Irish Wolfhound
Der Irish Wolfhound ist die höchste Hunderasse der Welt und entstammt irischer Geschichte als Wolf- und Jagdhund. Die Rasse wurde im 19. Jahrhundert durch Captain George Graham aus wenigen verbliebenen Exemplaren wiederbelebt und ist für ihr ruhiges, geduldiges Wesen bekannt.
Der Irish Wolfhound (Irischer Wolfshund) ist einer der größten und höchsten Hunde der Welt. Ein ausgewachsener Rüde, der sich auf die Hinterbeine stellt, überragt die meisten erwachsenen Menschen. Das alte irische Sprichwort fasst sein Wesen zusammen: “Gentle when stroked, fierce when provoked”. Der moderne Irish Wolfhound gilt als ruhig und sanftmütig. Er ist kein Hund für kleine Wohnungen und erfordert erheblichen Platzbedarf sowie entsprechend höhere Haltungskosten.
Geschichte und Herkunft: Die Legenden der Kelten
Die Geschichte des Irish Wolfhounds ist tief mit der irischen Mythologie und Historie verwoben. Schon in den Sagen der alten Kelten wurden gigantische Hunde besungen, die in der Schlacht an der Seite von Königen und Helden kämpften. Römische Aufzeichnungen aus dem Jahr 391 n. Chr. erwähnen sieben dieser irischen Hunde, die dem Konsul Quintus Aurelius Symmachus als Geschenk überbracht wurden und in Rom für großes Erstaunen sorgten, da “ganz Rom sie mit Bewunderung betrachtete”.
In der Systematik der Fédération Cynologique Internationale (FCI) ist der Irish Wolfhound in der Gruppe 10 (Windhunde), Sektion 2 (Rauhhaarige Windhunde) klassifiziert.
Vom Wolfsjäger zum Statussymbol
Ursprünglich wurde die Rasse für zwei Hauptzwecke gezüchtet: den Krieg und die Jagd. Im Krieg wurden sie eingesetzt, um feindliche Reiter vom Pferd zu ziehen. Auf der Jagd, was ihnen letztlich ihren Namen gab, waren sie auf das Hetzen und Erlegen des irischen Wolfes sowie des gigantischen (heute ausgestorbenen) irischen Riesenhirschs spezialisiert.
Ihre immense Größe und Kraft, gepaart mit der typischen Schnelligkeit eines Windhundes, machten sie zu perfekten Jägern. Im Mittelalter waren sie so wertvoll, dass ihr Besitz ausschließlich dem Adel, Königen und Häuptlingen vorbehalten war. Sie wurden oft als diplomatische Geschenke an ausländische Königshöfe in ganz Europa geschickt.
Das fast tragische Ende und die Rettung
Paradoxerweise führte die Perfektion der Rasse fast zu ihrem Untergang. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hatten die Hunde ihre Arbeit in Irland so gründlich erledigt, dass der Wolf auf der Insel ausgerottet war. Ohne ihre ursprüngliche Aufgabe und durch den ständigen Export der besten Exemplare schrumpfte der Bestand dramatisch. Mitte des 19. Jahrhunderts stand der Irish Wolfhound kurz vor dem Aussterben.
Die Rettung der Rasse ist Captain George Augustus Graham zu verdanken, einem Schotten in der britischen Armee. Ab 1862 sammelte er die letzten verbliebenen echten irischen Wolfshunde und kreuzte sie systematisch mit dem Scottish Deerhound (dem sie genetisch am nächsten stehen), dem Barsoi und dem Mastiff, um Größe und Knochenstärke zurückzugewinnen, sowie mit der Deutschen Dogge. Grahams Bemühungen waren erfolgreich, und 1885 wurde der erste offizielle Rassestandard festgelegt.
Äußeres Erscheinungsbild: Majestätische Größe
Der Irish Wolfhound ist ein Windhund vom rauhhaarigen Typ. Er muss Größe, beeindruckende Kraft und Eleganz in sich vereinen. Er darf weder so schwer und massig wirken wie eine Dogge noch so leichtgewichtig wie ein Deerhound.
- Größe und Gewicht: Die Dimensionen sind gigantisch. Der Rassestandard schreibt für Rüden eine absolute Mindest-Widerristhöhe von 79 cm vor, für Hündinnen 71 cm. In der Realität streben Züchter heute bei Rüden eine Größe von 81 bis 86 cm (oft auch über 90 cm) an. Das Mindestgewicht liegt für Rüden bei 54,5 kg, für Hündinnen bei 40,5 kg.
- Der Kopf: Der Kopf ist lang und wird stolz und hoch getragen, die Stirnknochen sind leicht erhoben. Die kleinen, rosenförmigen Ohren (ähnlich denen des Greyhounds) werden in der Ruhe zurückgelegt getragen und bei Aufmerksamkeit aufgerichtet.
- Der Körperbau: Der Brustkorb ist sehr tief und geräumig, der Rücken lang und muskulös. Die Lendenpartie ist leicht gewölbt, was typisch für Windhunde ist und ihnen enorme Schubkraft beim Laufen verleiht. Der Schwanz ist lang, leicht gebogen und reichlich behaart.
- Das Fell: Das raue, harte und drahtige Fell ist ein Erbe der windigen, nasskalten irischen Landschaft. Es schützt den Hund vor jedem Wetter. Besonders am Kopf, über den Augen (Augenbrauen) und am Unterkiefer (Bart) ist das Haar besonders drahtig, was ihm seinen charakteristischen, würdevollen Gesichtsausdruck verleiht.
- Die Farbe: Die anerkannten Farben umfassen Grau (am häufigsten), Gestromt, Rot, Schwarz, Reinweiß und Rehbraun.
Charakter und Temperament: Die pure Gelassenheit
Wer erwartet, bei einem “Wolfsjäger” auf eine aggressive Bestie zu treffen, könnte nicht falscher liegen. Der moderne Irish Wolfhound ist berühmt für sein außergewöhnlich friedfertiges und geduldiges Wesen.
Der sanfte Riese in der Familie
Innerhalb der Familie ist er ein extrem anhänglicher, ruhiger und geradezu zärtlicher Hund. Er liebt menschliche Gesellschaft und leidet still, wenn er isoliert wird. Zwingerhaltung ist für diese sensiblen Tiere absolut inakzeptabel; sie gehören ins Haus, mitten unter ihre Menschen. Im Umgang mit Kindern zeigen sie oft eine unendliche Geduld, auch wenn aufgrund ihrer schieren Größe stets Vorsicht geboten ist – ein unbeabsichtigter Rempler eines 80-Kilo-Hundes kann ein Kleinkind leicht umwerfen.
Weder Wach- noch Schutzhund
Als Wachhund ist der Irish Wolfhound völlig ungeeignet. Zwar mag seine schiere Präsenz Einbrecher abschrecken, doch von Natur aus ist er Fremden gegenüber meist freundlich oder höchstens desinteressiert. Er bellt extrem selten und hat keinen ausgeprägten Schutztrieb. Wenn man ihn streichelt, wird er sich wahrscheinlich eher anlehnen und den Kontakt genießen, als jemanden zu vertreiben.
Der verborgene Jagdtrieb
Trotz seiner Gemütlichkeit im Haus darf man nie vergessen, dass er zur Gruppe der Windhunde gehört. Draußen in der Natur kann der Sichtjäger in ihm erwachen. Wenn er ein flüchtendes Tier (Reh, Hase oder leider auch Nachbars Katze) ins Visier nimmt, kann er in Sekundenschnelle von null auf eine erstaunliche Geschwindigkeit beschleunigen. Ihn dann abzurufen, ist eine echte Herausforderung für jeden Halter.
Erziehung und Ausbildung: Sanfte Führung für große Hunde
Einen Irish Wolfhound erzieht man nicht mit Strenge, sondern mit liebevoller Konsequenz, Einfühlungsvermögen und gegenseitigem Respekt.
- Frühe Erziehung ist Pflicht: Was bei einem kleinen Hund als Unart durchgeht, ist bei einem Giganten gefährlich. Ein Irish Wolfhound muss vom Welpenalter an lernen, nicht an der Leine zu ziehen und Menschen nicht zur Begrüßung anzuspringen. Ein ausgewachsener Rüde ist physisch kaum zu halten, wenn er nicht kooperiert.
- Sensibilität: Diese Rasse reagiert extrem empfindlich auf harte Worte oder grobe Behandlung. Druck erzeugt bei ihnen Gegendruck oder tiefes Misstrauen. Positive Verstärkung durch Lob, Geduld und Leckerlis führt hier zum Erfolg.
- Bewegung mit Maß: Im ersten Lebensjahr wächst der Irish Wolfhound in einem atemberaubenden Tempo. In dieser Zeit müssen Gelenke, Knochen und Bänder geschont werden. Treppensteigen, wildes Toben mit erwachsenen Hunden oder stundenlange Spaziergänge sind tabu, um irreparable Schäden (z.B. Osteochondrosis dissecans) zu vermeiden. Ausgewachsen benötigt er täglich ausgiebige Spaziergänge und die Möglichkeit, in einem sicher eingezäunten Bereich frei zu rennen.
Gesundheit und Pflege: Der Preis der Größe
Das größte Manko dieser wundervollen Rasse ist ihre kurze Lebenserwartung. Irish Wolfhounds werden durchschnittlich nur 6 bis 8 Jahre alt, selten erreichen sie ein Alter von 10 Jahren oder mehr. Zuchtverbände (wie der VDH in Deutschland) arbeiten kontinuierlich daran, die Gesundheit und Langlebigkeit der Rasse zu verbessern, dennoch fordert die enorme Größe ihren Tribut.
Rassetypische Erkrankungen
- Herzerkrankungen (DCM): Die Dilatative Kardiomyopathie (eine Herzmuskelerkrankung, die zu Herzversagen führt) ist eine der häufigsten Todesursachen. Regelmäßige kardiologische Untersuchungen (Ultraschall) sind unerlässlich.
- Knochenkrebs (Osteosarkom): Diese aggressive Krebsart tritt bei Riesenrassen leider überdurchschnittlich oft auf und führt meist zu einem schnellen, schmerzhaften Tod.
- Magendrehung (Torsio ventriculi): Ein lebensbedrohlicher Notfall, bei dem sich der Magen um die eigene Achse dreht und Gase nicht mehr entweichen können. Mehrere kleine Mahlzeiten am Tag und absolute Ruhe nach dem Fressen sind überlebenswichtig.
- Gelenkprobleme: Wie bei allen Riesenrassen können Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED) auftreten.
- Portosystemischer Shunt (PSS): Eine angeborene Fehlbildung der Blutgefäße in der Leber, auf die Welpen in der Regel vor der Abgabe durch den Züchter getestet werden sollten.
Pflegeaufwand
Die Fellpflege ist erstaunlich unkompliziert. Das drahtige Haar sollte ein- bis zweimal pro Woche gründlich gebürstet werden. Um das raue Aussehen und die Wetterfestigkeit zu erhalten, muss das Fell etwa zweimal im Jahr von Hand getrimmt (gezupft) werden. Baden ist nur in Ausnahmefällen nötig. Wichtig ist jedoch, ihm eine extrem dicke, weiche Liegefläche (orthopädisches Hundebett) zu bieten, da sich sonst schnell schmerzhafte Liegeschwielen an den Gelenken bilden.
Ist der Irish Wolfhound der richtige Hund?
Die Entscheidung für einen Irish Wolfhound ist keine, die man leichtfertig treffen sollte. Er ist ein Hund der Superlative – im Positiven wie im Finanziellen.
Ja, er passt zu Ihnen, wenn Sie:
- Ausreichend Platz haben: Eine kleine Etagenwohnung mit Treppen ist völlig ungeeignet. Er benötigt ein Haus im Erdgeschoss, idealerweise mit einem sehr gut und hoch eingezäunten Garten.
- Die finanziellen Mittel besitzen: Alles an diesem Hund kostet mehr. Von den enormen Futtermengen (hochwertigstes Futter ist für die Gelenke Pflicht) über gigantische Hundebetten, ein entsprechend großes Auto bis hin zu Tierarztkosten, bei denen Medikamente nach Gewicht abgerechnet werden.
- Die emotionale Reife für einen Abschied besitzen: Sie müssen sich bewusst sein, dass die gemeinsame Zeit mit 6 bis 8 Jahren oft herzzerreißend kurz ist.
- Einen extrem sanften Begleiter suchen: Sie suchen keinen Wachhund, sondern ein vollwertiges Familienmitglied, das durch Gelassenheit und unendliche Treue besticht.
Eher ungeeignet ist er für Sie, wenn Sie:
- Einen Hund für intensiven Hundesport suchen: Agility, Schutzdienst oder Marathonläufe am Fahrrad sind für diese Riesen nicht geeignet.
- Extrem penibel in Sachen Sauberkeit sind: Große Hunde bringen große Mengen an Schmutz ins Haus, sabbern gelegentlich (besonders nach dem Trinken in den Bart) und haaren trotz Trimming leicht.
- Keine Erfahrung mit großen Hunden haben: Auch wenn er sanft ist, muss man in der Lage sein, 80 Kilo Hund an der Leine souverän zu führen.
Wer dem Irish Wolfhound das passende Umfeld bieten kann, erhält einen ruhigen, loyalen Begleiter mit beeindruckender körperlicher Präsenz.
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