Boerboel
Der Boerboel ist ein massiver, unerschrockener südafrikanischer Mastiff, der als Beschützer von Haus und Hof gezüchtet wurde. Er ist loyal, agil und seiner Familie tief ergeben.
Der Boerboel (ausgesprochen Burbul) bedeutet auf Afrikaans “Bauernhund” (Boer = Bauer, Boel = Hund). Doch dies ist kein Hund, der Schafe hütet oder Rinder zusammentreibt; dies ist ein Hund, der den Hof vor einigen der furchterregendsten Raubtiere des Planeten beschützt, darunter Löwen, Leoparden, Hyänen und Paviane.
Er ist eine massive, blockartige Mastiff-Rasse, die in Südafrika entwickelt wurde, um die letzte Verteidigungslinie für abgelegene Farmen und Familien zu sein. Er ist nicht grundlos aggressiv, aber völlig furchtlos. Wenn er eine echte Bedrohung für seine Familie wahrnimmt, wird er sich allem stellen, was Natur oder Mensch ihm entgegensetzen. Zu Hause ist er jedoch als sanfter Riese bekannt, der Kinder liebt und ein integraler Bestandteil jeder Familienaktivität sein möchte. Er ist ruhig, stabil und denen, die er als sein Rudel betrachtet, zutiefst ergeben.
Geschichte und Herkunft: Der afrikanische Wächter
Die Geschichte des Boerboel ist eine Geschichte des Überlebens in einer der rauesten Umgebungen der Welt.
- Niederländische Wurzeln: Die Geschichte beginnt Mitte des 17. Jahrhunderts, als Jan van Riebeeck und andere niederländische Siedler (Buren) in Südafrika ankamen. Sie brachten große “Bullenbijter” (Bullenbeißer) zum Schutz mit.
- Der afrikanische Schmelztiegel: Über Jahrhunderte hinweg wurden diese europäischen Hunde mit einheimischen afrikanischen Hunden und anderen europäischen Rassen gekreuzt, die von späteren Siedlern mitgebracht wurden, darunter Bulldogs, Bullmastiffs und sogar Vorstehhunde. Die raue südafrikanische Umgebung wirkte als unerbittlicher natürlicher Selektionsfilter. Nur die stärksten, klügsten und widerstandsfähigsten Hunde überlebten die extreme Hitze, Krankheiten und Raubtiere des Busches.
- Arbeitserbe: Jahrhundertelang war der Boerboel ein arbeitender Farmhund, kein Statussymbol oder Ausstellungshund. Ein Bauer brauchte einen Hund, der nachmittags mit seinen Kleinkindern spielen und mitten in der Nacht einen Leoparden abwehren konnte. Diese Dualität ist bis heute das Markenzeichen des Temperaments der Rasse.
- Standardisierung: Erst in den 1980er Jahren begannen Rasseliebhaber in Südafrika, den Boerboel zu formalisieren und zu standardisieren. Die Rasse wurde schließlich 2015 vom AKC anerkannt.
Physische Merkmale: Kraft und Agilität
Der Boerboel ist ein riesiger, blockartiger Hund mit wogenden Muskeln und einem breiten Stand. Im Gegensatz zu vielen anderen Mastiff-Rassen, die schwerfällig sein können, ist der Boerboel überraschend agil – das muss er auch sein, um eine Begegnung mit einer Großkatze zu überleben.
- Größe: Rüden 61-69 cm (24-27 Zoll); Hündinnen 56-64 cm (22-25 Zoll).
- Gewicht: 68-90+ kg (150-200+ Pfund).
Markante Eigenschaften
- Der Kopf: Das bestimmende Merkmal der Rasse. Er ist breit, blockartig und tief bemuskelt. Die Kiefer sind außergewöhnlich stark, ausgelegt für einen kräftigen Griff.
- Der Körper: Kompakt und quadratisch. Die Brust ist tief und breit, was ihm von vorne ein massives Aussehen verleiht. Seine Muskulatur sollte durch das kurze Fell sichtbar sein, was auf einen Hund in bester sportlicher Verfassung schließen lässt.
- Das Fell: Kurz, dicht und glatt mit leichtem Glanz. Es hilft ihm, in der afrikanischen Sonne kühl zu bleiben.
- Die Farben: Creme, Rotbraun, Braun und Gestromt sind am häufigsten. Eine schwarze Maske (dunkle Pigmentierung an der Schnauze und um die Augen) wird bevorzugt und hoch geschätzt.
- Haut: Dick und lose (bietet Schutz im Kampf), aber nicht übermäßig wie bei einem Neapolitanischen Mastiff.
- Die Rute: In Südafrika traditionell kupiert, aber natürliche, dicke und kräftige Ruten werden weltweit immer häufiger.
Temperament und Persönlichkeit: Der sanfte Wächter
Trotz seiner einschüchternden Größe und Geschichte ist der Boerboel für sein stabiles und vorhersehbares Temperament bekannt.
Hingabe an die Familie
Er ist außergewöhnlich liebevoll und anhänglich gegenüber seiner Familie, oft besonders sanft zu Kindern. Er möchte Teil der Familie sein und gedeiht nicht, wenn er isoliert in einem Zwinger oder im Hinterhof gehalten wird. Er muss in das tägliche Leben integriert werden.
Der Beschützer
Sein Schutzinstinkt ist tief verwurzelt. Er ist territorial und wird sein Grundstück und seine Menschen verteidigen. Er ist in der Regel nicht sofort aggressiv gegenüber Fremden, wird sich aber schützend zwischen seine Familie und eine wahrgenommene Bedrohung stellen. Fremde müssen von der Familie vorgestellt und akzeptiert werden.
Intelligenz
Der Boerboel ist ein sehr intelligenter Hund. Er wurde gezüchtet, um Situationen unabhängig einzuschätzen. Das bedeutet, er kann schnell lernen, kann aber auch stur sein, wenn er keinen Sinn in einem Kommando sieht.
Training und Bewegungsbedarf
Training: Keine Option, sondern eine Pflicht
Der Besitz eines Boerboel ist eine enorme Verantwortung. Ein Hund dieser Größe und Kraft muss gut trainiert und sozialisiert sein.
- Frühe Sozialisation: Absolut kritisch. Welpen müssen ab einem sehr jungen Alter positiv einer Vielzahl von Menschen, Orten, Geräuschen und anderen Tieren ausgesetzt werden. Dies verhindert, dass ihr natürlicher Schutzinstinkt zu Angst oder Aggression wird.
- Konsequenz: Das Training muss fest, fair und absolut konsequent sein. Positive Verstärkung funktioniert am besten. Physische Dominanztechniken werden nach hinten losgehen und können den Hund gefährlich machen.
- Erfahrene Besitzer: Dies ist keine Rasse für Hundeanfänger. Sie benötigen einen selbstbewussten Führer, der ihre natürlichen Instinkte versteht.
Bewegung
Obwohl sie ruhig im Haus sind, benötigen Boerboels regelmäßige Bewegung, um fit zu bleiben und Langeweile zu vermeiden.
- Täglich: Ein langer, zügiger Spaziergang oder eine Spielstunde in einem sicher eingezäunten Bereich.
- Mentale Stimulation: Sie brauchen einen Job. Gehorsamkeitstraining, Schutzhundesport oder Gewichtziehen können hervorragende Möglichkeiten sein, um Körper und Geist auszulasten.
Gesundheit und Lebenserwartung
Der Boerboel ist im Allgemeinen eine robuste Rasse, aber seine Größe bringt gewisse gesundheitliche Bedenken mit sich. Die Lebenserwartung beträgt 9 bis 11 Jahre.
- Gelenkprobleme: Hüftdysplasie und Ellbogendysplasie kommen vor. Es ist wichtig, Hunde aus Gesundheitsgetesteten Linien zu kaufen und Welpen auf einem gesunden Gewicht zu halten.
- Magendrehung (GDV): Wie viele tiefbrüstige Hunde sind sie anfällig für diese lebensbedrohliche Erkrankung.
- Herzkrankheiten: Einige Linien können anfällig für Herzerkrankungen sein.
- Augenprobleme: Ektropium und Entropium (nach außen oder innen gerollte Augenlider) können auftreten.
Pflege
Das kurze Fell ist pflegeleicht.
- Bürsten: Wöchentliches Bürsten mit einem Pflegehandschuh oder einer weichen Bürste hält das Fell gesund und minimiert das Haaren.
- Baden: Nur wenn nötig.
- Pflege: Regelmäßiges Krallenschneiden, Ohrenreinigung und Zähneputzen sind unerlässlich. Es ist wichtig, diese Routinen schon im Welpenalter zu beginnen, da es sehr schwierig ist, mit einem 90 kg schweren Hund zu ringen, der seine Krallen nicht geschnitten haben möchte.
Ist ein Boerboel das Richtige für Sie?
Der Boerboel ist ein prächtiger Hund, erfordert aber einen engagierten und erfahrenen Besitzer.
Ja, wenn:
- Sie Erfahrung mit großen, schützenden Rassen haben.
- Sie Zeit und Hingabe für umfangreiche Sozialisation und Training haben.
- Sie einen extrem loyalen Familienwächter wünschen.
- Sie Platz und einen sicher eingezäunten Hof haben.
Nein, wenn:
- Sie ein Hundeanfänger sind.
- Sie einen Hund suchen, der jeden fremden Menschen oder Hund freudig begrüßt.
- Sie wenig Zeit für konsequentes Training haben.
- Sie in einer Wohnung oder bei beengten Platzverhältnissen leben.
Für die richtige Familie ist der Boerboel ein verlässlicher Beschützer und ein ruhiger, sanfter Begleiter.
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