Mastiff
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Mastiff

Der Mastiff (English Mastiff) ist eine der massigsten Hunderassen der Welt mit Ursprung in Großbritannien als Kriegs- und Wachhund. Die Rasse wurde nach dem Zweiten Weltkrieg fast ausgerottet und durch Importe aus Nordamerika gerettet. Sie ist für ihre ruhige Art und kurze Lebenserwartung bekannt.

Herkunft
Großbritannien
Größe
Extra Large
Lebenserwartung
6-10 Jahre
Temperament
Sanftmütig, Beschützend, Ruhig, Loyal, Mutig

Der Mastiff (auch als English Mastiff oder Old English Mastiff bezeichnet) gehört zu den massigsten Hunderassen der Welt. Mit einem Körpergewicht von bis zu 100 kg und mehr bei Rüden ist er eine der schwersten existierenden Rassen.

Trotz seiner Größe gilt er als ruhiger Hund mit sanftmütigem Charakter und ausgeprägtem Beschützerinstinkt. Er ist für Menschen mit ausreichend Platz, Budget für große Futtermengen und Toleranz gegenüber starkem Speichelfluss geeignet.

Geschichte und Herkunft: Der Hund der Gladiatoren

Die Geschichte des Mastiffs ist uralt und eng mit der Geschichte Großbritanniens und des Römischen Reiches verwoben. Er gehört zur Gruppe der Molosser, deren Vorfahren vermutlich aus Asien stammen und bereits vor Tausenden von Jahren als Kriegs- und Wachhunde eingesetzt wurden.

Julius Cäsar und die Eroberung Britanniens

Als Julius Cäsar im Jahr 55 v. Chr. mit seinen Legionen in Britannien einfiel, stießen die Römer auf riesige, furchteinflößende Hunde, die an der Seite der einheimischen Briten kämpften. Diese Hunde, die Vorfahren des heutigen Mastiffs, beeindruckten die Römer durch ihre enorme Kraft und ihren unerschütterlichen Mut so sehr, dass Cäsar viele von ihnen mit nach Rom nahm.

Dort wurden sie in den Arenen des Kolosseums für grausame Zwecke missbraucht: Sie mussten gegen Bären, Löwen, Bullen und menschliche Gladiatoren kämpfen. Die Rasse bewies dabei eine unglaubliche Zähigkeit.

Vom Kriegshund zum Wächter der Landgüter

Im mittelalterlichen England wandelte sich die Rolle des Mastiffs langsam. Er wurde nicht mehr primär für den Krieg gezüchtet, sondern als unbestechlicher Wachhund (Bandog) für die riesigen Ländereien des Adels, um Wilderer und Wölfe abzuwehren. Ein berühmtes englisches Sprichwort aus dieser Zeit fasst den Charakter des Hundes treffend zusammen: “What the Lion is to the Cat the Mastiff is to the Dog.” (Was der Löwe für die Katze ist, ist der Mastiff für den Hund.)

Wie viele der Riesenrassen stand auch der Mastiff nach den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts kurz vor dem Aussterben, da es in Zeiten der Lebensmittelknappheit kaum möglich war, Hunde dieser Größe zu ernähren. Es wird berichtet, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg in ganz England nur noch eine Handvoll zuchtfähiger Mastiffs gab. Durch den Import von Hunden aus den USA und Kanada konnte die Rasse glücklicherweise gerettet werden. Heute wird der Mastiff weltweit unter dem Standard der FCI gezüchtet und in Deutschland unter anderem durch den Club für Molosser e.V. im VDH betreut.

Physische Merkmale: Masse, Muskeln und Majestät

Der Mastiff ist massiv, schwerkalibrig und von beeindruckender Breite und Tiefe. Er hält oft den Rekord als schwerste Hunderasse der Welt (ein berühmter Mastiff namens Zorba wog 1989 unglaubliche 155 kg).

  • Größe: Die FCI gibt keine genauen Größen- und Gewichtsstandards vor, betont aber, dass Größe und Masse im richtigen Verhältnis zueinander stehen müssen. Rüden erreichen oft eine Schulterhöhe von 76 cm und mehr, Hündinnen ab 70 cm.
  • Gewicht: Ein ausgewachsener Rüde wiegt nicht selten zwischen 70 und über 100 kg, Hündinnen wiegen meist zwischen 55 und 75 kg.

Der gewaltige Kopf

Das markanteste Merkmal des Mastiffs ist sein Kopf. Er ist massiv, quadratisch und in allen Proportionen breit.

  • Die Falten: Wenn der Hund aufmerksam ist, bilden sich deutliche Falten auf der Stirn.
  • Die schwarze Maske: Unabhängig von der Fellfarbe müssen Schnauze, Nase, Ohren und die Umgebung der Augen (die Maske) tiefschwarz sein.
  • Die Augen: Die kleinen, haselnussbraunen Augen blicken aufmerksam, ruhig und sehr gutmütig in die Welt. Die Ohren sind klein, V-förmig und liegen flach am Kopf an.

Das kurze, dichte Fell

Das Fell des Mastiffs ist kurz, dicht anliegend und nicht zu fein.

  • Farben: Es gibt den Mastiff in den Farben Apricot (Aprikose), Fawn (Rehbraun/Falbfarben), Silber (Silver-Fawn) oder gestromt (Brindle – ein rehbrauner Grundton mit schwarzen Streifen).

Temperament und Persönlichkeit: Der ruhende Pol

Die enorme körperliche Präsenz des Mastiffs wird durch ein ebenso großes Maß an Gelassenheit und Sanftmut ausgeglichen. Er ist ein Hund, der sich seiner Kraft bewusst zu sein scheint und sie daher nur äußerst selten einsetzt.

Liebevoll und extrem treu

Der Mastiff liebt seine Familie abgöttisch. Er ist unglaublich anhänglich und möchte am liebsten ständig bei seinen Menschen sein (oft mit dem Kopf auf deren Schoß). Im Haus verhält er sich ruhig, fast unsichtbar (wenn man von seiner Größe absieht) und schläft viel. Er ist bekannt für seine enorme Geduld im Umgang mit Kindern, wobei kleine Kinder aufgrund der schieren Größe des Hundes niemals unbeaufsichtigt bleiben sollten – ein unglücklicher Rempler oder ein wedelnder Schwanz können ein Kleinkind leicht umwerfen.

Ein geborener Beschützer

Er ist kein Kläffer und bellt nur selten, meist mit einer tiefen, grollenden Stimme, die durch Mark und Bein geht. Sein Beschützerinstinkt ist tief verwurzelt, äußert sich jedoch eher defensiv. Er stellt sich schützend zwischen seine Familie und eine vermeintliche Gefahr und fixiert den Eindringling. Ein Mastiff greift selten an, es sei denn, er wird massiv provoziert; er blockiert den Weg und verlässt sich darauf, dass seine bloße Anwesenheit ausreicht, um Konflikte zu beenden.

Sensibel trotz der Größe

Trotz seiner Statur ist der Mastiff ein extrem sensibler Hund. Er spürt Spannungen in der Familie sofort und reagiert auf lautes Schimpfen oder Härte im Training mit völligem Rückzug und Sturheit. Er kooperiert nur, wenn die Beziehung auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt basiert.

Erziehung und Bewegungsbedarf

Bewegung: Gemütlich und gelenkschonend

Ein Mastiff ist kein Hund für Marathonläufer oder für ausgedehnte Fahrradtouren.

  • Täglicher Bedarf: Er benötigt tägliche, aber mäßige Bewegung. Ein bis zwei ruhige Spaziergänge von insgesamt etwa einer Stunde sind in der Regel ausreichend, um ihn fit zu halten.
  • Das Wachstum: Die Aufzucht eines Mastiff-Welpen erfordert extrem viel Fingerspitzengefühl. In den ersten 18 bis 24 Monaten wachsen Knochen und Gelenke rasant und müssen zwingend geschont werden. Treppensteigen, Sprünge ins Auto oder lange Spaziergänge sind absolut tabu, um schwere Gelenkdeformationen (wie HD und ED) zu vermeiden.
  • Hitzeempfindlichkeit: Aufgrund seiner Masse und der kurzen Schnauze verträgt er Hitze sehr schlecht. Im Sommer sollten Spaziergänge nur in den kühlen Morgen- oder Abendstunden stattfinden.

Erziehung: Mit Konsequenz und sanfter Überzeugung

Die Erziehung eines Mastiffs muss unbedingt im Welpenalter beginnen, solange er noch körperlich händelbar ist.

  • Die Leinenführigkeit: Wenn ein 90-Kilo-Hund entscheidet, in eine andere Richtung zu gehen als sein Besitzer, haben Sie körperlich keine Chance. Absolute Leinenführigkeit ist das wichtigste Trainingsziel.
  • Positive Verstärkung: Erziehung durch Zwang funktioniert bei diesem Hund nicht. Wenn er stur wird und sich hinlegt, bewegt ihn niemand mehr von der Stelle. Training muss in kurzen, positiven Einheiten mit viel Lob erfolgen.
  • Sozialisierung: Eine frühe, umfassende Gewöhnung an andere Menschen, Hunde und Umweltreize ist entscheidend, damit sein angeborener Schutztrieb kontrollierbar bleibt und er in neuen Situationen gelassen reagiert.

Gesundheit und Lebenserwartung

Der Preis für die gewaltige Größe ist eine oft sehr kurze Lebenserwartung. Im Durchschnitt leben Mastiffs nur 6 bis 10 Jahre.

Die Zucht von Riesenrassen ist gesundheitlich sehr anspruchsvoll. Seriöse Züchter testen ihre Tiere auf folgende Krankheiten:

  • Hüftgelenks- (HD) und Ellbogendysplasie (ED): Das größte Risiko bei so massiven Hunden. Ein Röntgen der Elterntiere ist Pflicht.
  • Magendrehung: Wie viele große Hunde mit tiefem Brustkorb ist der Mastiff sehr anfällig für diese akut lebensbedrohliche Erkrankung. Mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag und absolute Ruhe nach dem Fressen sind wichtige Vorsichtsmaßnahmen.
  • Augenerkrankungen: Progressive Retinaatrophie (PRA), Ektropium (Hängeaugen) oder Entropium (eingerollte Augenlider) können auftreten.
  • Herzerkrankungen: Zuchttiere sollten auf verschiedene kardiologische Probleme (wie Kardiomyopathie) untersucht werden.
  • Knochenkrebs (Osteosarkom): Eine Krebsart, die bei Riesenrassen überdurchschnittlich oft vorkommt.

Pflege: Der Umgang mit dem Sabber

Die Fellpflege beim Mastiff ist minimal, aber es gibt andere “Pflegeaspekte”, auf die man vorbereitet sein muss.

  • Sabbern und Speicheln: Machen wir uns nichts vor: Mastiffs sabbern. Sie sabbern, wenn sie fressen, trinken, sich freuen oder wenn es warm ist. Wenn sie den Kopf schütteln, fliegen Speichelfäden meterweit (die berüchtigten “Slingers”). Erfahrene Halter haben in jedem Zimmer kleine Handtücher parat. Wer ein pingeliges Verhältnis zur Sauberkeit seiner Wände und Kleidung hat, wird mit dieser Rasse nicht glücklich.
  • Faltenpflege: Die tiefen Hautfalten im Gesicht müssen regelmäßig kontrolliert, mit einem feuchten Tuch gereinigt und gut abgetrocknet werden, um Hautentzündungen vorzubeugen.
  • Liegeschwielen: Aufgrund seines enormen Gewichts braucht der Mastiff extrem dicke, weiche Liegeplätze (am besten orthopädische Hundebetten), um schmerzhafte Liegeschwielen an den Ellbogen zu vermeiden.
  • Fellpflege: Ein kurzes Bürsten (etwa mit einem Gummistriegel) einmal wöchentlich reicht aus, um lose Haare zu entfernen.

Ist ein Mastiff der richtige Hund für Sie?

Der Mastiff ist ein wunderbarer Hund für Menschen, die den speziellen Anforderungen einer Riesenrasse gewachsen sind.

Ein Mastiff passt zu Ihnen, wenn:

  • Sie ein Haus mit (eingezäuntem) Garten und idealerweise viel Platz im Erdgeschoss haben (er sollte keine Treppen steigen müssen).
  • Sie einen großen, ruhigen, extrem loyalen und beschützenden Familienhund suchen.
  • Sie die enorme körperliche Kraft aufbringen, ihn im Notfall zu halten (und die Erziehung ernst nehmen).
  • Sie über das notwendige Budget für sehr hohe Futterkosten, XL-Zubehör und potenziell hohe Tierarztrechnungen verfügen.

Ein Mastiff passt nicht zu Ihnen, wenn:

  • Sie ein Problem mit Sabber und Hundehaaren auf Möbeln und Kleidung haben.
  • Sie in einer Wohnung in einem oberen Stockwerk (ohne Fahrstuhl) leben.
  • Sie einen sportlichen Begleiter für lange Wanderungen, Joggen oder Agility suchen.
  • Sie Schwierigkeiten haben, mit der (im Vergleich zu anderen Hunden) kurzen Lebensspanne umzugehen.

Wer die besonderen Anforderungen dieser Riesenrasse erfüllen kann, findet im Mastiff einen ruhigen, familienloyalen und beschützenden Begleiter.

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