German Wirehaired Pointer
Der Deutsch Drahthaar (GWP) ist ein deutscher Jagdgebrauchshund, der im späten 19. Jahrhundert für schwieriges Gelände und nasses Unterholz entwickelt wurde. Sein hartes, drahtiges Fell und sein markanter Bart schützen ihn bei der Arbeit; er kombiniert Vorstehen, Apportieren und Fährtenarbeit in einem robusten, langlebigen Körperbau.
Der Deutsch Drahthaar wurde in Deutschland gezielt für raue Geländebedingungen entwickelt. Er ist knochenstärker und robuster als der Deutsch Kurzhaar und bewährt sich in Brombeerdickichten, Schilf und Eiswasser bei allen Jagdaufgaben: Vorstehen, Apportieren und Fährenarbeit.
Sein hartes, drahtiges Fell, der ausdrucksstarke Bart und die buschigen Augenbrauen machen ihn auf den ersten Blick unverwechselbar. Dahinter steckt ein Hund von schwerem Charakter – kein Schoßhund, kein Nebenbei-Begleiter. Für den aktiven Jäger oder die sportliche Familie, die einen Partner sucht, der nie aufgibt, ist er eine außerordentliche Wahl. Die FCI führt ihn unter Standard Nr. 98.
Geschichte und Herkunft
Der Deutsch Drahthaar ist eine vergleichsweise junge Rasse, die im späten 19. Jahrhundert in Deutschland entwickelt wurde. Während britische Züchter ihre Jagdhunde immer weiter spezialisierten, verfolgten deutsche Jäger einen anderen Ansatz: Sie wollten einen einzigen Hund, der alles kann. Den perfekten Gebrauchshund.
Das Problem: Die damaligen Vorstehhunde rissen sich in den dichten, dornigen deutschen Wäldern die Haut blutig. Man brauchte ein Fell, das wie ein Kettenhemd funktioniert. Züchter kreuzten den Deutsch Kurzhaar systematisch mit rauhaarigen, wasserfrohen Rassen – vor allem dem Pudelpointer, dem Griffon Korthals und dem deutschen Stichelhaar.
Das Ergebnis war ein Hund mit der Nase eines Laufhundes, der Wasserfreude eines Pudels und einem Fell, das ihn durch Brombeerhecken brechen lässt, ohne einen Kratzer zu hinterlassen. In den 1920er Jahren offiziell anerkannt, ist der Deutsch Drahthaar seither der meistgenutzte Jagdhund der deutschen Jägerschaft.
Physische Eigenschaften
Der GWP ist mittelgroß bis groß und knochenstärker als sein kurzhaariger Cousin.
- Widerristhöhe: Rüden 61–68 cm; Hündinnen etwas kleiner.
- Gewicht: 23–32 kg.
Das Drahthaar-Fell
Das Fell ist das Markenzeichen der Rasse – funktional, nicht dekorativ.
Deckhaar: Gerade, harsch, drahtig, flach am Körper anliegend, etwa 2–4 cm lang.
Unterwolle: Unter dem Drahtpanzer liegt eine dichte, weiche Unterwolle, die wie ein Neoprenanzug isoliert – im Winter kaum sichtbar, im Sommer deutlich reduziert.
Das Doppelfell ist wasserabweisend und schützt die Haut zuverlässig vor Dornen, Kletten und nassem Unterholz.
Das Gesicht
Ein Deutsch Drahthaar ist sofort erkennbar: Der markante Bart schützt die Schnauze beim Suchen im Boden; die buschigen Augenbrauen schützen die Augen vor peitschenden Ästen. Diese Gesichtszüge verleihen ihm einen würdevoll-grimmigen Ausdruck – bis man den Schalk in seinen dunklen Augen entdeckt.
Temperament und Persönlichkeit
Der reservierte Wächter
Anders als der Deutsch Kurzhaar, der Fremden gegenüber offen und freundlich ist, bleibt der Drahthaar bei Unbekannten zurückhaltend und misstrauisch. Er ist von Natur aus territorial und beschützend. Ein guter, unterscheidender Wachhund – er meldet Fremde lautstark und klar. Sein Herz gehört fast ausschließlich seiner eigenen Familie.
Der Arbeitsbesessene
Er hat einen Ausschalter für das Haus – aber sobald er draußen ist, wird er zur Maschine. Sein Beutetrieb auf Kaninchen, Rehe, Füchse und Katzen ist ausgeprägt. Bei der Fährtenarbeit ist er zielstrebig und kann stur werden: Hat er eine Witterung aufgenommen, diskutiert er, wenn er nicht folgen soll.
Der Familienclown
Mit seinen eigenen Menschen lässt er die harte Schale fallen. Er ist zärtlich, witzig und liebt es, Teil des Familienlebens zu sein. Nach einem langen Jagdtag legt er sich mit tiefem Seufzer auf das Sofa – am liebsten direkt auf seinen Menschen. Mit den Kindern seines Rudels ist er geduldig und tolerant.
Trainings- und Bewegungsbedürfnisse
Bewegung
Einen Drahthaar ohne echte Auslastung zu halten wird nicht gut enden. Täglich mindestens eine Stunde intensive Bewegung – Laufen, Schwimmen, Geländearbeit. Ein kurzer Spaziergang ist kein Training für diesen Hund.
Ein gelangweilter GWP gräbt Schützengräben in den Garten, kaut sich durch Wände und bellt stundenlang. Geistige Auslastung durch Fährtenarbeit, Dummysuche oder Agility ist genauso wichtig wie körperliche.
Erziehung
Dickkopf: Er ist intelligent, was bedeutet: Er lernt schlechte Gewohnheiten genauso schnell wie gute. Mit Inkonsequenz gibt er sich nicht ab.
Konsequenz: Er braucht einen Halter, der meint, was er sagt. Wer ihm einmal das verbotene Sofa erlaubt, hat das Sofa verloren.
Sozialisation: Wegen seiner Schutzinstinkte ist frühe und intensive positive Sozialisation mit Fremden und anderen Hunden unerlässlich. Nur so bleibt er als Erwachsener nervenfest und kontrolliert statt angst-aggressiv.
Gesundheit und Lebenserwartung
Durch die leistungsorientierte Zucht des JGHV ist der Drahthaar robust und langlebig. Typische Lebenserwartung: 12 bis 14 Jahre. Seriöse VDH/FCI-Züchter testen auf:
Hüftgelenksdysplasie (HD): Röntgennachweise beider Elterntiere sind Pflicht.
Von-Willebrand-Krankheit (vWD): Eine erbliche Blutgerinnungsstörung mit erheblichem Blutungsrisiko. DNA-Test verfügbar und bei seriösen Züchtern Standard.
Entropium: Einrollendes Augenlid, das auf der Hornhaut reibt – erfordert Operation. Erkennbar an dauerndem Blinzeln oder Augenreizung.
Herzerkrankungen: Aortenstenose kann in manchen Zuchtlinien vorkommen. Echokardiographie bei Verdacht sinnvoll.
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Führt zu Trägheit, Fellverlust und Gewichtszunahme. Mit täglichen Medikamenten gut behandelbar.
Pflege
Das Drahthaar-Fell ist pflegeleichter als es aussieht – aber nicht komplett wartungsfrei.
Bürsten: Einmal wöchentlich mit Slicker-Bürste oder hartem Kamm – entfernt getrockneten Schmutz und loses Haar.
Hand-Stripping: Zweimal jährlich (Frühjahr und Herbst) sollte das tote Deckhaar von Hand herausgezupft werden. Wer ihn mit der Schermaschine schert, bekommt ein weiches, fluffiges Fell, das seine wasserabweisenden Eigenschaften verliert – und das Haaren im Haus nimmt deutlich zu.
Der Bart: Er ist ein Küchenschwamm. Nach jedem Trinken und Fressen das Gesicht trockenreiben, sonst hinterlässt er nasse Barttropfen auf Hosen, Wänden und Möbeln.
Ohren: Wöchentlich kontrollieren. Die Hängeohren schließen den Gehörgang ab; Feuchtigkeit nach dem Schwimmen fördert Infektionen.
Für wen ist er geeignet?
Ja, wenn Sie:
- aktiver Jäger sind und einen universellen Vollgebrauchshund für alle Reviere suchen.
- wetterfester Outdoormensch sind und täglich intensive Auslastung anbieten können.
- einen loyalen Wächter schätzen, der seine Familie ernstnimmt.
- etwas Schlamm und einen nassen Bart im Haus pragmatisch hinnehmen.
Nein, wenn Sie:
- Ersthundehalter sind. Sein starker Wille und hoher Jagdtrieb überfordern Unerfahrene schnell.
- in einer Stadtwohnung ohne Freifläche leben.
- ein makelloses Zuhause als Bedingung setzen.
- einen Hund suchen, der jeden Menschen sofort herzlich begrüßt. Er reserviert sein Herz für seine Familie.
Wer mit seiner Energie mithalten kann und die ruhige, konsequente Führung bietet, die er braucht, bekommt im Deutsch Drahthaar einen zuverlässigen, loyalen und vielseitigen Jagdhundbegleiter.
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