English Setter
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English Setter

Der English Setter ist eine der ältesten britischen Vorstehhunderassen mit einer über 400-jährigen Geschichte. Er wird für sein charakteristisches Belton-Fellmuster bekannt und existiert in zwei Linien: einer auf Schönheit gezüchteten Showlinie und einer auf Jagdleistung ausgerichteten Feldlinie.

Herkunft
Vereinigtes Königreich (Großbritannien)
Größe
Large
Lebenserwartung
11-12 Jahre
Temperament
Sanftmütig, Anhänglich, Freundlich, Ruhig, Energisch

Der English Setter ist ein Vorstehhund mit fließendem seidigen Fell und ruhigem, sanftmütigem Charakter. Er wurde gezüchtet, um weiträumige Moorlandschaften nach Federwild abzusuchen. Im Haus zeigt er sich ruhig und anhänglich; im Gelände wacht der jagdliche Instinkt sofort auf.

Geschichte und Herkunft: 400 Jahre auf dem Feld

Der English Setter gehört zu den ältesten Vorstehhunderassen und lässt sich in England über 400 Jahre zurückverfolgen. Vor der Verbreitung von Jagdgewehren fingen Jäger Vögel mit Wurfnetzen. Sie benötigten einen Hund, der das Federwild mit feiner Nase aufspürte und sich dann flach auf den Boden drückte – er „setzte” sich. Diese Körperhaltung ermöglichte dem Jäger, das Netz über Hund und Vögel gleichzeitig zu werfen. Daher der Name: Setter. Mit dem Aufkommen moderner Jagdgewehre wurde der Setter umgezüchtet, um aufrecht, wie erstarrt, vor dem Wild zu stehen.

Laverack versus Llewellin

Im 19. Jahrhundert prägten zwei Züchter die Rasse nachhaltig, und ihre Linien existieren bis heute:

  1. Edward Laverack konzentrierte sich auf Schönheit und den Showring. Die größeren, reich befederten Ausstellungshunde werden noch heute als „Laverack-Setter” bezeichnet.
  2. R. Purcell Llewellin fokussierte sich ausschließlich auf jagdliche Leistung. Die kleineren, schnelleren, leichter behaarten Arbeitshunde heißen „Llewellin-Setter”.

Diese Spaltung in Show-Typ und Arbeits-Typ ist bis heute spürbar und für Interessenten wichtig zu kennen.

Physische Eigenschaften: Die Belton-Schönheit

Der English Setter ist ein eleganter, substanzvoller Hund, der athletische Kraft mit anmutiger Leichtigkeit verbindet.

  • Widerristhöhe: Rüden 61–69 cm; Hündinnen 58–66 cm.
  • Gewicht: 20–36 kg. Showlinien sind schwerer gebaut als Feldlinien.

Das Belton-Fell

Das charakteristische Belton-Muster – ein Begriff, den Edward Laverack prägte – beschreibt ein weißes Grundfell, das dicht mit kleinen farbigen Haaren gesprenkelt ist. Große, zusammenhängende Farbflächen auf dem Körper sind unerwünscht; am Kopf sind Flecken typisch. Die Varianten:

  • Blue Belton: Weiß mit schwarzen Sprenkeln (wirkt aus der Ferne bläulich-grau).
  • Orange Belton: Weiß mit orangen oder goldenen Sprenkeln.
  • Lemon Belton: Weiß mit hellen, zitronengelben Sprenkeln.
  • Liver Belton: Weiß mit dunkelbraunen Sprenkeln.
  • Tricolor: Blue Belton mit zusätzlichen Loh-Abzeichen an Wangen, Augen und Beinen.

Das Deckhaar ist flach, seidig und liegt glatt an. Die langen Befederungen an Ohren, Brust, Bauch, Schenkeln und Rute sind die optische Pracht der Rasse. Die Rute wird waagerecht getragen, das lange Haar hängt wie eine Fahne.

Temperament und Persönlichkeit

Die sanfte Seele

Er ist zärtlich, sehr anhänglich und etwas bedürftig. Er sucht ständig körperliche Nähe – lehnt sich gegen die Beine, versucht auf den Schoß zu klettern, obwohl er 30 Kilo wiegt. Mit Kindern ist er geduldig und sanft; mit anderen Hunden in der Regel problemlos verträglich.

Der entspannte Mitbewohner

Im Haus ist der English Setter ruhig und unauffällig. Er ist kein hektischer, nervöser Hund – solange er sich ausreichend bewegt hat, ist er mit dem Sofa als Tagesprogramm vollauf zufrieden. Diese Ruhe endet schlagartig, wenn er draußen Vogelwitterung aufnimmt.

Der eigensinnige Jäger

Wie viele Vorstehhunde ist er ein eigenständiger Denker. Er wurde darauf gezüchtet, in großem Abstand vom Jäger selbst zu entscheiden, wo das Wild steckt. Dieser Instinkt übersetzt sich im Training oft als Sturheit oder „Taubheit”. Er ist dabei weder böswillig noch unklug – er ist oft schlicht der Meinung, besser Bescheid zu wissen als sein Mensch. Wenn es um Vögel geht, hat er damit oft Recht.

Trainings- und Bewegungsbedürfnisse

Bewegung: Viel raumgreifendes Laufen

Ein langer Dauerlauf, eine ausgedehnte Wanderung oder eine intensive Spielsession sind täglich nötig. Ein kurzer Spaziergang an der Leine reicht nicht; er muss seinen typischen fliegenden Galopp ausleben können. Ein sicher und hoch eingezäunter Garten ist Pflicht – bei Vogelwitterung folgt er der Spur blind über Zäune und durch Landkreise, ohne auf Straßenverkehr zu achten.

Erziehung: Die weiche Hand

Der English Setter ist emotional sensibel. Harte Korrekturen oder lautes Schimpfen lassen ihn innerlich zusammenbrechen – er klemmt den Schwanz ein, schaut mit traurigen Augen und stellt die Mitarbeit ein. Positive Verstärkung mit Lob, Leckerlis und Spielzeug funktioniert gut.

Den Jagdinstinkt kann man nicht abtrainieren, nur managen. An Schleppleinen in wildreichen Gebieten arbeiten ist sinnvoll. Der Rückruf ist die größte Herausforderung: früh beginnen, täglich üben, im ungesicherten Gelände niemals auf vollständige Zuverlässigkeit vertrauen.

Gesundheit und Lebenserwartung

Der English Setter ist generell eine robuste Rasse mit einer Lebenserwartung von 11 bis 12 Jahren.

  • Hüft- und Ellbogendysplasie: Bei einer Rasse dieser Größe ein orthopädisches Grundrisiko. Röntgennachweise der Elterntiere sind beim Welpenkauf wichtig.
  • Angeborene Taubheit: Das Gen für das weiße Grundfell ist biologisch mit Taubheit verknüpft. Seriöse Züchter testen alle Welpen mit dem BAER-Test.
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): In der Rasse relativ häufig; äußert sich durch Gewichtszunahme und stumpfes Fell; medikamentös gut behandelbar.
  • Hautallergien: Können hartnäckig sein und verschiedene Ursachen haben.

Pflege

Das seidige Fell verlangt Einsatz.

Bürsten: Mindestens dreimal wöchentlich gründlich durchkämmen, besonders die Befederungen an Beinen, Achseln und Ohren. Verfilzungen entstehen schnell und sind schmerzhaft.

Trimmen: Die Haare zwischen den Pfotenballen wachsen dicht und machen die Pfoten zu rutschigen Schlappen auf glattem Boden – regelmäßiges Kürzen ist nötig.

Ohren: Die langen, schweren, dicht behaarten Ohren schließen den Gehörgang fast ab. Wöchentliche Reinigung mit Ohrreiniger verhindert hartnäckige Hefe- und Bakterieninfektionen.

Sabber: Kein Mastiff-Niveau, aber einige Setter sabbern nach dem Trinken oder beim Betteln etwas.

Für wen ist er geeignet?

Ja, wenn Sie:

  • aktiv sind und täglich ausgiebig wandern oder laufen.
  • einen sanftmütigen, geduldigen Familienhund suchen.
  • Fellpflege nicht scheuen, sondern als entspannten Abendritus genießen.
  • einen sicher eingezäunten Garten haben.

Nein, wenn Sie:

  • in einer Stadtwohnung leben. Er braucht Platz und täglichen Auslauf in der Natur.
  • einen Wachhund suchen. Er würde einem Einbrecher eher zeigen, wo das Silberbesteck liegt.
  • einen zuverlässig abrufbaren Freilaufhund in wildreichem Gelände wünschen.
  • penible Sauberkeit priorisieren. Er haart, bringt Schlamm ins Haus und sabbert gelegentlich.

Wer den Bewegungsbedarf und die Fellpflege erfüllt, bekommt vom English Setter einen ruhigen, anhänglichen und zuverlässigen Begleiter zurück.

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