obere Flanken) ist schwarz oder gräulich, während der Rest des Hundes eine satte lohfarbene Färbung aufweist.
- Rute: Hoch angesetzt und fröhlich getragen. Traditionell wurde sie kupiert, was in vielen Ländern mittlerweile verboten ist.
Temperament und Persönlichkeit: Ein mitdenkender Hund
Der Airedale Terrier ist kein Hund für jedermann. Er ist sehr schlau, denkt unabhängig und neigt gelegentlich dazu, dominant zu sein, wenn man ihm keine klare Führung bietet.
Der Komiker
Airedales haben einen ausgeprägten Sinn für Humor. Sie sind verspielt und oft schelmisch. Wenn sie merken, dass Sie über eine ihrer Aktionen lachen, werden sie dieses Verhalten endlos wiederholen. Sie sind im Allgemeinen hervorragend im Umgang mit Kindern, sofern diese robust genug sind, um mit der oft stürmischen Spielweise des Terriers umzugehen.
Der Beschützer
Sie sind furchtlos. Während sie Menschen gegenüber in der Regel freundlich und aufgeschlossen sind, werden sie vor einer echten Bedrohung niemals zurückweichen. Sie geben ausgezeichnete Wachhunde ab und würden ihre Familie im Ernstfall mit großem Engagement verteidigen.
Der Dominante
Gegenüber anderen Hunden, insbesondere des gleichen Geschlechts, können sie recht dominant auftreten. Eine frühe, positive und konsequente Sozialisierung ist entscheidend, um spätere Aggressionen oder Raufereien zu vermeiden. Da sie einen hohen Beutetrieb haben, neigen sie zudem dazu, Katzen oder kleinere Tiere zu jagen, wenn sie nicht von klein auf daran gewöhnt wurden.
Training und Bewegungsbedarf
Bewegung
Der Airedale ist ein durch und durch aktiver und sportlicher Hund.
- Täglich: Ein langer, zügiger Spaziergang, eine Joggingrunde oder ein intensives Apportierspiel sind Pflicht. Ein müder Airedale ist ein braver Airedale. Wenn sie nicht ausgelastet sind, suchen sie sich eigene, meist unerwünschte Beschäftigungen.
- Hundesport: Sie brillieren in verschiedensten Sportarten wie Agility, Obedience und aufgrund ihres Mutes sogar im Schutzhundesport. Sie brauchen schlichtweg einen Job, um glücklich zu sein.
Training
Die Ausbildung eines Airedales erfordert viel Geduld, Kreativität und eine große Portion Humor.
- Intelligenz: Sie lernen rasend schnell, langweilen sich aber ebenso schnell. Stupide Wiederholungen derselben Übung bringen sie dazu, auf stur zu schalten. Halten Sie die Trainingseinheiten daher kurz, spannend, abwechslungsreich und positiv.
- Sturheit: Wenn sie den Sinn einer Übung nicht erkennen, machen sie oft einfach nicht mit. Sie müssen ein ruhiger, fairer, aber konsequenter Führer sein, sonst tanzt Ihnen der Terrier sprichwörtlich auf der Nase herum.
- Buddeln: Vergessen Sie nie: Sie sind Terrier. Sie lieben es, zu graben. Richten Sie ihnen am besten einen speziellen Platz im Garten ein, an dem Buddeln erlaubt ist, oder machen Sie sich darauf gefasst, Ihre Blumenbeete zu verlieren.
Gesundheit und Lebenserwartung
Airedales sind im Allgemeinen sehr robuste und widerstandsfähige Hunde mit einer Lebenserwartung von 11 bis 13 Jahren. Dennoch gibt es einige rassetypische Erkrankungen, auf die man achten sollte:
- Hüftgelenksdysplasie (HD): Wie bei vielen großen Hunderassen sind sie anfällig für Probleme mit den Hüftgelenken. Seriöse Züchter untersuchen ihre Elterntiere vor dem Zuchteinsatz.
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Kann zu unerklärlicher Gewichtszunahme, Lethargie und Hautproblemen führen, ist aber medikamentös meist gut behandelbar.
- Magendrehung (GDV): Als Hunde mit einem tiefen Brustkorb gehören sie zu den Rassen mit erhöhtem Risiko. Dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
- Allergien: Hautallergien kommen relativ häufig vor und können sowohl durch Umweltfaktoren als auch durch bestimmte Bestandteile im Futter ausgelöst werden.
- Krebs: Leider ist Krebs eine der häufigsten Todesursachen bei älteren Airedale Terriern. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen sind daher wichtig.
Pflege und Haltung
Das drahtige Fell des Airedales haart im Vergleich zu vielen anderen Rassen relativ wenig, erfordert jedoch eine spezielle Pflege.
- Handtrimmen (Stripping): Um die harsche, drahtige Struktur und die intensive Farbe des Ausstellungsmantels zu erhalten, muss das abgestorbene Haar mehrmals im Jahr fachgerecht von Hand gezupft werden. Dies ist sehr arbeits- und zeitintensiv.
- Scheren: Die meisten reinen Haustierbesitzer entscheiden sich der Einfachheit halber dafür, das Fell scheren zu lassen. Das Scheren macht das Fell zwar weicher und in der Farbe etwas blasser, ist aber im Alltag deutlich pflegeleichter.
- Bürsten: Wöchentliches, gründliches Bürsten hilft, das Fell sauber zu halten und Verfilzungen vorzubeugen.
- Bartpflege: Der markante Bart wird beim Fressen oder Trinken unweigerlich nass und schmutzig. Wischen Sie ihn regelmäßig ab, um Gerüche und Verkrustungen zu vermeiden.
Ernährung
Airedales haben in der Regel einen sehr gesunden Appetit.
- Qualität: Füttern Sie ein hochwertiges, gut verdauliches Futter, das ihrem Alter, ihrer Größe und ihrem hohen Aktivitätslevel entspricht.
- Magendrehungs-Prävention: Um das Risiko einer Magendrehung zu minimieren, teilen Sie die Tagesration auf zwei bis drei kleinere Mahlzeiten auf. Vermeiden Sie wilde Spiele und anstrengende Bewegung direkt nach dem Fressen.
Passt ein Airedale Terrier zu Ihnen?
Der Airedale ist ein faszinierender und großartiger Hund, aber er fordert seine Besitzer in vielerlei Hinsicht. Ein „bisschen Hund” ist er definitiv nicht.
Ja, er passt zu Ihnen, wenn:
- Sie eine sehr aktive Person sind, die einen sportlichen Begleiter fürs Joggen, Wandern oder Radfahren sucht.
- Sie über eine gute Portion Humor und viel Geduld verfügen.
- Sie einen hochintelligenten Hund schätzen, der auch mal für sich selbst denken kann.
- Sie einen sicher eingezäunten Garten haben.
Nein, er ist eher nichts für Sie, wenn:
- Sie einen Hund erwarten, der jeden Befehl sofort und ohne zu hinterfragen ausführt.
- Sie sich nicht zutrauen, mit einem starken, manchmal sehr sturen Hund umzugehen.
- Sie kleine, freilaufende Haustiere wie Hamster, Kaninchen oder Meerschweinchen besitzen.
- Sie viel Wert auf einen makellosen Rasen legen.
Für den erfahrenen, konsequenten Hundehalter, der Intelligenz, Mut und eine ordentliche Prise terrierhaften Schalks zu schätzen weiß, ist der Airedale Terrier ein geeigneter Partner.
Ähnliche Rassen
Akita
Mit seinem massiven Kopf, der gerollten Rute und seiner stillen Stärke ist der Akita ein loyaler, wü...
Alaskan Malamute
Der Alaskan Malamute ist ein gewaltiger, kraftvoller Schlittenhund der Arktis, der für seine immense...
American Bulldog
Der American Bulldog ist ein kräftiger, athletischer Arbeitshund, der aus den Südstaaten der USA sta...