Dogue de Bordeaux
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Dogue de Bordeaux

Die Bordeauxdogge, der französische Mastiff, weltweit berühmt geworden durch den Film 'Scott & Huutsch', ist ein massiver, stark faltiger Wächter mit einem sanften Herzen und sehr viel Sabber.

Herkunft
Frankreich
Größe
Large
Lebenserwartung
5-8 Jahre
Temperament
Loyal, Anhänglich, Mutig, Ruhig, Wachsam

Die Dogue de Bordeaux – im deutschsprachigen Raum als Bordeauxdogge bekannt – ist ein Hund der Superlative: der vergleichsweise größte Kopf im Verhältnis zur Körpergröße unter allen Hunderassen, tiefe ausdrucksstarke Gesichtsfalten und eines der weichsten Herzen, die ein großer Hund haben kann.

Weltweite Bekanntheit erlangte die Rasse 1989 als „Hooch” – der sabbernde, chaotische, aber liebenswerte Filmpartner von Tom Hanks in Scott & Huutsch. Der Film übertrieb die Zerstörungswut für komödiantische Zwecke, traf den Wesenskern aber durchaus: eine gewaltige, bisweilen sture Naturgewalt von einem Hund, die sich mit jeder Faser an ihren Menschen bindet. Nach außen respekteinflößend, zu Hause meist eine entspannte, verschmuste Couch-Potato.

Geschichte und Herkunft: Der uralte Wächter Frankreichs

Die Dogue de Bordeaux ist eine der ältesten Hunderassen Frankreichs, deren Geschichte mindestens 600 Jahre zurückreicht. Als Vorfahren gelten die Alaunt-Hunde – gewaltige, molossartige Kriegshunde, die von Nomadenstämmen und römischen Legionen aus dem Osten nach Europa gebracht wurden.

Über Jahrhunderte war die Bordeauxdogge ein vielseitiger Arbeitshund für schwere Aufgaben: Sie streckte Wildschweine und Bären bei der Jagd, bewachte die Weinberge und Schlösser der Aristokratie und wurde – zu ihrem Nachteil – auch in brutalen Tierhetzen eingesetzt.

Knapp dem Aussterben entronnen

Während der Französischen Revolution wurden viele Bordeauxdoggen getötet, weil sie ihre adeligen Herren verteidigten oder schlicht als Symbol des Reichtums galten. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Rasse erneut vor dem Aus: In den 1960er Jahren soll es in ganz Frankreich weniger als ein Dutzend zuchtfähige Paare gegeben haben. Wenige engagierte Züchter retteten die Rasse in letzter Minute. Heute gilt sie als nationaler Schatz Frankreichs.

Physische Eigenschaften: Ein Kopf wie ein Felsblock

Die Bordeauxdogge ist massiv, muskulös und kompakt gebaut – nicht so hochbeinig wie eine Deutsche Dogge, aber dafür außergewöhnlich dicht und schwer.

  • Widerristhöhe: Rüden 60–68 cm; Hündinnen 58–66 cm.
  • Gewicht: Rüden mindestens 50 kg laut FCI-Standard, in der Praxis oft über 65 kg. Hündinnen ab 45 kg.

Der Kopf

Das unverkennbare Merkmal der Rasse. Er ist massiv, breit, kantig und von loser, tief gefurchter Haut bedeckt. Die Symmetrie der Falten ist im Showring ein entscheidendes Kriterium.

Die Rasse ist anatomisch ein Vorbeißer: Der Unterkiefer ragt über den Oberkiefer hinaus, was zum charakteristischen Gesichtsausdruck beiträgt – und zur beträchtlichen Speichelproduktion. Viele Hunde tragen eine dunkle Maske rund um Schnauze und Augen.

Fell und Haut

Das Fell ist kurz, fein und fühlt sich fast samtig an. Die zulässigen Farben reichen von sattem Mahagonirot bis zu hellerem Goldgelb. Die Haut sitzt am gesamten Körper locker, besonders ausgeprägt am Hals und Nacken.

Temperament und Persönlichkeit: Der Gigant mit dem sanften Herzen

Das furchterregende Äußere täuscht. Die Dogue de Bordeaux ist von Natur aus kein aggressiver Angreifer, sondern ein stoischer Wächter.

Sie bellt selten grundlos. Wenn sie aus tiefer Brust anschlägt, hat das einen Grund. Bei tatsächlichen Bedrohungen verlässt sie sich auf ihre bloße Präsenz – sie stellt sich auf, grummelt tief und weicht nicht zurück, ohne wahllos zu attackieren.

Trotz ihrer Größe ist sie emotional sensibel und eng an die Familie gebunden. Isolation erträgt sie schlecht; als reiner Außenhund oder im Zwinger ohne Familienanschluss leidet sie seelisch. Mit Kindern im Haushalt ist sie in der Regel sanft und rücksichtsvoll – aber ihre schiere Körpermasse erfordert immer Aufsicht, denn sie kann ein Kleinkind beim Umdrehen unabsichtlich umwerfen.

Der Eigensinn der Rasse ist ausgeprägt. Ein Befehl wie „Platz!” wird nicht blind ausgeführt – sie prüft zunächst und reagiert dann in eigenem Tempo. Eine schnelle, reflexartige Gehorsamkeit wie bei Retriever-Rassen ist von ihr nicht zu erwarten.

Trainings- und Bewegungsbedürfnisse

Bewegung: Kurz und sinnvoll

Die Bordeauxdogge ist kein Ausdauersportler. Zwei kurze Spaziergänge von jeweils 15–20 Minuten täglich reichen für die körperliche Grundfitness.

Hitzegefahr: Durch die verkürzte Schnauze (Brachyzephalie) und das hohe Körpergewicht ist sie hochgradig anfällig für Hitzschlag. Im Sommer müssen Spaziergänge auf die kühlen Morgen- und Abendstunden beschränkt werden; tagsüber gehört sie in klimatisierte Räume.

Welpenentwicklung: Harte körperliche Belastung – Treppensteigen, Springen, langes Laufen – muss vermieden werden, bis der Hund mit etwa 18–24 Monaten orthopädisch ausgewachsen ist. Die schweren wachsenden Gelenke sind empfindlich.

Erziehung: Führung durch Respekt

Körperliche Gewalt funktioniert bei einem 65-Kilo-Hund nicht – und wäre falsch. Führung entsteht durch ruhige Konsequenz.

Die Bordeauxdogge braucht einen souveränen, gefestigten Menschen. Unsicherheit oder Inkonsequenz nimmt sie wahr und füllt die entstandene Lücke selbst. Positive Verstärkung mit Leckerlis und Lob funktioniert gut, muss aber mit klaren, unverrückbaren Grenzen verbunden sein.

Frühe Sozialisation ist bei dieser wehrhaften Rasse unverzichtbar: Welpenkurs, viele Menschen, andere Hunde. Nur so bleibt ihr natürlicher Schutztrieb als erwachsener Hund kontrollierbar.

Gesundheit und Lebenserwartung

Die Lebenserwartung liegt bei 5 bis 8 Jahren – das ist der schwierigste Aspekt der Bordeauxdoggen-Haltung. Wer diese Rasse liebt, muss von Anfang an akzeptieren, dass der Abschied früh kommt.

  • Magendrehung (GDV): Die häufigste akute Todesursache bei tiefbrüstigen, schweren Rassen. Absoluter Notfall, ohne sofortige Operation tödlich. Zwei Stunden Ruhe nach dem Fressen sind Pflicht.
  • Herzerkrankungen: Dilatative Kardiomyopathie (DCM) und Aortenstenose sind verbreitet.
  • Krebs: Lymphome und Osteosarkom treten häufig auf, oft schon in jungen Jahren.
  • Gelenkprobleme: Hüft- und Ellbogendysplasie sind bei diesem Gewicht verbreitet. Röntgenbefunde der Elterntiere sollte jeder seriöse Züchter vorlegen können.
  • Epilepsie: In manchen Zuchtlinien vorkommend.

Pflege: Die große Sauerei

Der Sabber

Es gibt keinen netten Weg, das zu formulieren: Die Dogue de Bordeaux sabbert – viel und ständig. Beim Trinken, Essen oder Aufregung entstehen lange, zähe Speichelfäden, die an Wänden, Decken und Kleidung landen. In jedem Zimmer sollten Handtücher griffbereit liegen. Wer penibel auf Sauberkeit achtet, wird dauerhaft unglücklich sein.

Faltenpflege

Die Falten im Gesicht und am Hals fangen Feuchtigkeit, Futterreste und Staub. Sie müssen täglich mit einem feuchten, antibakteriellen Tuch gereinigt und danach vollständig getrocknet werden. Vernachlässigung führt zu bakteriellen Entzündungen und Pilzinfektionen.

Fell

Ein wöchentliches Abreiben mit einem Gummihandschuh hält das Fell sauber. Die Haarabgabe ist moderat – kurze Haare, die sich in Teppichen verfangen, aber keine Wollmäuse durch die Wohnung treiben.

Für wen ist sie geeignet?

Ja, wenn Sie:

  • einen ruhigen, treuen Schutzhund suchen, der durch Präsenz wirkt, nicht durch Aggression.
  • selbst eine ruhige, souveräne Art haben und einen besonnenen Hund einem hyperaktiven vorziehen.
  • viel Zeit zu Hause verbringen und den Hund in den Alltag einbinden können.
  • Humor haben und Sabber, Schnarchen und tiefes Grummeln als Charme der Rasse akzeptieren.

Nein, wenn Sie:

  • auf penible Sauberkeit in der Wohnung Wert legen. Der Sabber ist real und unvermeidbar.
  • einen Lauf- oder Sportpartner suchen. Die Rasse kann keine anhaltende körperliche Belastung tolerieren.
  • ein begrenztes Tierarztbudget haben. Große, schwere Hunde bedeuten hohe laufende Kosten für Futter, Medikamente und Tierarztbehandlungen.
  • sich emotional schwer von einem Hund nach 5 oder 6 Jahren trennen könnten.

Wer mit dem Sabber, den Pflegeaufwand, den laufenden Kosten und der vergleichsweise kurzen Lebenserwartung realistisch umgehen kann, findet in der Dogue de Bordeaux einen tief loyalen, ruhigen und zuverlässigen Schutzhund.

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