Neufundländer
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Neufundländer

Der Neufundländer ist ein großer, sanftmütiger Wasserrettungshund aus Kanada, der historisch von Fischern als Arbeitshund eingesetzt wurde und für seine Geduld mit Kindern bekannt ist.

Herkunft
Kanada
Größe
Extra Large
Lebenserwartung
9-10 Jahre
Temperament
Sanftmütig, Liebevoll, Ruhig, Treu, Geduldig

Der Neufundländer (oft liebevoll “Neufi” genannt) ist einer der größten und schwersten Hunde überhaupt. Mit seinem massiven Kopf, dem tiefschwarzen, braunen oder weiß-schwarzen Fell und seinem bärigen Gang ist er eine beeindruckende Erscheinung.

Er ist kein Wachhund im klassischen Sinne, sondern ein Retter. Seine ausgeprägte Wasserliebe und sein angeborener Instinkt, ertrinkende Menschen ans Ufer zu ziehen, kennzeichnen die Rasse. Für Familien mit ausreichend Platz und einer gewissen Toleranz für nasse Pfoten und Hundehaare auf dem Sofa ist der Neufundländer ein zuverlässiger, gutmütiger Begleiter.

Geschichte und Herkunft: Der Held der kalten See

Die genauen Ursprünge des Neufundländers sind, wie bei vielen alten Hunderassen, in Mythen gehüllt. Sicher ist jedoch, dass seine Entwicklung eng mit der rauen Insel Neufundland vor der Ostküste Kanadas verbunden ist.

Der Hund der Fischer

Es wird vermutet, dass die Vorfahren des Neufundländers durch europäische Fischer (vermutlich Basken, Franzosen oder Portugiesen) auf die Insel gebracht wurden. Dort kreuzten sie sich mit einheimischen Hunden, möglicherweise auch mit Hunden der indigenen Bevölkerung (wie dem Beothuk-Hund). Im Laufe der Jahrhunderte entstand durch die extreme natürliche Selektion in dem eisigen Klima ein gewaltiger, wasserliebender Arbeitshund.

Die Aufgabe dieser Hunde war es, den Fischern bei der schweren Arbeit zu helfen. Sie zogen Karren voller gefangenem Fisch vom Hafen ins Dorf, halfen beim Einholen der schweren Fischernetze aus dem eiskalten Atlantik und retteten über Bord gegangene Seeleute. Ihre schwimmhäutigen Pfoten, das doppelte, extrem wasserabweisende Fell und ihre gewaltige Lungenkapazität machten sie zu perfekten Schwimmern.

Der Weg nach Europa

Im 18. und 19. Jahrhundert brachten britische Seeleute diese beeindruckenden Hunde mit nach Europa, wo sie schnell zum Liebling des Adels und des Bürgertums wurden. Der berühmteste Neufundländer der Geschichte ist wahrscheinlich “Boatswain”, der treue Hund des englischen Dichters Lord Byron. Byron verfasste für ihn ein berühmtes Epitaph (Grabschrift), in dem es heißt: “Er besaß Schönheit ohne Eitelkeit, Stärke ohne Übermut, Mut ohne Wildheit und alle Tugenden des Menschen ohne seine Laster.”

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand durch den Maler Sir Edwin Landseer ein Gemälde eines weiß-schwarzen Neufundländers, woraufhin diese Farbvariante (die heute unter dem VDH und der FCI als eigenständige Rasse, der Landseer, oder als Farbvarietät des Neufundländers geführt wird) besonders populär wurde. Heute wird der Neufundländer in Deutschland unter anderem durch den Deutschen Neufundländer-Klub e.V. (DNK) betreut.

Physische Merkmale: Ein wassertauglicher Bär

Der Neufundländer ist massiv, tiefgebaut und strotzt vor Kraft. Er ist groß, aber vor allem schwerkalibrig und voluminös.

  • Größe: Die durchschnittliche Schulterhöhe liegt für Rüden bei beeindruckenden 71 cm, für Hündinnen bei etwa 66 cm.
  • Gewicht: Ein ausgewachsener Rüde wiegt meist zwischen 60 und 70 kg (oder mehr), Hündinnen zwischen 50 und 60 kg.

Das Spezial-Fell

Das Fell des Neufundländers ist ein meisterhaftes Werkzeug der Natur, um eisigem Wasser und extremen Temperaturen zu trotzen.

  • Die Beschaffenheit: Es ist ein üppiges, wasserabweisendes Doppelfell. Das Deckhaar ist mittellang, gerade und fühlt sich leicht ölig an (dadurch perlt das Wasser einfach ab). Die Unterwolle ist extrem dicht und weich.
  • Die Farben: Die FCI erkennt drei Farben an:
    1. Schwarz: Die klassische und häufigste Farbe (oft mit einem leichten Rostschimmer in der Sonne). Ein kleiner weißer Fleck auf der Brust oder an den Zehen ist erlaubt.
    2. Braun: (Oft schokoladenbraun oder bronzefarben).
    3. Weiß-Schwarz: (Die historische “Landseer-Färbung” innerhalb der Rasse). Weiß mit großflächigen schwarzen Platten.
  • Schwimmhäute: Ein charakteristisches Merkmal sind die deutlich ausgebildeten Zwischenzehenhäute (“Schwimmhäute”), die ihn zu einem so überragenden Schwimmer machen.

Der Ausdruck

Der Kopf ist massiv und breit. Die kleinen, braunen Augen blicken sanftmütig, klug und unendlich geduldig. Die kleinen, dreieckigen Ohren liegen dicht an.

Temperament und Persönlichkeit: Der “Gentle Giant”

Wenn es ein Wort gibt, das den Neufundländer perfekt beschreibt, dann ist es „Sanftmut“. Aggressivität oder Schärfe sind dieser Rasse (bei guter Zucht) völlig fremd.

Ein Herz für Kinder

Neufundländer sind legendär für ihre beispiellose Geduld und Liebe zu Kindern. Sie sind oft wie große, gutmütige Beschützer (wie der “Nanna”-Hund aus Peter Pan). Dennoch dürfen, wie bei jedem Hund, Interaktionen mit Kleinkindern aufgrund der schieren Größe und Kraft des Hundes niemals unbeaufsichtigt bleiben. Ein unbeabsichtigter Rempler kann ein Kind schnell umwerfen.

Gelassenheit pur

Sie sind extrem anhänglich und menschenbezogen. Sie verhalten sich im Haus erstaunlich ruhig, solange sie in der Nähe ihrer Menschen sein können. Ein Neufundländer ist kein nervöser Kläffer und lässt sich durch kaum etwas aus der Ruhe bringen.

Der Retter-Instinkt

Ihr Beschützerinstinkt ist stark, aber rein defensiv geprägt. Sie würden sich schützend vor ihre Familie stellen, aber sie beißen nicht. Die wirkliche Gefahr besteht in ihrem angeborenen Rettungsdrang. Wenn ein Neufundländer jemanden (auch spielend) im Wasser plappern sieht, schwimmt er los, packt die Person (meist sanft am Arm) und schleppt sie ans Ufer – ob sie gerettet werden will oder nicht.

Erziehung und Bewegungsbedarf

Bewegung: Ausdauernd im Wasser, gemütlich an Land

Der Neufundländer ist kein Sprinter oder Joggingpartner.

  • Täglicher Bedarf: Er braucht regelmäßige, gemütliche bis zügige Spaziergänge (etwa 1 bis 2 Stunden täglich). Er bewegt sich gerne, aber in seinem eigenen, majestätischen Tempo.
  • Wasserliebe: Wasser ist sein bevorzugtes Element. Ein Leben ohne regelmäßige Möglichkeit zum Schwimmen schränkt die Auslastung der Rasse ein. Wasserarbeit (Wasserrettungshund-Ausbildung) ist zugleich gelenkschonend und artgerecht.
  • Hitzeempfindlichkeit: Ab Temperaturen über 20 °C zieht sich der Neufi gerne in den kühlen Schatten (oder auf die kalten Fliesen im Haus) zurück. Spaziergänge im Hochsommer sollten auf die ganz frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt werden.

Erziehung: Frühzeitige Konsequenz

Ein 70-Kilo-Hund muss an der Leine laufen können – ohne Wenn und Aber.

  • Positiv und ruhig: Die Erziehung muss im Welpenalter beginnen. Neufundländer lernen gerne und sind sehr kooperativ, wenn das Training ruhig, sanft und durchdringend konsequent ist. Härte schüchtert sie massiv ein und führt zu sturer Verweigerung.
  • Sozialisierung: Obwohl sie von Natur aus freundlich sind, ist eine frühe, umfassende Gewöhnung an Umweltreize wichtig, da ein unsicherer, ängstlicher Riesenhund extrem schwer zu händeln ist.

Gesundheit und Lebenserwartung

Wie bei fast allen Riesenrassen ist die größte Tragik des Neufundländers seine relativ kurze Lebenserwartung, die im Durchschnitt bei 9 bis 10 Jahren liegt.

Die Aufzucht eines Neufundländer-Welpen erfordert in den ersten zwei Jahren höchste Vorsicht (kein Treppensteigen, keine unkontrollierten Sprünge), um schwere Gelenkdeformationen zu vermeiden. Seriöse Züchter (die streng nach VDH/FCI-Richtlinien züchten) testen ihre Elterntiere auf folgende Erbkrankheiten:

  • Hüftgelenks- (HD) und Ellbogendysplasie (ED): Ein obligatorisches Röntgen der Elterntiere ist absolute Pflicht.
  • Herzerkrankungen: Insbesondere die Subaortenstenose (SAS), ein angeborener Herzfehler. Ultraschalluntersuchungen der Elterntiere sind wichtig.
  • Cystinurie: Eine genetische Stoffwechselerkrankung, die zu schweren Nieren- und Blasensteinen führt. Es gibt einen sicheren DNA-Test, den seriöse Züchter anwenden.
  • Magendrehung: Um dieses lebensbedrohliche Risiko zu minimieren, sind mehrere kleine Mahlzeiten täglich und eine absolute Ruhepause (2 Stunden) nach dem Fressen unerlässlich.

Pflege: Hundehaare, Schmutz und Sabber

Wer sein Zuhause makellos sauber liebt, sollte keinen Neufundländer halten.

  • Intensive Fellpflege: Das dichte, doppelte Fell muss täglich (oder mindestens mehrmals wöchentlich) tief und sehr gründlich gebürstet und gekämmt werden, besonders hinter den Ohren und in den “Hosen”, um massive Verfilzungen (die zu schmerzhaften Hautentzündungen führen können) zu vermeiden.
  • Der Fellwechsel: Zweimal im Jahr verliert der Neufundländer erhebliche Mengen an Unterwolle.
  • Schmutzmagnet: Das ölige Fell zieht Wasser, Schlamm und Blätter magisch an, die der Hund nach dem Trocknen freigiebig im Haus verteilt.
  • Das Sabbern: Die meisten Neufundländer sabbern (besonders wenn sie aufgeregt sind, fressen oder trinken). Es fliegen regelmäßig Speichelfäden durchs Zimmer. Erfahrene Halter haben immer Handtücher in der Nähe.

Ist ein Neufundländer der richtige Hund für Sie?

Der Neufundländer ist ein anspruchsvoller Hund, nicht im Charakter, sondern in seinen Haltungsbedingungen.

Ein Neufundländer passt zu Ihnen, wenn:

  • Sie ein Haus mit (eingezäuntem) Garten haben und idealerweise in der Nähe eines Sees, Flusses oder des Meeres leben.
  • Sie einen enorm ruhigen, gutmütigen, extrem treuen und kinderlieben Familienhund suchen.
  • Sie bereit und körperlich in der Lage sind, einen gigantischen Hund an der Leine konsequent zu führen (solange die Erziehung noch nicht perfekt sitzt).
  • Sie nicht extrem pingelig sind, wenn es um Hundehaare, Sabber, Pfotenabdrücke und Wasser im Flur geht.

Ein Neufundländer passt nicht zu Ihnen, wenn:

  • Sie in einer Etagenwohnung (insbesondere ohne Aufzug) leben. Er darf keine vielen Treppen steigen.
  • Sie einen sportlichen Partner für Radtouren, langes Joggen oder schnellen Hundesport suchen.
  • Sie Angst vor den hohen Kosten haben, die Riesenrassen verursachen (gigantische Futterrationen, teure Medikamente und potenziell hohe Tierarztkosten).
  • Sie keine Lust auf intensive, tägliche Fellpflege haben.

Wer bereit ist, die Arbeit und die Kosten für diese Riesenrasse auf sich zu nehmen, findet im Neufundländer einen ruhigen, zuverlässigen und familiären Begleiter.

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