Berner Sennenhund
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Berner Sennenhund

Der Berner Sennenhund ist eine der vier Schweizer Sennenhunderassen aus der Region Bern, die ursprünglich als Zug- und Hütehund auf Bergbauernhöfen eingesetzt wurde.

Herkunft
Schweiz
Größe
Large
Lebenserwartung
7-10 Jahre
Temperament
Anhänglich, Loyal, Treu, Intelligent, Sanftmütig

Der Berner Sennenhund ist eine der vier Varianten der Sennenhunde aus den Schweizer Alpen. Ursprünglich als Bauernhofhunde zum Ziehen von Karren und zum Hüten von Vieh gezüchtet, sind sie heute als sanfte und hingebungsvolle Familienbegleiter beliebt.

Ursprung und Geschichte

Der Berner Sennenhund ist eine der vier Schweizer Sennenhunderassen und verdankt seinen Namen der Region Bern in der Schweiz. Die Rasse hat eine Geschichte, die Tausende von Jahren zurückreicht – nach einer verbreiteten Theorie gehen die Schweizer Sennenhunde auf Hunde zurück, die die römischen Legionen vor über 2.000 Jahren in die Alpen brachten und dort zurückließen.

Über Jahrhunderte hinweg waren diese kräftigen, dreifarbigen Hunde unverzichtbare Arbeitspartner der Schweizer Bergbauern im Mittelland rund um Bern. Sie dienten verschiedenen Zwecken: Sie zogen schwere Karren mit Milch und anderen landwirtschaftlichen Produkten zu den Märkten, hüteten das Vieh auf den Alpweiden und waren zuverlässige Wachhunde auf den Bauernhöfen. Die Strecken, die Berner Sennenhunde mit beladenen Karren zurücklegten, konnten beachtlich sein – ein Beleg für ihre Kraft und Ausdauer.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Rasse in ihrer Existenz durch Kreuzungen und nachlassenden Bedarf als Arbeitshund gefährdet. Der Schweizer Kynologe Professor Albert Heim setzte sich aktiv für die Erhaltung der alten Schweizer Sennenhunderassen ein. 1907 gründete er mit anderen Enthusiasten den ersten Berner Sennenhund-Verein in Burgdorf, nahe Bern. Die Registrierung begann systematisch, und die Rasse wurde international bekannt.

In den 1920er Jahren gelangte der Berner Sennenhund nach Europa und bald auch nach Nordamerika, wo er rasch begeisterte Anhänger fand. Der American Kennel Club erkannte die Rasse 1937 offiziell an. Heute ist der Berner Sennenhund eine der bekanntesten und beliebtesten Schweizer Exporte der Hundewelt.

Körperliche Merkmale

Der Berner Sennenhund ist ein großer, kräftiger und gut proportionierter Hund mit einer unverwechselbaren Erscheinung. Rüden erreichen eine Schulterhöhe von 64 bis 70 Zentimetern und ein Gewicht von 35 bis 55 Kilogramm. Hündinnen sind mit 58 bis 66 Zentimetern und 30 bis 45 Kilogramm etwas kleiner, aber ebenfalls von eindrucksvoller Statur.

Das bekannteste Erkennungsmerkmal des Berners ist sein prächtiges, langes, seidiges Fell in drei Farben: Ein tiefes Schwarz als Grundfarbe, sattes Rostbraun an den Wangen, über den Augen, an der Brust und an den Beinen, sowie klares Weiß an Schnauze, Stirnblesse, Brust, Pfoten und Rutenspitze. Diese charakteristische Dreifarbigkeit ist im Rassestandard genau festgelegt und ist sofort wiedererkennbar.

Der Kopf ist kräftig, flach und breit mit einem leichten Stopp. Die Augen sind mandelförmig, dunkelbraun und haben einen warmen, freundlichen Ausdruck, der den sanften Charakter des Hundes widerspiegelt. Die Ohren sind mittelgroß, dreieckig und hängen flach am Kopf an.

Temperament und Persönlichkeit

Der Berner Sennenhund ist für seinen außergewöhnlich freundlichen, sanftmütigen und loyalen Charakter bekannt. Er ist ein echter Familienhund, der tiefe Bindungen zu jedem Mitglied seiner Menschenfamilie aufbaut und die menschliche Gesellschaft über alles schätzt. Berner gedeihen in Familien, die sie als vollwertige Mitglieder behandeln und einbeziehen.

Eines der herausragendsten Merkmale des Berners ist seine natürliche Geduld und Sanftmut im Umgang mit Kindern. Er ist bekannt dafür, ruhig und tolerant gegenüber Kindern zu sein. Diese Sanftmut sollte jedoch nicht mit Passivität verwechselt werden – er ist auch ein wachsamer Hund, der seine Familie im Ernstfall schützen würde.

Fremden gegenüber sind Berner Sennenhunde in der Regel zurückhaltend, aber nicht aggressiv. Sie beobachten neue Menschen zunächst mit einer natürlichen Reserve, bevor sie sich öffnen. Eine gute Sozialisierung hilft, diese natürliche Schüchternheit in eine gesunde, selbstbewusste Neutralität zu verwandeln.

Berner neigen dazu, sich besonders eng an eine Person zu binden, obwohl sie alle Familienmitglieder lieben. Diese tiefe Loyalität ist eine der schönsten Eigenschaften der Rasse, geht aber auch mit einer Anfälligkeit für Trennungsangst einher.

Erziehung und Intelligenz

Berner Sennenhunde sind intelligent, lernwillig und insgesamt dankbare Ausbildungspartner. Sie wollen ihren Menschen gefallen und reagieren gut auf positive, ermutigende Trainingsmethoden. Da sie sensibel für den Ton ihrer Besitzer sind, sollte das Training stets freundlich, ruhig und konsequent gestaltet sein.

Berner reifen langsam und behalten oft bis ins dritte Lebensjahr eine welpenhafte Energie und Verspieltheit. Dies bedeutet, dass das Training Geduld erfordert und nicht erwartet werden sollte, dass ein junger Berner sofort ausgeglichen und konzentriert ist. Mit der Zeit und konsistenter Führung entwickelt er sich zu einem außerordentlich zuverlässigen Hund.

Frühe Sozialisierung ist wichtig, um der natürlichen Schüchternheit gegenüber Fremden entgegenzuwirken. Kontakt mit verschiedenen Menschen, Tieren, Umgebungen und Situationen in den ersten Lebensmonaten legt den Grundstein für einen selbstbewussten, entspannten erwachsenen Hund.

Berner eignen sich für eine Reihe von Hundesportarten: Zugarbeit (Drafting), Obedience, Agility und Therapiearbeit. Die Zugarbeit – das Ziehen von Karren – entspricht ihrer historischen Funktion und ist für viele Berner eine tief befriedigende Aufgabe.

Gesundheit und Pflege

Der Berner Sennenhund ist leider eine Rasse mit bekannten, ernsthaften Gesundheitsrisiken, die seine Lebenserwartung auf 7 bis 10 Jahre begrenzen. Krebserkrankungen sind in der Rasse unverhältnismäßig häufig – Studien zeigen, dass bis zu 50% aller Berner an Krebs sterben. Histiozytäre Erkrankungen, insbesondere das maligne Histiozytom, ist eine besonders typische und aggressive Krebsform in der Rasse.

Hüft- und Ellenbogendysplasie sind ebenfalls häufige Probleme. Seriöse Züchter röntgen ihre Zuchttiere und verfügen über entsprechende Zertifikate. Magendrehung (GDV), Herzerkrankungen und verschiedene Gelenkprobleme kommen ebenfalls vor.

Das üppige Fell des Berners erfordert regelmäßige Pflege. Mehrmals wöchentliches Bürsten verhindert Verfilzungen, insbesondere hinter den Ohren und in den Achseln. Zweimal jährlich findet ein intensiver Fellwechsel statt. Regelmäßige Ohrenkontrollen, Krallenpflege und Zahnhygiene sind ebenfalls wichtig.

Bewegung und Aktivität

Berner Sennenhunde brauchen tägliche moderate Bewegung – keine Extremsportler, aber auch keine Sofakissen. Ein bis zwei Stunden Bewegung täglich in Form von Spaziergängen, Wanderungen oder Spielzeiten im Garten sind ideal. Sie sind robuste Outdoor-Hunde, die das Leben in der Natur genießen und kühles Wetter bevorzugen.

In der Hitze ist Vorsicht geboten: Das dichte Doppelfell schützt zwar vor Kälte, macht aber empfindlich für Überhitzung in warmen Monaten. Spaziergänge sollten in den kühleren Tageszeiten stattfinden.

Berner lieben es, eine Aufgabe zu haben. Zugarbeit, das Tragen leichter Lasten (Rucksackspaziergänge) oder das Erlernen komplexer Aufgaben befriedigt den arbeitenden Geist dieser Rasse besonders.

Für wen ist er geeignet?

Der Berner Sennenhund ist ideal für Familien, Paare und Einzelpersonen, die einen großen, sanftmütigen und tief anhänglichen Hund lieben. Er eignet sich besonders gut für das Leben auf dem Land oder in der Vorstadt mit Zugang zu Grünflächen. Er braucht Menschen, die Zeit mit ihm verbringen möchten, ihn in das Familienleben einbeziehen und die emotionale und körperliche Bindung zu einem großen Hund schätzen.

Die kürzere Lebenserwartung und die bekannten Gesundheitsrisiken sind Aspekte, über die sich angehende Besitzer im Vorfeld informieren und ehrlich nachdenken sollten. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – berichten Berner-Besitzer regelmäßig von einer besonders intensiven, unvergesslichen Beziehung zu ihren Hunden.

Wer einem Berner Sennenhund ein geeignetes Zuhause bietet, erhält einen treuen, sanften und zuverlässigen Begleiter.

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