Old English Sheepdog
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Old English Sheepdog

Der Old English Sheepdog (Bobtail) ist ein unverkennbarer, zotteliger Hütehund mit einem fröhlichen, clownesken Wesen und einem tiefen, hallenden Bellen.

Herkunft
Großbritannien
Größe
Large
Lebenserwartung
10-12 Jahre
Temperament
Verspielt, Anpassungsfähig, Intelligent, Gesellig, Wachsam

Der Old English Sheepdog, in vielen Ländern und besonders in Deutschland fast ausschließlich als Bobtail (Stummelschwanz) bekannt, ist zweifellos eine der auffälligsten und charmantesten Hunderassen der Welt. Mit seinem massiven, fast quadratischen Körperbau, der vollständig unter einem Berg aus zotteligem, blaugrauem und weißem Fell verborgen ist, seinem bärenhaften Gang (dem Passgang) und seinem unverwechselbaren, tiefen Bellen, das an zwei aneinandergeschlagene Töpfe erinnert (das sogenannte “Pot-casse-Bellen”), zieht er überall die Blicke auf sich.

Doch der Bobtail ist weit mehr als nur ein wandelnder Flokati. Er ist ein athletischer, hochintelligenter und verspielter ehemaliger Arbeitshund. Er besitzt das typische Wesen eines Hütehundes: Er ist sehr menschenbezogen, immer aufmerksam, manchmal etwas dickköpfig und betrachtet seine Familie als seine persönliche Herde, die es zusammenzuhalten und zu beschützen gilt. Für Menschen, die das Engagement für seine intensive Fellpflege nicht scheuen, ist der Bobtail ein liebevoller, lustiger und loyaler Begleiter.

Geschichte und Herkunft: Der zottelige Viehtreiber

Die genaue Abstammung des Old English Sheepdogs verliert sich im Dunkel der Geschichte, aber seine Wurzeln liegen tief im landwirtschaftlichen England des 18. und 19. Jahrhunderts.

Der “Drover’s Dog”

Im Gegensatz zu klassischen Schäferhunden (wie dem Border Collie), die dazu gezüchtet wurden, Schafherden in Zusammenarbeit mit dem Schäfer feinfühlig zu lenken und zu kontrollieren, hatte der Vorfahre des Bobtails eine rauere Aufgabe. Er war ein sogenannter “Drover’s Dog” (Treiberhund).

Seine Hauptaufgabe bestand darin, große Rinder- und Schafherden von den abgelegenen Weiden im Südwesten Englands (wie Devon, Somerset und Cornwall) oft über tagelange Strecken sicher auf die städtischen Märkte (vor allem nach London) zu treiben und sie vor Wölfen und Viehdieben zu beschützen. Für diese anstrengende Arbeit brauchte man keinen feingliedrigen, pfeilschnellen Hund, sondern einen großen, kräftigen, robusten und wetterfesten Naturburschen, der auch mit störrischen Rindern fertig wurde und deren Tritten ausweichen konnte.

Der Ursprung des Namens “Bobtail”

Die Viehtreiberhunde in England waren damals von der Hundesteuer befreit, um die arme Landbevölkerung zu entlasten. Um diese steuerfreien Arbeitshunde von den Jagd- und Begleithunden des Adels unterscheiden zu können, war es gesetzlich vorgeschrieben, ihnen die Rute zu kupieren. Dieses Stutzen des Schwanzes führte zu seinem Spitznamen “Bobtail” (Stummelschwanz).

Heute ist das Kupieren in Deutschland (seit 1998) und den meisten europäischen Ländern aus Tierschutzgründen glücklicherweise streng verboten. Ein moderner Old English Sheepdog hat also in der Regel eine voluminöse, stark behaarte Rute. Dennoch hat sich der Name Bobtail fest eingebürgert. Die Zucht der Rasse, die in der FCI anerkannt ist, wird in Deutschland unter anderem durch den Club für Britische Hütehunde e.V. (CfBrH) und den Deutschen Old English Sheepdog Club e.V. (DOESC) im VDH betreut.

Physische Merkmale: Der zottelige Bär

Der Bobtail ist ein kraftvoller, quadratisch gebauter Hund, dessen Konturen unter der enormen Haarfülle fast verschwinden.

  • Größe: Rüden erreichen eine Schulterhöhe von 61 cm und mehr, Hündinnen ab 56 cm.
  • Gewicht: Ein erwachsener Bobtail wiegt je nach Größe und Knochenbau zwischen 27 und 45 kg. Er ist ein muskulöser, massiver Hund.

Das markante Zottelfell

Das Fell ist das absolute Alleinstellungsmerkmal der Rasse, aber auch ihre größte Herausforderung.

  • Beschaffenheit: Es ist ein extrem üppiges Doppelfell. Das Deckhaar ist harsch, zottig (nicht glatt und nicht lockig) und vollständig wasserdicht. Die Unterwolle ist sehr dicht und weich (sie bildet eine wasserdichte Schicht am Körper). Das Fell bedeckt den gesamten Körper, den Kopf und oft sogar die Augen.
  • Farben: Die typische Färbung ist ein beliebiges Schattieren von Grau, Grizzle (melangiertes Grau) oder Blau auf dem Rumpf und der Hinterhand. Kopf, Hals, Vorderläufe und Unterbauch sind weiß, oft ergänzt durch weiße “Söckchen”.
  • Der Körperbau: Ein charakteristisches Merkmal ist die obere Profillinie: Der Bobtail ist an den Lenden (Kruppe) höher gebaut als an den Schultern (Widerrist). Dies, kombiniert mit seinem typischen “Passgang” (bei dem er die beiden Beine einer Körperseite gleichzeitig nach vorne setzt), verleiht ihm einen rollenden, bärenhaften Gang, der jedoch bei Bedarf in einen extrem schnellen und wendigen Galopp übergehen kann.

Temperament und Persönlichkeit: Der Clown mit Hüteinstinkt

Ein Bobtail ist ein Hund voller Widersprüche. Er wirkt wie ein gemütlicher Bär, ist aber im Bruchteil einer Sekunde hellwach und blitzschnell. Er ist extrem liebevoll und albern, besitzt aber den Eigensinn eines echten Treibers.

Fröhlich, verspielt und menschenbezogen

Er liebt seine Familie abgöttisch und möchte in jeden Aspekt des Alltags einbezogen werden. Bobtails gelten als absolute “Clowns” unter den Hunden. Sie bewahren sich ihre verspielte, lustige und manchmal fast distanzlose Art oft bis ins hohe Alter. Mit Kindern im eigenen Haushalt gehen sie in der Regel sehr geduldig und beschützend um, weshalb sie oft den Ruf als hervorragende Familienhunde genießen.

Der angeborene Hüteinstinkt

Man darf nie vergessen, wofür dieser Hund gezüchtet wurde. Er neigt dazu, seine “Herde” (also die Familie, insbesondere spielende Kinder) zusammenhalten zu wollen. Dieses Verhalten kann sich äußern, indem er Kinder beim Spielen durch Anstupsen, Einkreisen oder (in seltenen Fällen) leichtes Zwicken in die Waden zu lenken versucht. Dieses Verhalten muss frühzeitig und konsequent unterbunden werden, damit er lernt, dass Kinder keine Schafe sind.

Aufmerksam und wachsam

Ein Bobtail meldet ungewohnte Geräusche und fremde Besucher sehr zuverlässig mit seinem markanten, tiefen “Pot-casse-Bellen”, das Respekt einflößt. Er ist jedoch kein aggressiver Wachhund; hat der Besitzer den Besuch eingeladen, wird der Bobtail ihn meist freundlich und stürmisch begrüßen.

Erziehung und Bewegungsbedarf

Bewegung: Ausdauernd und wendig

Lassen Sie sich von seinem gemütlichen Gangbild nicht täuschen: Ein Bobtail ist ein Athlet.

  • Täglicher Bedarf: Er braucht mindestens ein bis zwei Stunden aktive Bewegung am Tag. Zügige Spaziergänge, Joggen oder Radfahren (wenn er ausgewachsen ist) gehören zu seinem Programm.
  • Hundesport: Er ist extrem wendig und klug, was ihn zu einem guten Partner für Agility, Treibball, Obedience oder auch als ausgebildeten Rettungs- und Therapiehund macht.
  • Kopfarbeit: Als Hütehund verkümmert er geistig, wenn er nur neben dem Fahrrad herlaufen darf. Er braucht Aufgaben, Suchspiele und mentale Stimulation, um nicht unausgeglichen zu werden.

Erziehung: Konsequenz mit Humor

Die Erziehung eines Bobtails erfordert Geduld, Konsequenz und sehr viel Humor.

  • Eigensinn: Er wurde gezüchtet, um bei der Treibarbeit auch eigene, schnelle Entscheidungen zu treffen. Diesen Eigensinn hat er sich bewahrt. Wenn er den Sinn eines Kommandos nicht versteht, wird er es mit einem charmanten, sturen Blick ignorieren.
  • Positive Verstärkung: Er ist sensibel. Härte oder Schreien führen nur dazu, dass er komplett abschaltet. Er lernt am besten durch abwechslungsreiches Training, das Spaß macht und durch Motivation (Lob, Leckerlis, Spielzeug) gestützt wird.
  • Frühe Sozialisierung: Dies ist wichtig, um sein stürmisches Temperament Fremden gegenüber in geregelte Bahnen zu lenken.

Gesundheit und Lebenserwartung

Der Bobtail ist im Allgemeinen eine robuste Rasse mit einer für seine Größe guten Lebenserwartung von 10 bis 12 Jahren.

Dennoch gibt es, wie bei vielen Rassen, genetische Dispositionen für bestimmte Krankheiten. Seriöse VDH-Züchter verlangen für die Zuchtzulassung strikte Gesundheitsuntersuchungen:

  • Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED): Das größte orthopädische Problem bei großen Hunden. Ein offizielles Röntgen der Elterntiere ist Pflicht.
  • Augenerkrankungen: Progressive Retinaatrophie (PRA) und Grauer Star (Katarakt). Regelmäßige Untersuchungen durch DOK-Tierärzte sind wichtig.
  • Primary Ciliary Dyskinesia (PCD): Eine erbliche Atemwegserkrankung (Atemnot und häufige Lungenentzündungen). Für diese Krankheit gibt es seit einiger Zeit einen DNA-Test, der in der Zucht genutzt werden sollte.
  • MDR1-Gendefekt: Wie viele britische Hütehunde kann auch der Bobtail Träger dieses Gendefekts sein, der zu einer lebensgefährlichen Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Medikamenten (z. B. bestimmten Narkose- und Entwurmungsmitteln) führt. Ein DNA-Test der Elterntiere gibt Gewissheit.
  • Gehörlosigkeit: Besonders bei Hunden mit hohem Weißanteil am Kopf kann es zu Taubheit kommen. Welpen sollten audiometrisch (BAER-Test) untersucht werden.

Pflege: Ein Vollzeitjob

Die Anschaffung eines Bobtails sollte niemals spontan erfolgen. Das Fell ist der entscheidende Faktor, der über Freude oder Frustration bei der Haltung entscheidet.

  • Intensives Bürsten: Wenn Sie das Fell in seiner vollen, prachtvollen Länge erhalten möchten, müssen Sie (je nach Fellbeschaffenheit) jede Woche mehrere Stunden einplanen. Das Haar muss tief bis auf die Haut gebürstet und gekämmt werden, da die weiche Unterwolle sonst unweigerlich zu schmerzhaften Filzplatten verklebt. Das Entfilzen eines vernachlässigten Bobtails ist für den Hund eine Qual.
  • Der “Puppy-Clip”: Viele Besitzer (die keine Ausstellungen besuchen) entscheiden sich für eine praktische, kürzere Schur beim Hundefriseur. Auch dieser kürzere Schnitt erfordert noch regelmäßiges Bürsten, erleichtert den Alltag aber enorm.
  • Sauberkeit: Ein langhaariger Bobtail ist ein Schmutzmagnet. Er bringt nach jedem Spaziergang im Regen Wasser, Schlamm, Blätter und Kletten ins Haus. Auch der Bart wird beim Fressen und Trinken schnell nass und schmutzig.
  • Pfoten und Ohren: Die dichten Haare zwischen den Ballen müssen regelmäßig gekürzt werden, um das Ausrutschen auf glatten Böden zu verhindern. Die Hängeohren (oft stark behaart) neigen zu Entzündungen und bedürfen regelmäßiger Kontrolle und Reinigung.

Ist ein Old English Sheepdog (Bobtail) der richtige Hund für Sie?

Der Bobtail ist ein herrlicher Begleiter, der jedoch aufgrund seiner Größe, seines Temperaments und vor allem seines Pflegebedarfs besondere Anforderungen an seine Besitzer stellt.

Ein Bobtail passt zu Ihnen, wenn:

  • Sie aktiv sind und Ihrem Hund täglich körperliche und geistige Auslastung bieten können.
  • Sie einen großen, fröhlichen, extrem menschenbezogenen Familienhund suchen.
  • Sie sich im Vorfeld intensiv mit der Fellpflege auseinandergesetzt haben und absolut bereit sind, jede Woche mehrere Stunden dafür zu investieren (oder die Kosten für regelmäßige Friseurbesuche tragen).
  • Sie ein Haus mit Garten haben und ausreichend Platz für diesen massiven Hund bieten können.
  • Sie sich an Hundehaaren im Haus und Schmutz nach Regentagen nicht stören.

Ein Bobtail passt nicht zu Ihnen, wenn:

  • Sie einen extrem pflegeleichten Hund (bezüglich des Fells) suchen.
  • Sie in einer kleinen Wohnung (möglicherweise noch in einem oberen Stockwerk ohne Aufzug) leben.
  • Sie einen Hund suchen, der blinden Gehorsam zeigt und keinen eigenen Willen hat.
  • Sie nicht bereit sind, die ungestüme Energie eines jungen Bobtails durch konsequentes Training in geordnete Bahnen zu lenken.

Wer die Zeit und das Engagement für diesen großen, zotteligen Hund aufbringt, wird im Bobtail einen zuverlässigen Beschützer, einen ausdauernden Spielkameraden und einen treuen Begleiter finden.

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