Gordon Setter
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Gordon Setter

Der Gordon Setter ist der größte und schwerste der drei klassischen britischen Setter-Rassen, ein schottischer Vorstehhund mit unverwechselbarem schwarz-lohfarbenem Fell und ausgeprägtem Familiensinn.

Herkunft
Schottland
Größe
Large
Lebenserwartung
12-13 Jahre
Temperament
Loyal, Selbstbewusst, Wachsam, Furchtlos, Hingebungsvoll

Der Gordon Setter ist das Schwergewicht unter den Settern. Er ist der größte, massivste und körperlich substanziellste der drei klassischen britischen Setter-Rassen. Vergleicht man den feurigen Irish Setter mit einem Rennpferd und den englischen Setter mit dem kultivierten Gentleman, dann ist der Gordon das Zugpferd. Er wurde nicht für Spitzentempo gezüchtet, sondern für Ausdauer – um vom Morgengrauen bis zur Dämmerung über die felsigen, heidebewachsenen Hochmoore Schottlands zu arbeiten.

Optisch ist er unverwechselbar: kohlschwarzes Fell mit klar abgegrenzten, kastanienroten Abzeichen. Charakterlich ist er anders als seine Setter-Verwandten – ernster, wacher, tiefer in seiner Bindung.

Geschichte und Herkunft

Der Gordon Setter wurde im frühen 17. Jahrhundert in Schottland entwickelt – als einziger echter schottischer Vorstehhund. Seinen heutigen Namen verdankt er dem vierten Herzog von Gordon, Alexander Gordon, der die Rasse auf seinem Schloss in Fochabers im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert systematisch verfeinerte. Der Herzog wollte einen Hund, der kräftig genug war, durch das dichte schottische Heidekraut zu arbeiten, dabei aber die Ausdauer hatte, einen langen Jagdtag durchzuhalten. Er priorisierte Nasenleistung, Intelligenz und jagdliches Urteilsvermögen über reine Geschwindigkeit.

Lange wurde er schlicht als „Schwarz-Roter Setter” bezeichnet – ein Name, der seinen Jagdstil beschrieb: eng beim Schützen arbeitend, regelmäßig Blickkontakt suchend. Der AKC änderte den Namen 1924 offiziell auf „Gordon Setter”.

Physische Eigenschaften

Der Gordon ist ein großer, starkknochiger Hund mit solider Substanz. Er soll den Eindruck machen, zu einem harten Arbeitstag fähig zu sein.

  • Widerristhöhe: Rüden 61–69 cm; Hündinnen 58–66 cm.
  • Gewicht: Rüden 25–36 kg (große Show-Linien-Rüden können 45 kg erreichen); Hündinnen 20–32 kg.

Das Fell

Das Fell ist weich, seidig, glänzend, gerade oder leicht gewellt – aber niemals lockig. Lange Befederung an Ohren, Bauch, Brust, Beinen und Rute.

Die Farbe ist das unverwechselbare Rassemerkmal: Schwarz und Loh (Black and Tan). Das Schwarz muss ein tiefes, klares Rabenschwarz sein – kein Rostschimmer. Das Loh muss ein sattes Kastanienrot oder Mahagonirot sein. Die Platzierung der Abzeichen ist im Standard genau festgelegt: zwei Punkte über den Augen, Markierungen an den Fangseiten, der Kehle, der Brust, den Beinen und unter der Rute.

Typische Merkmale

Der Kopf ist tief und schwer mit langem, kräftigem Fang und klar definiertem Stopp. Die Augen sind dunkelbraun, wach und aufmerksam.

Temperament und Persönlichkeit

Der Ein-Familien-Hund

Der Gordon ist seiner Familie gegenüber tief loyal, Fremden gegenüber reserviert und abwartend. Er springt nicht jeden Gast freudig an. Er tritt zurück, beobachtet, bewertet – und entscheidet dann selbst, ob eine Person seiner Aufmerksamkeit würdig ist. Hat er jemanden akzeptiert, bleibt diese Person sein Freund fürs Leben. Seinem engsten Bezugsmenschen folgt er wie ein schwarzer Schatten von Raum zu Raum.

Das Gedächtnis

Der Gordon vergisst nichts. Keine gelernte Lektion, keinen Freund, keine Ungerechtigkeit. Wer ihn fair behandelt, gewinnt ein unerschütterliches Vertrauen. Wer ihn ungerecht behandelt, verliert es – und auch wenn er verzeiht, vergisst er es nicht. Diese Eigenschaft macht Training zur Zweischneidigkeit: Er lernt unerwünschte Verhaltensweisen genauso schnell und dauerhaft wie erwünschte.

Der methodische Jäger

Im Feld arbeitet er enger beim Jäger als der Irish oder English Setter. Er dreht sich regelmäßig um, sucht bewusst den Blickkontakt zu seinem Führer. Dieser kooperative, methodische Suchstil macht ihn zum bevorzugten Hund für Jäger, die einen Hund im Sichtbereich und im ständigen Dialog halten wollen.

Trainings- und Bewegungsbedürfnisse

Bewegung

Der Gordon ist ein Ausdauerathlot. Ein kurzer Spaziergang reicht ihm nicht als Aufwärmen. Er braucht täglich mindestens eine Stunde intensive Bewegung – langen Geländelauf, Radfahrbegleitung, echte Jagdarbeit. Ein müder Gordon ist ein ausgeglichener Gordon; ein ungenutzter Gordon erfindet sich eigene Aufgaben auf Kosten der Einrichtung.

Im Freilauf ist Vorsicht geboten: Seine Nase führt ihn zuverlässig ab, wenn Wild in der Luft liegt. Ein verlässlicher Rückruf ist kein optionales Extra, sondern lebensnotwendig.

Erziehung

Er ist intelligent, aber eigenwillig. Er fragt erst „Warum?”, bevor er „Wie hoch?” fragt. Er braucht einen mental stabilen, konsequenten und fairen Führungsanspruch. Wer bei den Hausregeln nachgibt, gibt dem Gordon die Einladung, die Führung zu übernehmen.

Konsequente positive Verstärkung ist der einzig zielführende Weg. Harte Korrektur lässt ihn mental abschließen oder defensiv werden – beides ungünstig für den Trainingsprozess. Frühe und intensive Sozialisation ist wegen seiner Wachsamkeit Fremden gegenüber unverzichtbar.

Gesundheit und Lebenserwartung

Gordon Setter sind für ihre Größe bemerkenswert robust. Typische Lebenserwartung: 12 bis 13 Jahre.

Magendrehung (GDV): Der tiefe Brustkorb schafft ein erhebliches Risiko. Zwei kleinere Mahlzeiten täglich statt einer großen; mindestens zwei Stunden Ruhe nach dem Fressen. GDV ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der innerhalb von Stunden tödlich endet.

Hüft- und Ellbogendysplasie (HD/ED): Röntgennachweise beider Elterntiere sind bei seriösen Züchtern Pflicht.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Führt zu Lethargie, Gewichtszunahme und Fellproblemen. Mit täglichen Tabletten gut behandelbar.

Progressive Retinaatrophie (PRA): DNA-Test verfügbar; bei seriösen Züchtern Standard.

Krebs: Hämangiosarkom und Osteosarkom kommen in der Rasse vor.

Pflege

Das schwarz-rote Fell ist aufwendig, aber pflegbar.

Bürsten: Zwei- bis dreimal wöchentlich mit Metallbürste und Entwirrkamm. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Befederung hinter den Ohren und unter den Beinen, wo sich schnell Matten bilden.

Trimmen: Das Fell zwischen den Pfotenballen und um die Ohransätze regelmäßig kürzen. Langes Pfotenfell führt zu Rutschunfällen auf Fliesen und sammelt Schlamm und Eisklumpen im Winter.

Baden: Alle 4–6 Wochen, um das Fell sauber und glänzend zu halten.

Ohren: Die schweren, dicht behaarten Hängeohren schließen den Gehörgang ab und begünstigen Pilz- und Bakterieninfektionen. Wöchentlich kontrollieren und reinigen.

Für wen ist er geeignet?

Ja, wenn Sie:

  • einen loyal-beschützenden Hund suchen, der seine Familie über alles stellt.
  • täglich mehrere Stunden aktiv draußen sind – laufen, wandern, jagen.
  • einen großen, sicher eingezäunten Auslauf haben.
  • einen nachdenklichen, würdevollen Hund dem Lärm vorziehen.

Nein, wenn Sie:

  • einen Hund suchen, der jeden sofort herzlich begrüßt.
  • in einer kleinen Stadtwohnung leben.
  • einen pflegeleichten, scherungsfreien Hund erwarten.
  • körperlich und mental nicht bereit sind, einem kraftvollen, eigenwilligen Jagdhund die nötige Führung zu geben.

Für den aktiven Halter, der einen intelligenten, standhaften und loyalen Begleiter sucht, ist der Gordon Setter eine geeignete Wahl. Er ist kein Hund für jedermann, sondern für erfahrene, aktive Hundehalter.

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