Afghanischer Windhund
Mit seinem fließenden, seidigen Fell und seinem majestätischen Auftreten ist der Afghanische Windhund eine alte Rasse, die für ihre Eleganz und unnahbare Unabhängigkeit bekannt ist.
Der Afghanische Windhund, kurz Afghane, gehört zu den ältesten bekannten Hunderassen. Groß, schlank und in ein langes, seidiges Fell gehüllt, ist er ein Windhund, der ursprünglich in Afghanistan und den angrenzenden Bergregionen gezüchtet wurde, um Großwild in rauem Gelände zu jagen. Seine aristokratische Haltung und sein distanzierter Blick sind charakteristisch für die Rasse. Zu Hause wird er oft zum Couch-Liebhaber, ist dabei aber tief an seine eigenen Menschen gebunden.
Geschichte und Herkunft: Der König der Hunde
Der Afghanische Windhund ist eine uralte Rasse. Seine wahren Ursprünge verlieren sich im Nebel der Zeit, aber DNA-Studien bestätigen, dass er zu den ursprünglichsten Hunderassen der Welt gehört. Wie der Name schon vermuten lässt, wurde die Rasse in den Bergen von Afghanistan und den angrenzenden Regionen entwickelt.
Jahrhundertelang waren diese Hunde der geschätzte Besitz von Nomadenstämmen und Königen gleichermaßen. Sie wurden eingesetzt, um in dem rauen, bergigen Gelände Großwild – darunter Leoparden und Gazellen – zu jagen. Ihr langes, seidiges Fell schützte sie vor der bitteren Kälte in den großen Höhenlagen.
Die Rasse wurde derart hoch geschätzt, dass es lange Zeit streng verboten war, sie aus Afghanistan zu exportieren. Erst im frühen 20. Jahrhundert gelangten die ersten Afghanischen Windhunde nach England. Ein Rüde namens Zardin, der 1907 nach London gebracht wurde, wurde zum Maßstab für die gesamte Rasse.
In den 1970er Jahren wurde der Afghanische Windhund zum Symbol für den Bohemian Chic. Sein fließendes Haar und sein eleganter Look passten perfekt zur Mode der damaligen Zeit. Heute ist er in erster Linie ein Ausstellungshund und ein treuer Begleiter, obwohl Liebhaber des Coursing – Hunderennen mit künstlichem Köder – nach wie vor seine Geschwindigkeit und seinen Jagdinstinkt auf die Probe stellen.
Physische Merkmale
Der Afghanische Windhund ist die Eleganz in Person. Er trägt seinen Kopf hoch und bewegt sich mit einem geschmeidigen, federnden Gang.
- Höhe: Rüden 69 cm; Hündinnen 64 cm.
- Gewicht: 23–27 kg.
Markante Eigenschaften
- Fell: Das Markenzeichen der Rasse. Es ist lang, fein und seidig und bedeckt den gesamten Körper mit Ausnahme des Gesichts und des Rückens bei erwachsenen Hunden. Die Pflege dieses Fells erfordert viele Stunden.
- Kopf: Lang und edel geschnitten, mit einem markanten Hinterhauptbein.
- Ohren: Lang und mit seidigem Haar bedeckt.
- Rute: Tief angesetzt und endet in einem Ring oder einer Kurve. Sie ist nur spärlich behaart.
- Hüftknochen: Im Gegensatz zu den meisten anderen Rassen sind die Hüftknochen des Afghanischen Windhundes markant und hoch angesetzt. Diese einzigartige Struktur ermöglicht eine bemerkenswerte Wendigkeit.
Temperament und Persönlichkeit: Eine Katze im Hundepelz
Afghanische Windhunde sind nicht wie andere Hunde. Sie werden oft als katzenhaft beschrieben – und das aus gutem Grund.
Unnahbar und Unabhängig
Erwarten Sie nicht, dass ein Afghanischer Windhund Sie mit wedelnder Rute und einem feuchten Kuss an der Tür begrüßt. Vielleicht nimmt er Ihre Anwesenheit mit einem leichten Nicken zur Kenntnis, vielleicht ignoriert er Sie aber auch völlig. Er entscheidet selbst, wann und wem er seine Zuneigung schenkt. Gegenüber Fremden ist er in der Regel misstrauisch und gleichgültig.
Der Clown
Trotz ihrer Würde können Afghanen im Kreis ihrer Familie sehr albern sein. Sie haben eine schelmische Ader und sind dafür bekannt, Essen zu stehlen, Türen zu öffnen und Gegenstände zu horten. Wenn sie spielen, tun sie dies ausgelassen und clownhaft.
Der Jäger
Der Beutetrieb ist stark ausgeprägt. Wenn etwas wegrennt, wird der Afghane es jagen. Und er wird es fangen. Kein Training der Welt kann diesen tief verwurzelten Instinkt vollständig unterdrücken. In nicht eingezäunten Bereichen kann man ihnen ohne Leine niemals zu 100 % vertrauen.
Training und Bewegungsbedarf
Bewegung
Der Afghanische Windhund ist ein Sprinter.
- Rennen: Er braucht die Möglichkeit, in einem sicheren, geschlossenen Bereich aus vollem Lauf zu rennen. Ein großer, hoch eingezäunter Garten ist ideal.
- Spaziergänge an der Leine: Lange tägliche Spaziergänge sind notwendig, werden aber sein Bedürfnis nach Geschwindigkeit nicht vollständig befriedigen.
- Coursing: Dieser Sport simuliert die Jagd und ist ein hervorragendes Ventil für seine Energie.
Training
Einen Afghanischen Windhund zu trainieren ist eine echte Herausforderung.
- Intelligenz: Er ist sehr schlau, aber ein unabhängiger Denker. Er sieht keinen Sinn darin, Befehlen zu gehorchen, es sei denn, es springt etwas Lohnenswertes für ihn dabei heraus.
- Sensibilität: Er ist feinfühlig. Grober Umgang oder harte Worte führen dazu, dass er sich verschließt oder nachtragend wird.
- Geduld: Sie brauchen viel Geduld. Halten Sie die Trainingseinheiten kurz, spaßig und konsequent positiv. Erwarten Sie keine Präzision wie bei Gehorsamkeitswettbewerben.
Gesundheit und Lebenserwartung
Afghanische Windhunde sind im Allgemeinen gesunde Hunde mit einer Lebenserwartung von 12 bis 14 Jahren.
- Anästhesieempfindlichkeit: Wie viele Windhunde haben Afghanen einen sehr geringen Körperfettanteil. Dies macht sie empfindlich gegenüber Narkosemitteln. Stellen Sie sicher, dass Ihr Tierarzt darüber gut informiert ist.
- Magendrehung (GDV): Ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem sich der Magen um die eigene Achse dreht.
- Hüftgelenksdysplasie (HD): Kann in einigen Fällen auftreten.
- Katarakte: Juvenile Katarakte können in schweren Fällen zur Erblindung führen.
- Schilddrüsenprobleme: Eine Schilddrüsenunterfunktion wird gelegentlich beobachtet.
Pflege und Haltung
Einen Afghanischen Windhund zu besitzen, ist aufgrund seines Fells eine bewusste Lebensentscheidung.
- Bürsten: Täglich. Nicht wöchentlich. Täglich. Sie müssen das Fell Schicht für Schicht bürsten, um Verfilzungen zu vermeiden. Wenn Sie ein paar Tage auslassen, haben Sie ein verfilztes Chaos, das schlimmstenfalls geschoren werden muss.
- Baden: Wöchentliche Bäder sind erforderlich, um das Fell sauber und gepflegt zu halten.
- Snoods: Sie benötigen Stoffröhren, die sogenannten Snoods, um seine Ohren beim Fressen abzudecken und sie so aus dem Futternapf fernzuhalten.
- Professionelle Hilfe: Viele Besitzer verlassen sich auf professionelle Hundefriseure, was auf Dauer recht kostspielig sein kann.
Ernährung
Afghanen sind von Natur aus schlanke Hunde.
- Wählerisch: Sie können beim Fressen sehr wählerisch sein.
- Qualität: Hochwertiges Protein ist für die Gesundheit des anspruchsvollen Fells unerlässlich.
- Gewicht: Lassen Sie sie nicht übergewichtig werden, aber denken Sie daran, dass es bei dieser Rasse aufgrund ihres Körperbaus normal ist, die Rippen und Hüftknochen leicht sehen zu können.
Passt ein Afghanischer Windhund zu Ihnen?
Der Afghanische Windhund ist ein spektakuläres Tier, aber er ist in jeder Hinsicht anspruchsvoll und arbeitsintensiv.
Ja, wenn:
- Sie sich von seiner einzigartigen, unabhängigen Persönlichkeit angezogen fühlen.
- Sie einen großen, sicher und hoch eingezäunten Garten (mindestens 1,80 Meter) haben.
- Sie die Fellpflege lieben oder es sich leisten können, regelmäßig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
- Sie geduldig sind und keinen Hund brauchen, der an Ihren Lippen hängt.
Nein, wenn:
- Sie einen Hund wollen, der Befehlen augenblicklich gehorcht.
- Sie einen pflegeleichten Hund suchen.
- Sie kleine Haustiere wie Katzen oder Kaninchen haben, die weglaufen könnten.
- Sie einen Hund wollen, der jeden Menschen liebt, den er trifft.
Für die richtige Person ist das Leben mit einem Afghanischen Windhund eine besondere Erfahrung. Er verbindet eine lange Geschichte, ausgeprägte Unabhängigkeit und eine bemerkenswert eigenwillige Persönlichkeit.
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