Leonberger
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Leonberger

Der Leonberger ist eine deutsche Riesenrasse, die in den 1840er Jahren in Leonberg durch Kreuzung von Neufundländer, Bernhardiner und Pyrenäenberghund mit dem Ziel eines löwenähnlichen Erscheinungsbildes gezüchtet wurde. Die Rasse ist für ihr ruhiges, geduldiges Wesen und die kurze Lebenserwartung bekannt.

Herkunft
Deutschland
Größe
Extra Large
Lebenserwartung
7-9 Jahre
Temperament
Sanftmütig, Treu, Ruhig, Selbstbewusst, Wachsam

Der Leonberger ist eine deutsche Riesenrasse mit dichtem, löwenartigem Fell und charakteristischer schwarzer Maske. Er wurde als Begleithund gezüchtet und zeichnet sich durch Gelassenheit, Geduld und Familienbindung aus. Wie bei anderen Riesenrassen ist die Lebenserwartung mit 7–9 Jahren kurz.

Geschichte und Herkunft: Der Hund der Könige

Die Geschichte des Leonbergers liest sich wie ein Stück schwäbischer Romantik. Anders als viele andere Rassen, die für bestimmte Arbeiten (wie Jagd oder Hüten) entstanden sind, wurde der Leonberger nach einem ganz bestimmten optischen Ideal erschaffen.

Die Vision des Heinrich Essig

In den 1830er und 1840er Jahren lebte in der württembergischen Stadt Leonberg (nahe Stuttgart) ein Stadtrat und ambitionierter Hundezüchter namens Heinrich Essig. Essigs Ziel war es, einen Hund zu züchten, der dem Wappentier seiner Heimatstadt glich: dem Löwen.

Um diesen „Löwenhund“ zu erschaffen, kreuzte Essig eine schwarz-weiße Neufundländer-Hündin (damals auch als Landseer bekannt) mit einem langhaarigen Barry-Hund (einem Vorfahren des heutigen Bernhardiners) aus dem Hospiz auf dem Großen St. Bernhard. Später wurde noch ein Pyrenäen-Berghund eingekreuzt, um Größe und das dichte, weiße Fell zu verstärken.

Das Ergebnis war ein riesiger Hund mit langem Fell, der in den ersten Generationen noch überwiegend weiß mit dunklen Abzeichen war. Erst später, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, setzte sich die heute so typische löwengelbe bis rotbraune Färbung mit der obligatorischen schwarzen Maske durch.

Beliebt beim europäischen Adel

Essig war nicht nur ein kreativer Züchter, sondern auch ein exzellenter Vermarkter. Er verschenkte und verkaufte seine prächtigen Hunde an Königshäuser und Prominente in ganz Europa. Zu den berühmten Besitzern eines Leonbergers zählten Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi), Napoleon III., Zar Alexander II. von Russland und der Prince of Wales (der spätere König Edward VII.). Der Leonberger wurde zum ultimativen Statussymbol der Reichen und Mächtigen.

Nahezu ausgestorben

Wie viele große Hunderassen litt auch der Leonberger massiv unter den beiden Weltkriegen. In Zeiten der Not war es kaum möglich, diese Riesen zu ernähren. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es angeblich nur noch fünf reinrassige, zuchtfähige Leonberger auf der Welt. Dank des unermüdlichen Einsatzes einiger weniger passionierter Züchter, die diese fünf Hunde nutzten (und später wahrscheinlich wieder Neufundländer und Bernhardiner einkreuzten), konnte die Rasse vor dem Aussterben gerettet werden. Heute ist der Leonberger eine anerkannte Rasse unter dem Dach der Fédération Cynologique Internationale (FCI) und wird in Deutschland vom Deutschen Club für Leonberger Hunde e.V. (DCLH) im VDH betreut.

Physische Merkmale: Ein souveräner Riese

Der Leonberger ist zweifellos ein massiver Hund, aber er sollte niemals plump oder schwerfällig wirken. Er strahlt Kraft, Eleganz und harmonische Proportionen aus.

  • Größe: Rüden erreichen eine beeindruckende Schulterhöhe von 72 bis 80 cm (Ideal: 76 cm), Hündinnen messen 65 bis 75 cm (Ideal: 70 cm).
  • Gewicht: Das Gewicht variiert je nach Geschlecht und Größe enorm. Hündinnen wiegen meist zwischen 40 und 60 kg, während ausgewachsene Rüden durchaus 50 bis 75 kg (oder in Ausnahmefällen sogar mehr) auf die Waage bringen können.

Das Fell: Die Löwenmähne

Das üppige Doppelfell des Leonbergers ist darauf ausgelegt, ihn vor Wasser und Kälte zu schützen.

  • Struktur: Er besitzt eine dichte, weiche Unterwolle und mittelweiches bis hartes Deckhaar, das eng anliegt und nicht gescheitelt sein darf. Es ist meist glatt, eine leichte Wellung ist jedoch erlaubt.
  • Die Mähne: Besonders bei Rüden bildet sich an Hals und Brust eine ausgeprägte Mähne, die maßgeblich zur löwenhaften Optik beiträgt. Die Beine (Hosen) und die Rute sind ebenfalls stark behaart.
  • Farben: Die Farben reichen von Löwengelb, Rot, Rotbraun bis Sandfarben (Fahlgelb, cremefarben) und allen Kombinationen dazwischen. Schwarze Haarspitzen (Charbonnierung) sind erlaubt, dürfen aber die Grundfarbe nicht überdecken.
  • Die Maske: Ein absolutes Muss für jeden Leonberger ist die schwarze Maske im Gesicht, die ihm seinen typischen, gutmütigen Ausdruck verleiht.

Besonderheit: Schwimmhäute

Ein interessantes Erbe seiner Vorfahren (vermutlich des Neufundländers) ist, dass viele Leonberger noch heute stark ausgeprägte Zwischenzehenhäute (Schwimmhäute) besitzen, die sie zu exzellenten Schwimmern machen.

Temperament und Persönlichkeit: Ruhig, souverän und nervenstark

Wenn es ein Wort gibt, das den Leonberger am besten beschreibt, dann ist es „Gelassenheit“. Er ist ein Hund mit einer enormen Reizschwelle.

Der Familienhund

Leonberger gelten als kinderfreundlich und zeigen gegenüber Kindern eine ausgeprägte Geduld. Sie ertragen Lärm und Trubel stoisch und ziehen sich einfach zurück, wenn es ihnen zu bunt wird, anstatt aggressiv zu reagieren. Dennoch sollten – wie bei jedem Hund – Interaktionen mit Kleinkindern aufgrund der schieren Größe des Hundes (ein unbeabsichtigter Rempler kann ein Kind umwerfen) immer beaufsichtigt werden.

Souveräner Wächter ohne Schärfe

Als Wachhund überzeugt der Leonberger durch seine Präsenz. Er meldet Besucher zuverlässig mit einem tiefen, sonoren Bellen, ist aber kein Kläffer. Er verteidigt sein Territorium und seine Familie souverän und furchtlos, jedoch ohne jegliche grundlose Aggressivität. Wenn Sie Besuch hereinlassen, wird der Leonberger diesen in der Regel freundlich, wenn auch anfangs vielleicht etwas reserviert, akzeptieren.

Sensibel und menschenbezogen

Trotz seiner Größe ist der Leonberger ein sehr sensibler Hund, der eine enge Bindung zu seiner Familie braucht. Er eignet sich absolut nicht für die Zwingerhaltung. Er möchte bei seinem “Rudel” sein, sei es im Haus oder im Garten. Wird er isoliert, verkümmert er seelisch.

Erziehung und Bewegungsbedarf

Bewegung: Ausdauernd, aber kein Sprinter

Der Leonberger ist kein Hund für Marathonläufer oder stundenlange Fahrradtouren.

  • Täglicher Bedarf: Er benötigt tägliche, ausgedehnte Spaziergänge (etwa 1 bis 2 Stunden). Er bewegt sich gerne gemächlich, aber ausdauernd.
  • Wasserliebhaber: Viele Leonberger sind begeisterte Schwimmer. Die Möglichkeit, im Sommer schwimmen zu gehen, ist für sie eine große Freude und eine gelenkschonende Art der Bewegung.
  • Wachstum: Im ersten Lebensjahr muss die Bewegung (wie Treppensteigen oder Springen) streng reglementiert werden, um die noch weichen Knochen und Gelenke zu schonen.

Erziehung: Mit Liebe und Geduld zum Ziel

Die Erziehung eines Leonbergers muss unbedingt in den ersten Lebensmonaten erfolgen, solange er noch körperlich händelbar ist. Ein 70-Kilo-Hund, der an der Leine zieht, ist ein ernsthaftes Problem.

  • Keine Härte: Der Leonberger ist hochintelligent und sehr sensibel. Auf Härte, Geschrei oder Zwang reagiert er mit Sturheit und Verweigerung.
  • Positive Verstärkung: Er lernt schnell und gerne durch Motivation (Lob, Futter). Er braucht einen Besitzer, der ihn konsequent, aber ruhig und souverän führt.
  • Wasserarbeit und Zughundesport: Aufgrund seiner Stärke und Wasserliebe eignen sich einige Leonberger hervorragend für die Wasserrettungsausbildung oder den Zughundesport (z. B. das Ziehen von Karren), sofern sie ausgewachsen und gesund sind.

Gesundheit und Lebenserwartung

Wie bei fast allen Riesenrassen ist die größte Tragik des Leonbergers seine relativ kurze Lebenserwartung. Sie liegt im Durchschnitt bei 7 bis 9 Jahren, wobei einige Hunde bei guter Pflege und Genetik durchaus 10 bis 12 Jahre alt werden können.

Seriöse Zucht (etwa über VDH/FCI-angeschlossene Vereine wie den DCLH) ist unerlässlich, um das Risiko schwerer Erbkrankheiten zu minimieren. Wichtige Untersuchungen umfassen:

  • Polyneuropathie beim Leonberger (LPN 1, 2 und 3 sowie LEMP): Vererbbare Nervenerkrankungen, die zu fortschreitenden Lähmungen führen. Dank intensiver Forschung gibt es hierfür heute verlässliche DNA-Tests, die für Zuchttiere Pflicht sein sollten.
  • Hüftgelenks- (HD) und Ellbogendysplasie (ED): Das größte orthopädische Problem bei großen Hunden. Das Röntgen der Elterntiere ist obligatorisch.
  • Osteosarkom (Knochenkrebs) und Hämangiosarkom: Wie viele Riesenrassen hat der Leonberger ein erhöhtes Risiko für diese Krebsarten.
  • Magendrehung: Eine lebensbedrohliche Notfallsituation, bei der sich der Magen um die eigene Achse dreht. Um das Risiko zu minimieren, sollten Sie den Hund mehrfach täglich kleinere Portionen füttern und ihn nach dem Fressen ruhen lassen.

Pflege: Das Projekt Fellpflege

Wer sich einen Leonberger ins Haus holt, muss sich mit Haaren abfinden – vielen Haaren.

  • Tägliches bis wöchentliches Bürsten: Das üppige Doppelfell muss regelmäßig (mindestens mehrmals wöchentlich) sehr gründlich gebürstet werden, besonders an den “Hosen”, der Rute und hinter den Ohren, um Verfilzungen zu vermeiden.
  • Der Fellwechsel: Zweimal im Jahr (im Frühjahr und Herbst) verliert der Leonberger enorme Mengen an Unterwolle. In dieser Zeit ist tägliches Bürsten Pflicht, andernfalls sammeln sich büschelweise Haare im gesamten Haus.
  • Schmutz: Ein Leonberger bringt viel Schmutz, Sand und (nach dem Trinken) Wasser ins Haus. Es sind Hunde für Menschen, die nicht allzu penibel sind, was die Sauberkeit im Hausflur angeht.

Ist ein Leonberger der richtige Hund für Sie?

Der Leonberger ist ein wunderbarer Begleiter, stellt aber aufgrund seiner Größe spezielle Anforderungen an sein Zuhause.

Ein Leonberger passt zu Ihnen, wenn:

  • Sie ausreichend Platz haben (ein Haus mit eingezäuntem Garten ist ideal, eine Etagenwohnung ohne Aufzug ist tabu).
  • Sie einen großen, ruhigen und geduldigen Familienhund suchen, der auch Lärm und Trubel souverän erträgt.
  • Sie die Kraft aufbringen, einen massiven Hund (notfalls) an der Leine zu halten, falls die Erziehung noch nicht zu 100 % sitzt.
  • Sie sich an Hundehaaren und gelegentlichen Sabbertropfen nicht stören.

Ein Leonberger passt nicht zu Ihnen, wenn:

  • Sie extrem reinlich sind und Angst um Ihre Möbel haben.
  • Sie einen Hund für intensiven Hundesport (wie Agility oder ausgedehntes Joggen) suchen.
  • Sie die hohen Kosten für Futter, große Hundebetten, XL-Zubehör und Tierarztkosten für Riesenrassen scheuen.
  • Sie Schwierigkeiten haben, mit dem Gedanken an eine relativ kurze Lebensspanne Ihres Haustieres umzugehen.

Wer Platz für einen großen Hund und das Budget für eine Riesenrasse mitbringt, bekommt im Leonberger einen ruhigen, loyalen und familienfreundlichen Begleiter.

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